Erlangen first! Verbot von Inlandsflügen jetzt!

Ich wer­de mich als Direkt­kan­di­dat für Erlan­gen nach erfolg­rei­cher Wahl dafür ein­set­zen, dass alle Inlands­flü­ge ver­bo­ten wer­den. Neben den kli­ma­po­li­ti­schen Aspek­ten hat das den Vor­teil, dass Erlan­gen gegen­über Mün­chen auf­ge­wer­tet wird, da alle Bahn­ver­bin­dun­gen aus dem Nor­den durch Erlan­gen gehen.

Bahn­stre­cke Berlin–München mit BRou­ter, 20.02.2021

Man ist somit zuerst in Erlan­gen, wenn man mit der Bahn kommt.1 Kommt man dage­gen mit dem Flug­zeug, wäre man zuerst in Mün­chen und müss­te dann zurück­fah­ren.2 Erlan­gen wäre also zwei­ter. Das ist mit dem Stolz der Fran­ken nicht zu ver­ein­ba­ren. Des­halb: Erlan­gen first! Inlands­flü­ge verbieten!

Nachhaltigkeit, Lobbyismus, Transparenz und der Politikkodex

Der Politikkodex

Ein füh­ren­des Mit­glied der Par­tei Die PARTEI hat mich dar­um gebe­ten, den Poli­tik­ko­dex zu unter­schrei­ben. Dabei geht es um Trans­pa­renz und dar­um Lob­by­is­mus zu erschwe­ren. Die Höchst­sät­ze für pri­va­te Zuwen­dun­gen und Par­tei­spen­den sol­len redu­ziert wer­den und von Unter­zeich­ne­rin­nen wird erwar­tet, dass sie Fir­men­be­tei­li­gun­gen und ande­re poten­ti­ell ihre Hal­tung als poli­ti­sche Mandatsträger*innen beein­flus­sen­de Fak­to­ren offen­le­gen. Ich hal­te Lob­by­is­mus für eins der Grund­übel unse­rer Zeit und auch für einen der wich­tigs­ten Grün­de dafür, war­um die Regie­rung uns Kli­ma­päck­chen schickt und der Koh­le­indus­trie Mil­li­ar­den schenkt, statt ein­fach den Markt ent­schei­den zu las­sen (in UK sind die Koh­le­kraft­wer­ke unren­ta­bel und schlie­ßen selbst) bzw. einen Bruch­teil der Ent­schä­di­gun­gen nimmt und RWE kauft und dicht macht (der Bör­sen­wert ist nicht hoch). Auto­in­dus­trie und Tem­po­li­mit ist eine ande­re Geschich­te. Also: Poli­tik­ko­dex hurra! 

Neben­be­mer­kung: Der Mann, gegen den ich antre­te, scheint das irgend­wie anders zu sehen. Er hat im Bun­des­tag gegen Trans­pa­renz­reg­lun­gen gestimmt.

Der zur Zeit in den Bun­des­tag abge­ord­ne­te Ste­fan Mül­ler hat gegen Trans­pa­renz­reg­lun­gen für Abge­ord­ne­te gestimmt. Quel­le: Abge­ord­ne­ten­watch.

Beim Nach­den­ken über den Poli­tik­ko­dex ist mir auf­ge­fal­len, dass ich an sehr, sehr vie­len Fir­men betei­ligt bin. Eine ist ein Bank und eine ande­re habe ich sogar selbst mit­ge­grün­det. Also hier jetzt der Trans­pa­renz­post. Ich hof­fe, dass mich danach noch jemand wählt. Trotz der hef­ti­gen Ver­stri­ckun­gen in lokal, natio­nal und glo­bal agie­ren­de Fir­men und mei­ner Nebentätigkeit.

Aber fan­gen wir viel­leicht mit etwas an, das mir leicht­fällt: Trans­pa­renz und Dienstreisen.

Transparenz

Der Poli­tik­ko­dex ver­langt die Offen­le­gung von Kon­tak­ten mit Interessenvertreter*innen:

2.10 Kontakte/Treffen mit Interessenvertreter*innen mit Nen­nung des Datums, des The­mas, der Per­son, der Insti­tu­ti­on, der Agen­tur, der Kanz­lei, der Denk­fa­brik etc. trans­pa­rent machen (z.B. durch Ver­öf­fent­li­chung auf der eige­nen Internetseite).

Ich wer­de alles, was ich tue, auf twit­ter bekannt­ge­ben (mache ich jetzt schon). Ich fol­ge dabei dem Vor­bild von Julia Klöck­ner, die ihr Tref­fen mit Nest­lé eben­falls auf twit­ter bekannt­ge­ge­ben hat:

Video aus einem Tweet vom 03.06.2019 von Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner (CDU) zu einem Tref­fen mit Nestlé

Ich ver­spre­che eben­falls, dass ich vor einem etwai­gen Tref­fen mit Vertreter*innen von Nest­lé, den Film We feed the world – Essen glo­bal min­des­tens drei mal anse­hen wer­de (ein Mal war schon schlimm genug).

Dienstreisen

Der Poli­tik­ko­dex ver­langt von Kan­di­die­ren­den und poli­ti­schen Man­dats- und Amtsträger*innen, Dienst­rei­sen öffent­lich zu machen und Flug­rei­sen zu reduzieren:

2.17 Dienst­rei­sen ins Aus­land mit einem Rei­se­be­richt öffent­lich trans­pa­rent machen unter Offen­le­gung des Rei­se­ziels, des/der Ein­la­den­den und der Kos­ten­tra­gung. Flug­rei­sen redu­zie­ren und wenn mög­lich durch Video­kon­fe­ren­zen ersetzen.

2.18 Amts-/Man­dats­tä­tig­keit so umwelt­scho­nend wie mög­lich aus­üben (dies gilt in beson­de­rer Wei­se für Rei­sen und dienst­li­che Mobilität).

Aus­zü­ge aus dem Polit­ko­dex, 18.04.2021

Ich bin in mei­nem Leben viel gereist. Haupt­säch­lich dienst­lich. Das ist auf mei­ner wis­sen­schaft­li­chen Web-Sei­te doku­men­tiert. Pri­vat flie­ge ich seit 2008 nicht mehr. Und seit August 2019 flie­ge ich über­haupt nicht mehr. Ich habe aktiv für die Schlie­ßung des Flug­ha­fens Tegel gekämpft und mit Kolleg*innen von Scientist4Future in Berlin/Brandenburg eine Akti­on zur Selbst­ver­pflich­tung von Wissenschaftler*innen zum Ver­zicht auf dienst­li­che Kurz­stre­cken­flü­ge durchgeführt.

Ver­kün­dung der Ergeb­nis­se der Selbst­ver­pflich­tungs­ak­ti­on gegen Kurz­stre­cken­flü­ge bei Fri­day­s4­Fu­ture-Demo am Bran­den­bur­ger Tor, Ber­lin, 20.09.2019. Die mei­ne Uni, die Hum­boldt-Uni­ve­ris­tät, hat­te sowohl pro­zen­tu­al als auch abso­lut das bes­te Ergebnis.

Die Akti­on wur­de dann als #unter1000 auf das gesam­te Bun­des­ge­biet aus­ge­wei­tet (unter1000.scientists4future.org) und bis Coro­na das Inter­es­se am Flie­gen bzw. Nicht-Flie­gen gegroun­det hat, haben wir 4141 Ver­pflich­tun­gen von an deut­schen For­schungs­ein­rich­tun­gen täti­gen Wissenschaftler*innen eingesammelt.

2.19 Kos­ten der Amts-/Man­dats­tä­tig­keit so gering wie mög­lich halten.

Aus­zug aus dem Polit­ko­dex, 18.04.2021

Der Punkt 2.19 steht zur Zeit lei­der im Wider­spruch zu Punkt 2.17 und 2.18. Das liegt dar­an, dass Flug­rei­sen oft bil­li­ger sind als die viel öko­lo­gi­sche­ren Zug­rei­sen. Mit die­sem The­ma haben wir uns bei S4F schon beschäf­tigt. Als Bun­des­tags­abe­ord­ne­ter wer­de ich mich dafür ein­set­zen, dass die Befrei­ung des Flug­ver­kehrs von der Kero­sin­steu­er been­det wird und dass die Ton­ne CO2 wie vom Umwelt­bun­des­amt vor­ge­schla­gen mit min­des­tens 180€ ein­ge­preist wird und somit Flug­rei­sen nur ihren rea­len Kos­ten ent­spre­chend ange­bo­ten wer­den kön­nen. Damit wäre die Bahn dann wie­der billiger.

So viel zu Umwelt- und Nach­hal­tig­keits­fra­gen. Nun zu mei­nen Firmenbeteiligungen.

Firmenbeiteiligungen

Taz, die Tageszeitung Verlagsgenossenschaft eG

Die Fir­ma, an der ich die meis­ten Antei­le besit­ze, ist die taz. Ich bin Genos­sen­schaft­ler und habe Antei­le im Wert von 2500€ gekauft. Die­se Antei­le ver­lie­ren stän­dig an Wert. 2018 betrug der Wert 84,25% der Ein­zah­lungs­sum­me. Ich weiß das so genau, weil ich mei­ne Antei­le 2019 kurz mal gekün­digt habe, weil ich Geld für das Demo­kra­tie-Kli­ma-Pro­jekt 120620olympia brauch­te und die taz durch ihre Bericht­erstat­tung (taz lügt nicht) dazu bei­getra­gen hat­te, dass die 2 Mil­lio­nen Euro, die per Crouwd-Fun­ding ein­ge­sam­melt wur­den, fast nicht zusam­men gekom­men wären (sie­he War­um mein taz-Kre­dit­plan nicht funk­tio­nert hat). taz-Genosenschaftler*innen bekom­men von der Genos­sen­schaft kein Geld. Dafür aber eine gute Zeitung.

Kräutergarten Pommerland eG

Außer­dem besit­ze ich für 500€ Antei­le an der Kräu­ter­gar­ten Pom­mer­land eG. Die machen den leckers­ten Kräu­ter­tee der Welt. Irgend­wann hat­te unser Dea­ler die aus­ge­lis­tet, da habe ich die Din­ge selbst in die Hand genom­men. Der Kräu­ter­gar­ten ist eben­falls als Genos­sen­schaft orga­ni­siert. Geld haben die Genossenschaftler*innen noch nie bekom­men. Dafür guten Tee.

BRD GmbH

Nein! Die BRD GmbH gibt’s gar nicht. Das ist Nazi-Quatsch. Da kommt nichts bei raus. Kein Geld, kei­ne Zei­tung, kein Tee, kein Öko­strom. Nur Ärger. Hof­fent­lich Ärger.

GLS Bank eG

Ich besit­ze auch eine Bank. Also einen Teil einer Bank. Ich habe Genos­sen­schafts­an­tei­le für 500€ gezeich­net. GLS steht für „Gemein­schafts­bank für Lei­hen und Schen­ken“. Wie bescheu­ert ist das denn? Eine Bank, die Geld ver­schenkt? Ja, da muss man schon ziem­lich idea­lis­tisch drauf sein. Die GLS Bank för­dert nach­hal­ti­ge Pro­jek­te. Frü­her wur­de das über nied­ri­ge­re Zin­sen für die Anleger*innen finan­ziert. Da es zur Zeit aber für nie­man­den Zin­sen gibt, ist es etwas schwie­rig. Geld bringt mir die­ses Invest­ment also keins. Aber gute Laune.

SoGeLa eG

Mei­ne kom­mer­zi­ell erfolg­reichs­te Fir­men­be­tei­li­gung ist die an der SoGe­La (Solar­ge­nos­sen­schaft Lau­sitz eG). Auf die SoGe­LA bin ich durch einen Arti­kel in der taz auf­merk­sam gewor­den (Solar­dä­cher statt Abraum­hal­den). Vat­ten­fall woll­te 2011 die Dör­fer Kerk­witz, Atter­wasch und Grab­ko weg­bag­gern. Die Anwohner*innen von Kerk­witz hat­ten die Idee, Vat­ten­fall maxi­mal effek­tiv und sym­bo­lisch zu ärgern. Sie haben eine Genos­sen­schaft gegrün­det, die Solar­zel­len auf das loka­le Feu­er­weh­haus gebaut hat. Soll­te der Ort weg­ge­bag­gert wer­den, so muss Vat­ten­fall (bzw. deren Nach­fol­ger) die Solar­ge­nos­sen­schaft ent­schä­di­gen. Alle Mit­glie­der der Genos­sen­schaft sind betrof­fen und kön­nen sich auch in loka­le Ver­fah­ren einbringen.

Ich hat­te die­ses Invest­ment eigent­lich als eine Spen­de gese­hen: Zurück kommt kein Geld, aber guter Strom. Doch dann: 2020 ein Brief mit Mit­tei­lung zur Gewinn­aus­schüt­tung. Hey, ho. Gutes tun und dabei reich werden!

Mei­ne bis­her finan­zi­ell erfolg­reichs­te Fir­men­be­tei­li­gung bei der Solar­ge­nos­sen­schaft Lau­sitz: 73,08€ in fünf Jah­ren. Das sind 14,61€ pro Jahr!

Language Science Press 

Ich höre sie/Sie jetzt schon fra­gen: „Was? Der will der CSU Kon­kur­renz machen? Kann der denn über­haupt Wirt­schaft?“ Dar­auf habe ich zwei Ant­wor­ten: 1) Alle mei­ne Fir­men gibt es noch nach meh­re­ren Jah­ren. Das ist bei Grö­ßen aus Par­tei­en, die als wirt­schafts­kom­pe­tent gel­ten, nicht der Fall (Wiki­pe­dia-Ein­trag: Chris­ti­an Lind­ner). 2) Mei­ne erfolg­reichs­te Fir­men­grün­dung ist eine gemein­nüt­zi­ge GmbH, die den Ver­lag Lan­guage Sci­ence Press betreibt und die ich 2017 gemein­sam mit Mar­tin Has­pel­math und Sebas­ti­an Nord­hoff (aus Erlan­gen) gegrün­det habe. Lan­guage Sci­ence Press ist inzwi­schen im Mil­lio­nen­be­reich: Wir haben 1 Mil­li­on Down­loads von Open-Access-Büchern erreicht. Lan­guage Sci­ence Press ist ein glo­bal agie­ren­der Ver­lag, der von 115 Part­ner­in­sti­tu­tio­nen finan­ziert wird (z.B. Har­vard, MIT, Edin­burgh, Erlan­gen). Die­se bezah­len für 30 Bücher pro Jahr jeweils 1000€. 

Noam Chom­skys Unter­stüt­zung für Lan­guage Sci­ence Press, Ver­lags­ma­te­ri­al, 21.03.2017

Die Abbil­dung zeigt Noam Chom­sky vom MIT, der uns in der ers­ten Finan­zie­rungs­pha­se zusam­men mit Ste­ve Pin­ker (Har­vard) und Ade­le Gold­berg (Prince­ton) unter­stützt hat. 2020 war die zwei­te Finan­zie­rungs­pha­se erfolg­reich und Lan­guage Sci­ence Press hat jetzt über 170 Titel von über 1000 Autor*innen in 26 Buch­rei­hen veröffentlicht. 

Fly­er von Lan­guage Sci­ence Press mit Infor­ma­tio­nen zu Buch­rei­hen, der Anzahl der Bücher, Autor*innen und Down­loads, 2/2021

Da die GmbH gemein­nüt­zig ist, dür­fen wir kei­nen Gewinn machen. Bis­her wur­den 0,00€ an mich aus­ge­schüt­tet, und das wird auch so blei­ben. Der Zweck des Ver­la­ges war es, das Publi­ka­ti­ons­pro­blem (unzu­gäng­li­che Publi­ka­tio­nen bei astro­no­misch wach­sen­den Prei­sen und sin­ken­dem Ser­vice durch Wis­sen­schafts­ver­la­ge wie Else­vier, Sprin­ger, Wiley und De Gruy­ter) zu lösen. Wir haben die­ses Pro­blem gelöst. Zumin­dest für die Sprach­wis­sen­schaft. Zur Wirt­schafts­kom­pe­tenz: Wir haben gemein­sam mit der Öko­no­min Debo­ra Sil­ler ein Geschäfts­mo­dell ent­wi­ckelt (Nord­hoff, 2018). Die­ses ist öffent­lich zugäng­lich und wir hof­fen auf Nachahmer*innen aus ande­ren Dis­zi­pli­nen oder auch aus der Sprach­wis­sen­schaft selbst. 

Im Bun­des­tag wer­de ich mich natür­lich für Open Access ein­set­zen: Aus Steu­er­mit­teln finan­zier­te For­schung muss der All­ge­mein­heit zugäng­lich sein und darf nicht hin­ter Pay­walls ver­schwin­den. Auf­grund der Oli­go­pol­struk­tu­ren im Ver­lags­we­sen wer­den Mond­prei­se für wis­sen­schaft­li­che Ver­öf­fent­li­chun­gen ver­langt. Die­se Miss­stän­de gilt es zu besei­ti­gen. Uni­ver­si­tä­ten und die DFG arbei­ten daran.

Nebentätigkeiten

Ich pho­to­gra­phie­re Musik-Events. Als ich die Che­fin der Photograph*innenvereinigung zum ers­ten Mal getrof­fen habe und wir den Ver­trag bespro­chen haben, habe ich gesagt, dass ich es gut fän­de, wenn die Kame­ra dabei raus­kä­me. Sie hat mich gar nicht ver­stan­den. Sie dach­te, ich hät­te das The­ma gewech­selt und wür­de mich dar­auf freu­en, dass es bald ein neu­es Kame­ra­mo­dell zu kau­fen gibt. In der Event-Pho­to­gra­phie ver­dient man heut­zu­ta­ge kein Geld mehr.

Bild von mir in der taz vom 28.09.2018. Das Bild ist 2018 bei „Wir sind mehr“ in Chem­nitz entstanden.

Frü­her hat man bei der taz so 100 DM pro Bild bekom­men und die taz hat am wenigs­ten bezahlt (nie­mand ver­dient viel Geld bei der taz). Für das Nura-Bild kamen bei mir 6€ Hono­rar an. Der Ver­trieb von Pho­tos kann auf ver­schie­de­ne Arten erfol­gen. Für die Photograph*innen ist es das Bes­te, direkt an Zei­tun­gen zu ver­kau­fen, aber das ist nicht ein­fach, denn direk­ter Kon­takt ist für die Redak­tio­nen zu auf­wen­dig und somit zu teu­er. Heut­zu­ta­ge läuft alles über Daten­ban­ken und Bild­agen­tu­ren (ima­go, pic­tu­re alli­an­ce). Die taz hat das Bild bei Ima­go gekauft und X€ dafür bezahlt. Einen Teil davon hat ima­go an mei­ne Che­fin wei­ter­ge­ge­ben, die unse­re Daten­bank ver­wal­tet und Bil­der an Redak­tio­nen ver­teilt, und einen Teil davon habe ich bekom­men. So läuft’s.

Aber das ist nicht alles. Es ist nicht nur so, dass die Ein­nah­men pro Bild dra­ma­tisch gesun­ken sind (regelt der Markt …). Die Zei­tun­gen ver­wen­den ein­fach skru­pel­los irgend­wel­che Han­dy­bil­der ihrer Redakteur*innen. Wahr­schein­lich fin­den das die Leser*innen nicht ein­mal schlimm. Wenn ich im Bun­des­tag für irgend­et­was lob­by­ie­ren wür­de, dann für eine gute visu­el­le Erzie­hung und künst­le­ri­sche Ausbildung. 

Vermögenslage

Ich bin seit 1994 im öffent­li­chen Dienst und in der Pri­vat­wirt­schaft beschäf­tigt gewe­sen. Von 1994–1996 als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter und ich hat­te das gro­ße Glück, eine gan­ze Stel­le zu bekom­men. Danach 1997–2003 an der DFKI GmbH in Saar­brü­cken. Die Tari­fe dort waren damals an IG-Metall-Tari­fe ange­lehnt, d.h. sie lagen deut­lich über denen des öffent­li­chen Diens­tes. Das, was ich da mehr bekom­men habe, habe ich aber gleich bei der Deut­schen Bahn abge­ge­ben. Danach hat­te ich diver­se Pro­fes­su­ren (W1 in Bre­men, W3 an der FU Ber­lin und der HU Ber­lin). Was man da ver­dient, kann man in ent­spre­chen­den Tabel­len im Netz nachlesen.

Das Geld habe ich alles ver­prasst! Mit teu­ren Ein­käu­fen im Bio-Laden und einer neu­en Kame­ra alle vier Jah­re (ich arbei­te im Low-Light-Bereich, da zählt jeder ISO-Schritt). Außer­dem für Kla­mot­ten. Also ich selbst habe seit 1994 immer die­sel­ben Sachen ange­zo­gen, aber die Kin­der haben prak­tisch täg­lich ande­re Kon­fek­ti­ons­grö­ßen und die sze­ne­ty­pi­sche Klei­dung ist sehr teuer.

Demons­tra­ti­ons­teil­neh­me­rin­nen demons­trie­ren bei der Fri­days­For­Fu­ture-Demo #Neu­start­Kli­ma für fair fashion und gegen fast fashion, Ber­lin, 29.11.19

Was dann noch übrig ist, geht in das Taschen­geld der Kin­der (Aber die Mar­le­ne bekommt viel mehr!). Da die Kin­der Öko-Kin­der sind (also Kin­der von Ökos), dür­fen sie sich für das Taschen­geld nichts kau­fen. Sie müs­sen es in Kli­ma­fonds anle­gen. Sie sind inzwi­schen sehr reich.

Da ich aus dem Osten bin, gibt es kein ande­res Ver­mö­gen wie zum Bei­spiel geerb­tes Geld, Häu­ser oder Woh­nun­gen (sie­he auch Mau, 2020: 171). Alles, was ich besit­ze, stammt aus mei­nen Gehäl­tern, Anla­gen bzw. von der SoGeLa.

Pro­ble­me mit geschenk­ten Eigen­tums­woh­nun­gen haben Ossis eher selten

Literatur

Drib­busch, Bar­ba­ra. 2021. Umver­tei­lung der Steu­er­last: Ran an die Ober­mit­tel­schicht! taz. 17.04.2021, S. 11

Mau, Stef­fen. 2020. Lüt­ten Klein: Leben in der ost­deut­schen Trans­for­ma­ti­ons­ge­sell­schaft (Schrif­ten­rei­he 10490). Bonn: Zen­tra­le für Poli­ti­sche Bil­dung. (https://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/303713/luetten-klein)

Nord­hoff, Sebas­ti­an. 2018. Lan­guage Sci­ence Press busi­ness model. Ber­lin: Lan­guage Sci­ence Press. (https://doi.org/10.5281/zenodo.1286972)

Was qualifiziert Sie für den Bundestag?

In die­sem Bei­trag bespre­che ich die Vor­aus­set­zun­gen für eine Wahl in den Bun­des­tag, das Pro­blem, das die gegen­wär­ti­gen Kri­sen für die Demo­kra­tie dar­stel­len und Mög­lich­kei­ten zur Erwei­te­rung der­sel­ben. Ein abschlie­ßen­der Abschnitt ist den Mensch­heits­kri­sen und sich dar­aus erge­ben­den neu­en Anfor­de­run­gen an Politiker*innen gewidmet.

Voraussetzungen für die Wahl

Als ich mit mei­nen Eltern über mei­ne Bun­des­tags­kan­di­da­tur für Die PARTEI Erlan­gen gespro­chen habe, waren sie skep­tisch. Mein Vater war der Mei­nung, dass das doch Men­schen machen soll­ten, die etwas ent­spre­chen­des stu­diert haben. Poli­tik­wis­sen­schaf­ten, oder so. Tja, so sind wir, wir Ossis. Wir fra­gen uns, ob wir Din­ge kön­nen, und im Zwei­fels­fall las­sen wir die Blen­der vor (hat­te ich Andre­as Scheu­er, MA mit sei­nem Fake-Dok­tor­ti­tel schon erwähnt?), die ein­fach selbst­be­wusst auf­tre­ten. Es gibt dazu einen schö­nen Witz aus Nach­wen­de­zei­ten: Fra­ge: „War­um dau­ert das Abitur im Wes­ten 13 Jah­re, aber im Osten nur 12 Jah­re?“ Anwort: „Weil im Wes­ten noch ein Jahr Schau­spiel­un­ter­richt dabei ist!“ Regi­ne Hil­de­brandt (1990 Minis­te­rin für Arbeit, Sozia­les, Gesund­heit und Frau­en in Bran­den­burg) erzählt ihn sehr gut zum Anfang einer MDR-Doku­men­ta­ti­on über Ost-Frauen:

Teil 2 der MDR-Doku­men­ta­ti­on über Ost­frau­en beginnt mit einem Wes­si-Witz aus den 90ern über das 13jährige Abitur

Ich per­sön­lich kann mich über man­geln­des Selbst­ver­trau­en nicht bekla­gen. Das liegt aller­dings dar­an, dass ich Wis­sen­schaft­ler bin und da ist die Sach­la­ge oft sehr klar. Ich hat­te ein­fach immer Recht. Also meis­tens. Also aus­rei­chend oft.1

Was qua­li­fi­ziert einen dazu, in den Bun­des­tag zu gehen? Muss man Politikwissenschaftler*in sein? Nein, 2013 kan­di­dier­te ein Kol­le­ge, eben­falls Sprach­wis­sen­schaft­ler, für eine damals gera­de neu gegrün­de­te Par­tei. Das fand nie­mand lus­tig. Nun kan­di­die­re ich für Die PARTEI. Das fin­den hof­fent­lich eini­ge lus­tig. Der Huf­ei­sen-Ste­fan Mül­ler von der CSU, gegen den ich antre­te, ist Bank­fach­wirt, vie­le CSU-Mit­glie­der sind Bau­ern. Julia Klöck­ner ist Wein­kö­ni­gin. Sie kann sehr gut lächeln. Das ist genau die Qua­li­fi­ka­ti­on, die sie braucht. Zum Bei­spiel zum Kuscheln mit Nestlé:

Video aus einem Tweet vom 03.06.2019 von Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner (CDU) zu einem Tref­fen mit Nestlé

Julia Klöck­ner sagt in ihrem Bei­trag, dass sie in ihrem Gespräch mit Nest­lé viel Neu­es erfah­ren hat. Über Nest­lé hät­te sie schon vor­her viel erfah­ren kön­nen. Zum Bei­spiel aus dem Film We feed the world – Essen glo­bal. Ich will das hier nicht zusam­men­fas­sen, da bekom­me ich nur schlech­te Lau­ne. Guckt Euch den Film ein­fach an.

Lobbyismus und Repräsentativität

Aber jetzt ganz im Ernst: Der Bun­des­tag besteht aus vom Volk gewähl­ten Vertreter*innen, die die Inter­es­sen der Wähler*innen bzw. von Grup­pen von Wähler*innen ver­tre­ten sol­len. Also eigent­lich Lob­by­is­mus. Vie­le CDU/C­SU-Abge­ord­ne­te sind (Groß-)Bauern und sit­zen auch im Agrar­aus­schuss des Bun­des­ta­ges (62% der CSU/CDU, 25% der Grü­nen, 0% bei den ande­ren, taz, 17.03.2021). Außer ihrer Par­tei­mit­glied­schaft haben sie kei­ne beson­de­re Qua­li­fi­ka­ti­on. Auch das ist in Ord­nung (aber sie­he unten). Das ein­zi­ge Pro­blem ist, dass Lob­by­is­mus in CDU/CSU und lei­der auch der SPD bis­her intrans­pa­rent geblie­ben ist und dass die CDU/CSU sich gegen ent­spre­chen­de Geset­ze gewehrt hat. 

Mar­co Bülow (Ex-SPD, jetzt Die PARTEI) spricht beim Kli­ma­mon­tag von Berlin4Future über Kor­rup­ti­on und Lob­by­is­mus, Ber­lin, Alex­an­der­platz, 07.09.20, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Es muss trans­pa­rent sein, wer was im Bun­des­tag macht und was dabei die Inter­es­sen der jewei­li­gen Per­son sind oder sein könn­ten. Dann kön­nen Wähler*innen frei ent­schei­den, ob sie jeman­den wäh­len wol­len oder nicht. 

Grob ver­ein­facht kann man also als Grund­vor­aus­set­zung für ein Bun­des­tags­man­dat eine Par­tei­zu­ge­hö­rig­keit, die Fähig­keit zu lächeln2 und Men­schen zu begeis­tern und für gewis­se Posi­tio­nen die Fähig­keit zu füh­ren anneh­men. Reicht das für eine funk­tio­nie­ren­de Demo­kra­tie? Lei­der nicht, denn der Bun­des­tag ist nicht divers genug. Küp­pers­busch fasst zusammen: 

„Von der Idee, alle Stän­de und Beru­fe im Par­la­ment ver­tre­ten zu sehen ist wenig übrig. Im Bun­des­tag sit­zen 203 Abge­ord­ne­te aus dem Öffent­li­chen Dienst und zwei, die pri­vat Haus­mann­frau sind. 101 arbei­ten bei „gesell­schaft­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen“ wie etwa Par­tei­en, vier sind arbeits­los oder ohne Beruf. Das Par­la­ment bil­det die Gesell­schaft nicht mehr ab, und das schaff­te auch Fall­hö­he für eine Rabu­lis­ten­frak­ti­on rechtsaußen.“

Fried­rich Küpers­busch: Coro­na, CDU und Grü­ne: Impf­par­ty mit Schei­be.(taz, 06.04.2021)

Für das Pro­blem, dass sich Tei­le der Bevöl­ke­rung nicht reprä­sen­tiert füh­len, gibt es eine Lösung. Reprä­sen­ta­tiv zusam­men­ge­stell­te, gelos­te Bürger*innenräte. Die­se wür­den auch das Lob­by­is­mus-Pro­blem abmil­dern und sie sind wich­tig für Pro­blem­fel­der, die Politiker*innen sys­tem­be­dingt nicht bear­bei­ten kön­nen. Wie funk­tio­niert das im Detail und warum? 

Gewis­se Pro­ble­me kön­nen bzw. wol­len Politiker*innen nicht ange­hen, weil sie das je nach Pro­blem­la­ge 5–10% ihrer Wähler*innen kos­ten könn­te und weil die gesam­te gegen­wär­ti­ge Poli­tik auf Macht­er­halt und Wie­der­wahl in vier bzw. fünf Jah­ren aus­ge­rich­tet ist. Ein Bei­spiel für einen Bürger*innenrat war der, der zum The­ma Abtrei­bung in Irland durch­ge­führt wur­de. Es wäre für Politiker*innen schwer gewe­sen, sich hin­zu­stel­len und zu sagen: „Ich bin für Abtrei­bung.“ Es wur­de also ein Bürger*innenrat zusam­men­ge­stellt. Dazu wur­de eine reprä­sen­ta­ti­ve Grup­pe von 100 Per­so­nen aus­ge­wählt. Reprä­sen­ta­tiv heißt, dass die Zusam­men­set­zung der Alters­struk­tur, der sozio-öko­no­mi­schen Struk­tur usw. des jewei­li­gen Lan­des ent­spricht. Wer letzt­end­lich in die­sem Rat sitzt, wird nach der reprä­sen­ta­ti­ven Vor­auswahl durch ein Los­ver­fah­ren ent­schie­den. Der Bürger*innenrat trifft sich dann über meh­re­re Wochen und bekommt Input von Expert*innen zum jewei­li­gen Pro­blem (Recht, Gesund, Öko­no­mie, Kli­ma, Ver­ke­her, wha­te­ver), so dass alle Aspek­te gut auf­ge­ar­bei­tet sind. (Das unter­schei­det die Räte von Volks­ent­schei­den, bei denen ein­fach jede*r Ein­zel­ne aus dem Bauch her­aus ent­schei­det.) Die 100 Per­so­nen kom­men dann zu einem Schluss, der hof­fent­lich von einer brei­ten Mehr­heit der Gesell­schaft mit­ge­tra­gen wird. Das fol­gen­de Video über das Refe­ren­dum zur Abtrei­bung in Irland erklärt alle Punk­te sehr gut:

Außer die­sem Bürgerrinnen*rat zur Abtrei­bung gab es auch in Frank­reich schon einen zum The­ma Kli­ma­schutz. Die Regie­rung Macron hat Tei­le der Emp­feh­lun­gen auch übernommen.

Dass Bürger*innenräte kein Hirn­ge­spinst irgend­wel­cher Revo­lu­zer oder Sozi­al­ro­man­ti­ker sind, sieht man auch dar­an, dass Wolf­gang Schäu­be­le (Bun­des­tags­prä­si­dent, CDU) sie unterstützt.

Bür­ger­rat Demo­kra­tie Ver­an­stal­tung mit Bun­des­prä­si­dent Wolf­gang Schäu­be­le, 15.11.2019

Das Lob­by­is­mus­pro­blem wür­de duch Bürger*innenräte zwar nicht gelöst, aber zumin­dest auch abge­mil­dert, weil es nicht mög­lich ist, lang­jäh­ri­ge Netz­wer­ke und Abhän­gig­kei­ten auf­zu­bau­en, wenn die Rats­mit­glie­der zufäl­lig aus­ge­wählt sind und nur zu weni­gen Sit­zun­gen zusammenkommen. 

Dass beim The­ma Lob­by­is­mus und Kor­rup­ti­on drin­gend etwas pas­sie­ren muss, zeigt auch das Rezo-Video, um das es im fol­gen­den Abschnitt geht.

Krisentauglichkeit

Rezo hat die gegen­wär­ti­ge Situa­ti­on mal wie­der schön zusam­men­ge­fasst: Unse­re gegen­wär­ti­ge Regie­rung ist kor­rupt, macho­mäs­sig unter­wegs und inkompetent:

Rezo zer­stört die Coro­na-Poli­tik, 05.04.2021

Was man in der aktu­el­len Situa­ti­on braucht, ist die Fähig­keit, eine Bedro­hungs­la­ge ein­zu­schät­zen. Man muss Expo­nen­ti­al­kur­ven ver­ste­hen kön­nen und man muss ein­schät­zen kön­nen, wie eine wei­te­re Ent­wick­lung ver­lau­fen wird. Nie­mand, der ein Minis­te­ri­um lei­tet, ver­steht alle fach­li­chen Details. Das muss auch nicht so sein, aber es braucht Selbst­be­wusst­sein und mensch­li­che Grö­ße und ein Urteils­ver­mö­gen, um ein­schät­zen zu kön­nen, dass man selbst an bestimm­ten Stel­len inkom­pe­tent ist und sich auf Expert*innen ver­las­sen muss. Rezo hat die wesent­li­chen Video­schnip­sel der letz­ten Wochen zusam­men­ge­schnit­ten und belegt, dass unse­re Bundesregierung/Ministerpräsidentenkonferenz ein inkom­pe­ten­ter, arro­gan­ter Macho­hau­fen ist. Aus der Bezeich­nung Macho­hau­fen (klingt irgend­wie wie Matsch­hau­fen, viel­leicht ist er ja nach dem Coro­na-Win­ter weg) folgt auch, dass Ange­la Mer­kel nicht ein­ge­schlos­sen ist. Sie hat Phy­sik stu­diert und ver­steht Expo­nen­ti­al­kur­ven. Das ist es, was wir brau­chen. Also nicht unbe­dingt die Phsyik aber die Expo­nen­ti­al­kur­ven (Mein Vater hat mich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das Ober­stu­fen­schul­stoff ist.). Die fol­gen­de Kur­ve zeigt das Infek­ti­ons­ge­sche­hen in Deutsch­land. Man sieht sehr schön die ers­te, zwei­te und drit­te Welle.

Drit­te Wel­le kurz vor dem Rum­ge­eie­re der Minis­ter­prä­si­den­ten­kon­fer­nez vor Ostern 2021

Die­se Ent­wick­lun­gen wur­den vor­her­ge­sagt. Es wur­den mathe­ma­ti­sche Model­le gebaut, die genau das vor­her­ge­sagt haben, was ein­ge­tre­ten ist. (Sie­he Fuß­no­te 1 zu for­ma­len Model­len in der Sprach­wis­sen­schaft.) In vie­len Situa­tio­nen hilft es, einen Phä­no­me­n­be­reich zu model­lie­ren. Man kann dann Vor­her­sa­gen einer Theo­rie bestim­men und ein Abgleich mit der Wirk­lich­keit hilft einem, Rück­schlüs­se auf die Qua­li­tät der Theo­rie zu zie­hen. Wie das Rezo-Video zeigt, wur­den die Gefah­ren, vor denen unser Land stand und immer noch steht, igno­riert und Poli­ti­ker (ohne *innen) sind sich nicht zu blöd, sich vorn hin­zu­stel­len und das auch noch rich­tig zu finden. 

Schau­en wir uns eine ande­re Kur­ve an. Sie ist aus dem Wiki­pe­dia-Arti­kel über Koh­len­stoff­di­oxid in der Erd­at­mo­sphä­re und zeigt eben­falls ein expo­nen­ti­el­les Wachstum:

Expo­nen­ti­el­ler Zunah­me von CO2 in der Atmo­sphä­re in den letz­ten Jahr­zehn­ten Quel­le: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=694303

Klimawissenschaftler*innen bau­en kom­ple­xe Model­le zu den Ent­wick­lun­gen, die uns in den nächs­ten Jah­ren und Jahr­zehn­ten bevor­ste­hen. Sie sind sehr zurück­hal­tend und nicht alar­mis­tisch. Das ent­spricht der Serio­si­tät, die in der Wis­sen­schaft üblich ist. Ein Kol­le­ge von der Hum­boldt-Uni, der wie ich auch bei den Scientists4Future aktiv ist, hat noch vor zwei Jah­ren den Begriff Kli­ma­kri­se abge­lehnt, weil er ihn für zu alar­mis­tisch hielt. Die Klimawissenschftler*innen sind sich einig: Wir haben ein Pro­blem. Ein gro­ßes! Die Kli­ma­kri­se ist um ein Viel­fa­ches grö­ßer als das, was wir jetzt erle­ben. Coro­na macht kei­nen Spaß? Dann kämpft dafür, dass wir nicht Cor­na++ bekommen!

Ange­la Mer­kel ver­steht das alles, aber lei­der ist Ange­la Mer­kel eine lame duck. Sie konn­te sich bei Coro­na nicht gegen ihre Matsch-Kum­pels durch­set­zen. Auch die Öko-Bilanz ist fins­ter. Mer­kel war Umwelt­mi­nis­te­rin und hat auf die Kli­ma­pro­ble­me hingewiesen. 

Buch­pu­bli­ka­ti­on von Ange­la Mer­kel 1997

Sie hat schon 1997 klar auf­ge­zeigt, was getan wer­den muss. Was pas­siert ist, ist aber so ziem­lich das Gegen­teil von dem, was wir gebraucht hätten.

Chris­ti­an Lind­ner und mein Vater3 sagen: Die Kli­ma­pro­ble­me und die gro­ße Poli­tik soll­ten doch die Pro­fis regeln. Die­se haben aber ver­sagt. Wir kön­nen nicht mehr war­ten (und Lind­ner hat ja eh kei­ne Lust zu regie­ren). Und des­halb machen wir das jetzt selbst! Los! Wie Rezo sagt: Bes­ser als die sind wir allemal!

Ein (zukünf­ti­ger) Pro­fi demons­triert bei Fri­days For Future Demons­tra­ti­on in Ber­lin, 15.03.2019 Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Quellen

Küpers­busch, Fried­rich. 2021. Coro­na, CDU und Grü­ne: Impf­par­ty mit Schei­be. taz. Ber­lin. (https://taz.de/Corona-CDU-und-Gruene/!5758868/)

Mau­rin, Jost. 2021. Lob­by­is­mus in der Uni­on: Anfäl­lig­keit für Ein­fluss­nah­me. taz. Ber­lin. (https://taz.de/Lobbyismus-in-der-Union/!5757524/)

Mau­rin, Jost. 2021. Die Agrar­mi­nis­te­rin biegt Fak­ten zurecht: Klöck­ners Des­in­for­ma­ti­on. taz. Ber­lin. (https://taz.de/Die-Agrarministerin-biegt-Fakten-zurecht/!5762088)

tages­schau. 2019. Initia­ti­ve für mehr Demo­kra­tie: „Bür­ger­rat“ gibt Emp­feh­lun­gen ab. (https://www.youtube.com/watch?v=LV_dptGINYI)

Wagen­ho­fer, Erwin. 2005. We feed the world – Essen glo­bal. Alle­gro Film. (https://www.youtube.com/watch?v=m5HfaSBdtWU)

Warum ich das Direktmandat für die Bundestagswahl in Erlangen gewinnen werde

Ausgangslage

Ste­fan Mül­ler von der CSU gewinnt seit 2002 das Direkt­man­dat im Bun­des­tags­wahl­kreis Erlan­gen (Wahl­kreis 242). Die Ergeb­nis­se kann man im Wiki­pe­dia-Ein­trag für den Wahl­kreis nach­le­sen. Tabel­le 1 zeigt die Ergeb­nis­se von Ste­fan Müller.

Tabel­le 1: Wahl­er­geb­nis­se von Ste­fan Mül­ler bei den Bun­des­tags­wah­len seit 2002. Quel­le: Wiki­pe­dia, 14.04.2021.

Wie man Tabel­le 1 ent­neh­men kann, bekommt Ste­fan Mül­ler immer fast 50% der Stim­men. 2017 gin­gen 7,9% der Erst­stim­men an die AfD. Die fehl­ten dann bei Ste­fan Mül­ler, was den Abfall von 2013 zu 2017 erklä­ren dürf­te (2013 hat­te der AfD-Direkt­kan­di­dat nur 3,3% der Stimmen).

2017 war die Zweit­plat­zier­te die Kan­di­da­tin der SPD und sie hat­te 21% der Stimmen.

Tabel­le 2: Wahl­er­geb­nis­se der Direktkandidat*innen 2017, Quel­le: Wiki­pe­dia, 14.04.2021.

Ansatz

Da es – wie Die PARTEI Erlan­gen fest­ge­stellt hat – kei­ner­lei nach­voll­zieh­ba­re Grün­de für die Wahl von Ste­fan Mül­ler gibt, könn­te auch genau­so gut irgend­ein ande­rer Ste­fan Mül­ler (oder eine Ste­fa­nie Mül­ler) die Wahl gewin­nen.1 Da es durch­aus gute Grün­de dafür gibt, gegen Ste­fan Mül­ler zu sein (zum Bei­spiel sei­ne huf­ei­sen­ar­ti­ge Gleich­set­zung von den Reichs­tag stür­men­den Nazi-Schwur­b­lern mit Klimademonstrant*innen), hat Die PARTEI Erlan­gen beschlos­sen, eine eige­ne Direktkandidat*in auf­zu­stel­len und hat zu die­sem Zweck ein Ste­fanX-Mül­ler-Cas­ting durch­ge­führt (Pres­se­mit­tei­lung) und in einem lang­wie­ri­gen kom­pli­zier­ten mehr­stu­fi­gen Ver­fah­ren wur­de ich unter Tau­sen­den Ste­fanX Mül­lers aus­ge­wählt (Pres­se­mit­tei­lung). Da Die PARTEI selbst 2017 nur 0,8% der Erst­stim­men erhal­ten hat und auch die der­zei­ti­gen Pro­gno­sen nur bei 8,1% lie­gen, stellt sich natür­lich die Fra­ge, ob eine Direkt­kan­dia­da­tur über­haupt aus­sichts­reich ist. Im Fol­gen­den möch­te ich dar­le­gen, wie ich die Mehr­heit im Wahl­kreis errin­gen werde.

Ich bin seit 1994 in der aka­de­mi­schen Leh­re tätig. Seit­dem ich regel­mä­ßig Lehr­eva­lua­tio­nen durch­füh­re, haben mir Student*innen immer wie­der bestä­tigt, dass ich abschwei­fe (zur Daten­grund­la­ge sie­he Anhang A). Mein Ziel war und ist es natür­lich immer, alle Aspek­te eines The­mas umfas­send aus­zu­leuch­ten,2 3 aber das ver­wirrt die Zuhörer*innen mit­un­ter. Im Fall mei­ner Bun­des­tags­kan­di­da­tur wird mir die Fähig­keit, tota­le Ver­wir­rung zu stif­ten, aus­nahms­wei­se ein­mal von Nut­zen sein. Ich wer­de die Erlanger*innen ein­fach so durch­ein­an­der­brin­gen, dass sie letzt­end­lich bei irgend­ei­nem der Ste­fan Mül­lers ihr Kreuz machen. Die Wahr­schein­lich­keit dafür, dass sie mich wäh­len, liegt also bei 50%. Ers­te Expe­ri­men­te mit Umfra­gen auf Twit­ter schei­nen die­sen vor­erst rein theo­re­ti­schen Wert zu bestä­ti­gen (sie­he Abbil­dung 1).

Abbil­dung 1: Ers­te Expe­ri­men­te mit Umfra­gen auf Twit­ter schei­nen die­sen vor­erst rein theo­re­ti­schen Wert zu bestä­ti­gen. Umfra­ge 02.04.2021

Damit wür­de ich 21,3% der Stim­men bekom­men und klar vor der SPD-Kan­di­da­tin lie­gen. Die PARTEI hat­te 2017 kei­ne Direktkandidat*in, aber 0,8% der Zweit­stim­men. Auch wenn sich die der­zei­ti­gen Pro­gno­sen von 8,0% als zu opti­mis­tisch her­aus­stel­len soll­ten, kann man wohl sicher mit 0,8% der Stim­men rech­nen. Mit­glie­der der PARTEI sind SEHR GUT, sie wer­den vor­her infor­miert, dass sie den Ste­fan Mül­ler mit den Titeln wäh­len sol­len, so dass ich dann 0,8% vor dem unbe­ti­tel­ten Ste­fan Mül­ler lie­gen werde.

Zusammenfassung

In die­sem Auf­satz habe ich unter Bezug­nah­me auf Daten aus einer 24jährigen Längs­schnitt­stu­die einen Weg auf­ge­zeigt, wie man durch tota­le Ver­wir­rung Wah­len gewin­nen kann. Ers­te Expe­ri­men­te schei­nen die theo­re­ti­schen Abschät­zun­gen zu bestätigen.

Danksagung

Ich dan­ke zwei anony­men Gutachter*innen für wert­vol­le Kom­men­ta­re zu frü­he­ren Ver­sio­nen die­ses Auf­sat­zes. Klaus Ami­go, dem Her­aus­ge­ber der Zeit­schrift Demo­kra­tie und Kri­se, möch­te ich dafür dan­ken, dass er mir gestat­tet hat, den Anhang C mit­zu­ver­öf­fent­li­chen, obwohl bei­de Gutachter*innen ange­merkt haben, dass er für die eigent­li­ches Aus­sa­ge des Auf­sat­zes irrele­vant sei. Tau­sen­den Student*innen dan­ke ich dafür, in den letz­ten Jahr­zehn­ten in der Stu­die mit­ge­wirkt zu haben und dem Uni­ver­si­täts­pro­jekt Lehr­eva­lua­ti­on (ULe) dan­ke ich für die Aus­wer­tung mei­ner Fra­ge­bö­gen auch nach mei­ner Zeit in Jena. Nur so waren die Ergeb­nis­se ver­gleich­bar und für mei­ne Stu­die ver­wert­bar. Der Auf­satz ist im Rah­men des Pro­jekts Direk­te Demo­kra­tie ent­stan­den (FKZ HUF-SUC-1343). Ich dan­ke Klaus Huber von Bay­ern-Press für sei­ne sorg­fäl­ti­ge Betreu­ung im Publi­ka­ti­ons­pro­zess. Mir ist bewusst, dass das heut­zu­ta­ge alles ande­re als üblich ist, und ich weiß die gute Betreu­ung sehr zu schät­zen. Sei­ner Bit­te, auf Fuß­no­ten zu ver­zich­ten, konn­te ich lei­der nicht entsprechen.

Anhang A: Materialien aus der Längschnittstudie

  • 1998 Uni Saar­brü­cken: HPSG für das Deut­sche: „Dozent schweift ab.“
  • 2003 Uni Bre­men: Logik für Lin­gu­is­ten: „solan­ge Ein­ge­hen auf eine Fra­ge, bis die ursprüngliche Fra­ge ver­ges­sen wor­den ist“
  • 2005 Uni Pots­dam: Logik für (Patho-)Linguistinnen: „nicht vom The­ma abkommen“
  • 2005 Uni Pots­dam: HPSG für da Deut­sche: „Fra­gen wer­den teil­wei­se ausführlicher beant­wor­tet, als es sein müsste.“ „klei­ne Zwi­schen­fra­gen kürzer beant­wor­ten (z.B. ”Ja”)“
  • 2006 Uni Bre­men: Mathe­ma­tisch-Logi­sche Grund­la­gen der Sprach­wis­sen­schaft: „nicht zu lan­ges Auf­hal­ten an klei­ne­ren Themen“
  • 2007 FU Ber­lin: Mor­pho­lo­gi­sche und syn­tak­ti­sche Struk­tu­ren: „zu abschwei­fend, beim The­ma bleiben“
  • 2009 FU Ber­lin: Ein­füh­rung in die Sprach­be­schrei­bung: „direk­te Ant­wor­ten auf Fra­gen ohne abzuschweifen“
  • 2010 FU Ber­lin: Satz­se­man­tik: „ausführlichere Erklärungen“
  • 2012 FU Ber­lin: Ein­füh­rung in die Sprach­be­schrei­bung: „weni­ger abschwei­fen­de Erzählungen über Forschung(sgeschichte)“
  • 2014 FU Ber­lin: Struk­tur ger­ma­ni­scher Spra­chen: „zu vie­le Abschwei­fun­gen über ande­re Theo­rien, die uns manch­mal verwirren“
  • 2015 FU Ber­lin: „oft vom The­ma abgewichen“
  • 2016 HU Ber­lin: Grund­kurs Lin­gu­is­tik: „über­flüs­sig kom­ple­xe Sach­ver­hal­te erklärt zu bekom­men, wel­che wir anschlie­ßend kom­plett verwerfen“
  • 2017 HU Ber­lin: Vor­le­sung Syn­tax „teil­wei­se näher am The­ma blei­ben (roter Faden ging verloren)“
  • 2017 HU Ber­lin: HPSG „Dozie­ren­der schweift zu sehr ab (2 mal)“
  • 2018 HU Gram­ma­tik­theo­rie: „Es ist zwar gut, mehr Infor­ma­tio­nen über Neben­aspek­te zu bekom­men, aber manch­mal ver­liert man so den Faden.“
  • 2019 HU Ber­lin: Grund­kurs Lin­gu­is­tik: „bit­te mehr dar­auf ach­ten erst eine soli­de Basis zu schaf­fen, statt mit Aus­schwei­fun­gen zu verwirren“
  • 2020 HU Ber­lin: Syn­tax: „roten Faden deut­li­cher machen”
  • 2021 HU Ber­lin: Syn­tax: „Manch­mal waren die Erklärungen etwas gar aus­schwei­fend und schluss­end­lich wuss­te man gar nicht mehr, was gefragt wur­de oder was eigent­lich jetzt die Ant­wort war…“

Anhang B: Nicht berücksichtigte Materialien

Um die Ver­gleich­bar­keit der Ergeb­nis­se zu gewähr­leis­ten, habe ich nur die von der Uni Jena aus­ge­wer­te­ten Fra­ge­bö­gen berück­sich­tigt. Ich muss­te ein­mal Fra­ge­bö­gen einer ande­ren Uni ver­wen­den, weil der Fach­be­reich plötz­lich auf die Idee kam, an unse­rem Insti­tut eine Pilot­stu­die durch­zu­füh­ren. Zur Erleich­te­rung vie­ler Kolleg*innen gab es nur ein­mal solch eine zen­tral aus­ge­wer­te­te Lehr­eva­lua­ti­on.4

Ein­mal habe ich nicht die Jena­er Fra­ge­bö­gen ver­wen­det. Bei der Aus­wer­tung wur­den die Frei­text­an­ga­ben ein­fach ein­ge­scannt. Das ist aus Anony­mi­täts­grün­den sehr bedenk­lich. Die Begrün­dung war, dass es für die Ein­ga­be der Kom­men­ta­re kein Per­so­nal gege­ben habe. Als Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter wer­de ich mich für die Auf­sto­ckung des Wis­sen­schafts­etats ein­set­zen, damit an allen Unis Lehr­eva­lua­tio­nen statt­fin­den kön­nen. Ehm. Bzw. für die Digi­ta­li­sie­rung der Uni­ver­si­tä­ten. (Anmer­kung Gutachter*in 2: „Die­se Bild­un­ter­schrift ist viel zu lang, im fal­schen Regis­ter und die Abbil­dung könn­te kom­plett gestri­chen wer­den.“ Ste­fan: FIX)

Anhang C

Damit hier kein fal­scher Ein­druck ent­steht: Aus­führ­li­ches Ein­ge­hen auf Fra­gen wur­de immer gelobt und ich wur­de in allen Eva­lua­tio­nen als kom­pe­tent, wis­sen­schafts­be­geis­tert, humor­voll, gut­mü­tig und freund­lich bezeichnet. 

Also naja. Bis auf die eine. Aber da woll­te ich irgend­wie erzwin­gen, dass die Deutschlehrer*innen an einer Vor­le­sung teil­neh­men, zu der sie sich nor­ma­ler­wei­se nur ein­schrei­ben und dann nicht hin­ge­hen. Sor­ry, ich bin schon wie­der abgeschwoffen.

Zum Glück auch noch ein ein­ge­scann­ter Kom­men­tar aus der Eva­lua­ti­on einer Einführung.
Lehr­eva­lua­ti­on Gram­ma­tik­theo­rie HU Ber­lin, 2018
Lehr­eva­lua­ti­on Gram­ma­tik­theo­rie HU Ber­lin, 2019

Literatur

Bortz, Jürgen & Chris­tof Schus­ter. 2010. Sta­tis­tik für Human­ und Sozi­al­wis­sen­schaft­ler. 7th edn. Ber­lin: Sprin­ger Ver­lag. DOI: 10.1007/978–3‑642–12770‑0.

Huff, Dar­rell. 1954. How to lie with sta­tis­tics. New York, NY: Norton.

Mun­roe, Rand­all. 2019. How to win an elec­tion. How to: Absurd sci­en­ti­fic advice for com­mon real-world pro­blems. Kapi­tel 24. Lon­don: John Murray.

Die PARTEI Erlan­gen. 2021. Pres­se­mi­tei­lung: Ste­fan Mül­ler Cas­ting. (https://dieparteierlangen.wordpress.com/2021/01/11/stefan-muller-casting/) (letz­ter Zugriff 14.04.2021)

Die PARTEI Erlan­gen. 2021. Pres­se­mi­tei­lung: Ste­fan Mül­ler kan­di­diert für Die PARTEI für den Bun­des­tag. (https://dieparteierlangen.wordpress.com/2021/03/08/stefan-muller-kandidiert-fur-die-partei-fur-den-bundestag/) (letz­ter Zugriff 14.04.2021)

Was ist Ihr Lieblingstier?

Die Par­tei für Arbeit, Rechts­staat, Tier­schutz, Eli­ten­för­de­rung und basis­de­mo­kra­ti­sche Initia­ti­ve schreibt TIERSCHUTZ groß. Das ist gut. SEHR GUT. Beim Cas­ting der PARTEI Erlan­gen für den bes­ten Ste­fan Mül­ler, der gegen Ste­fan Mül­ler von der CSU antre­ten soll, wur­de ich gefragt, was mein Lieb­lings­tier ist. Hier die Antwort.

Mein Lieb­lings­tier ist der Pin­gu­in. Pin­gui­ne gehö­ren zu den Vögeln, die nicht flie­gen. Die cools­ten Vögel blei­ben am Boden.

Blo­cka­de zur Eröf­nung des BER: Einer der Klet­te­rer von Am Boden blei­ben, die sich von einem Gebäu­de abge­seilt haben, um die Flug­ha­fe­n­er­öff­nung zu stö­ren und auf Kli­ma­pro­ble­me hin­zu­wei­sen, wur­de ver­haf­tet und wird abge­führt. Ber­lin, 31.10.20, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Ah, und dann sind da noch die See­pferd­chen. Die mag ich sehr. Ihr kennt ja den Spruch: „Ich hät­te ja gern mehr gemacht, aber die Kin­der krie­gen ja nun mal die Frau­en.“ Die See­pferd­chen haben das irgend­wie anders gere­gelt: Männ­chen haben einen Brut­beu­tel, in den das Weib­chen die Eier spritzt. Das Männ­chen trägt die Kin­der aus. (sie­he taz-Bei­trag zu See­pferd­chen)

Mein Lieb­lings­tier ist der Pin­gu­in und das Seepferdchen.

Bie­nen sind cool. Sie sind sehr kusche­lig, aber wenn man sie am Po strei­chelt, gibt’s ’n Stich! Wir brau­chen die Bie­nen für das Über­le­ben der Mensch­heit, denn wie sonst soll­ten wir der nach­fol­gen­den Genera­ti­on die Fort­pflan­zung erklären?

Wir haben es satt: Mit­glie­der der BUND Jugend bei der Demo für eine Agrar­wen­de in Ber­lin, 18.01.2020, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Mein Lieb­lings­tier ist der Pin­gu­in, das See­pferd­chen und die Biene.

Enten habe ich sehr gern – geges­sen. Seit zwei Jah­ren bin ich auch kli­ma­be­dingt Vege­ta­ri­er. Vor­her haben wir wenig Fleisch geges­sen. Im all­ge­mei­nen essen die Deut­schen viel zu viel Fleisch. Also weit über dem, was die WHO emp­fiehlt. Rind­fleisch ist das Schlimms­te für das Kli­ma, da Methan wesent­lich kli­ma­schäd­li­cher ist als CO2. Schwei­ne wer­den viel zu eng und in Kas­ten­stand­hal­tung gehal­ten. Wir haben des­halb bewusst Fleisch kon­su­miert und wenig. Enten habe ich sehr gern geges­sen. Ich hat­te irgend­wie die Vor­stel­lung, dass das ja die­se lie­ben brau­nen Tie­re sind, die auf dem Teich rum­schwim­men. In jeder Stadt gibt es so 1–2 Asia-Restau­rants, die dann immer mal eine Ente fan­gen und die esse ich dann. Als ich dann Vege­ta­ri­er war, bin ich auf die Sei­te der Albert Schweit­zer Stif­tung zu Enten-Mas­sen­tier­hal­tung gesto­ßen. Enten wer­den in rie­si­gen Hal­len gehal­ten. Sie über­schüt­ten sich zwang­haft mit dem Dreck, in dem sie leben, weil sie sich nor­ma­ler­wei­se so mit Was­ser über­gie­ßen wür­den, aber es ist keins da. Um die Tie­re zu beru­hi­gen, wird das Licht in den Hal­len gedimmt.

Hät­te ich nicht schon vor­her auf­ge­hört, Enten zu essen, wäre da dann Schluss gewesen.

Mein Lieb­lings­tier ist der Pin­gu­in, das See­pferd­chen, die Bie­ne und die Ente.

Ele­fan­ten sind groß! Lei­der sind sie vom Aus­ster­ben bedroht (taz, Bericht). Das liegt haupt­säch­lich an Wil­de­rern, die Ele­fan­ten wegen ihrer Elfen­bein-Stoß­zäh­ne töten. Aber auch der Kli­ma­wan­del sorgt dafür, dass die Lebens­räu­me von Ele­fan­ten (und nicht nur von Ele­fan­ten) zer­stört wer­den, was dann zum Aus­ster­ben von Arten führt. (Link zu WWF)

Afri­ka­ni­scher Ele­phant schmeißt mit Sand. Hier auf sich sel­ber. Bild: kiki­ta­ni

Ele­fan­ten wer­den sehr, sehr alt. Und sie haben ein her­vor­ra­gen­des Gedächt­nis. Die letz­ten drei Ele­fan­ten, die in Afri­ka nicht mehr leben kön­nen, wer­den sich eines Tages auf den Weg zu uns machen. Sie wer­den kurz vor Ber­lin halt machen und in der kaum noch Was­ser füh­ren­den Spree voll­tan­ken. Dann wer­den sie zum Kup­fer­gra­ben mar­schie­ren und Ange­la Mer­kel nass­sprit­zen. Für ihr Ver­sa­gen im Kli­ma­schutz. Die bei­den Leicht­ge­wich­te Andy Scheu­er und Julia Klöck­ner wer­den sie ein­fach umpusten.

Ich mag Elefanten.

Quellen

Cuveil­lier, Franck & Vasse­lin, Pas­cal. 2020. For­schung, Fake und fau­le Tricks. arte. (https://www.arte.tv/de/videos/091148–000‑A/forschung-fake-und-faule-tricks/) (Acces­sed April 14, 2021.)

Imhoof, Mar­kus. 2012. More than honey. (https://www.youtube.com/watch?v=J2XQYbMHFIA) (Acces­sed April 14, 2021.)

Krie­ner, Man­fred. 2021. Ver­fres­se­ne Räu­ber. (https://taz.de/Journalist-ueber-Seepferdchen/!5757297/)

WWF. 2021. Die Fol­gen der Erd­er­wär­mung für wild­le­ben­de Arten. (https://www.wwf.de/themen-projekte/klima-energie/erderwaermung-mit-folgen)

Aufrüstung oder Abrüstung?

Hin­ter­grund: Ich kan­di­die­re für Die PARTEI als Direkt­kan­di­dat für den Bun­des­tag (Pres­se­mit­tei­lung der Par­tei Die PARTEI). Dazu muss ich natür­lich mei­ne Posi­tio­nen doku­men­tie­ren. Da ich antre­te, um die Wahl von Ste­fan Mül­ler (CSU) zu ver­hin­dern, wird mei­ne Mei­nung mit sei­ner ver­gli­chen. Viel Spaß! 

Ich bin Pazi­fist. Ich war bei der Armee. Wäre es zum Krieg gekom­men, hät­te ich genau einen Schuss abge­ge­ben. Auf mich sel­ber. Mei­ne Ein­stel­lung hat sich ein biss­chen geän­dert: Ich wür­de mich nicht mehr erschie­ßen. Das liegt aber dar­an, dass ich prin­zi­pi­ell kei­ne Waf­fen mehr anfasse. 

Mir ist klar, dass Pazi­fis­mus eine Luxus­ein­stel­lung ist, denn es gibt ein paar geo­po­li­ti­sche Pro­ble­me. Zum Bei­spiel: die USA, Russ­land und Chi­na. Das ers­te Pro­blem ist im Janu­ar zum Glück ein biss­chen klei­ner gewor­den, weil Agent Oran­ge vor­erst in Park-Posi­ti­on ist. Putin ist natür­lich ein Pro­blem. Er ist sehr … Aber Putin ist natür­lich auch schon sehr alt. Das Pro­blem wird sich also hof­fent­lich in eini­gen Jah­ren von selbst erle­di­gen. Aber was, wenn er vor­her ankommt? Putin hat den 1. Dan im Judo, aber das kann mich nicht schre­cken, denn ich habe einen brau­nen Gür­tel im Kara­te (Sho­to­kan Ryu, JKA1) und Kara­te­ka sind Judo­ka nor­ma­ler­wei­se über­le­gen. Das hängt natür­lich von der indi­vi­du­el­len Form ab, aber ich wür­de mich (nach erfolg­rei­cher Wahl) auch gut vor­be­rei­ten und trai­nie­ren. Für mein Volk wer­de ich alles geben! Es gibt aber den­noch ein Pro­blem. Es könn­te sein, dass Putin gerit­ten kommt. 

Putin rei­tet oft zur Arbeit. Haupt­säch­lich im Som­mer, denn er rei­tet immer oben ohne. Quel­le: Marzelloz071

Wenn die Saats­macht berit­ten auf­tritt ist das immer ein Zei­chen der Grö­ße und furcht­ein­flö­ßend. Ein­hör­ner haben aller­dings einen stra­te­gi­schen Nach­teil: Sie haben ein Horn. Die­ses Horn tref­fen auch Las­so-Anfän­ger sehr gut, so dass man Putin sicher auf die­se Wei­se zu Fall brin­gen könn­te. Der Oben-Ohne-Nar­ziss­mus ist im Kriegs­fall ein wei­te­rer Nach­teil, denn er wäre ungeschützt.

(Aktua­li­sie­rung 29.05. Inzwi­schen habe ich auch noch Unter­stüt­zung von Anna Brom­ley, mei­ner Minis­te­rin für Abrüs­tung und Ver­tei­di­gung. Sie kann Kung Fu und ist SEHR STARK und SEHR GUT.)

Bleibt das Pro­blem mit Chi­na. Ich bin Opti­mist. Die Chi­ne­sen haben ihre Pro­ble­me immer mit einem bzw. meh­re­ren Rucken gelöst. Zum Bei­spiel wur­den die Vögel, als man erkannt hat­te, dass die die Ern­te auf­fres­sen, so lan­ge mit Koch­topf­de­ckeln und ande­rem Krach­ge­rät auf­ge­scheucht, bis sie ent­kräf­tet zu Boden kamen und dann abge­murkst wer­den konn­ten. Danach hat­te man dann zwar eine Insek­ten­pla­ge, aber den­noch zeigt die­se Geschich­te, wel­che Kraft ein gut gesteu­er­tes Volk ent­wi­ckeln kann. Ich set­ze nun lang­fris­tig dar­auf, dass die chi­ne­si­sche Füh­rung erken­nen wird, dass es viel ange­neh­mer für die Bevöl­ke­rung ist, lus­tig zu leben. Der gesam­te Par­tei-Appa­rat wird danach dem Vor­bild der PARTEI umge­baut. Da Son­ne­born der­zeit in Brüs­sel flei­ßig Strip­pen zieht, wer­den frü­her oder spä­ter auch alle euro­päi­schen Par­tei­en auf PAR­TEI-Kurs ein­schwen­ken und wir wer­den fried­lich bis ans Ende unse­rer Tage zusammenleben. 

Das sind natür­lich Visio­nen, die sich nicht kurz­fris­tig umset­zen las­sen. Ich wür­de also die Bun­des­wehr nicht sofort auf­lö­sen. Für den Anfang wür­de ich erst­mal das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um in Minis­te­ri­um für Abrüs­tung und Ver­tei­di­gung umben­nen. So hieß auch das ent­spre­chen­de Minis­te­ri­um in der DDR nach 1990. Dann wür­de ich nach Schwei­zer Vor­bild gro­ße Tei­le der mecha­ni­sier­te Infan­te­rie (für Ossis: Mot­schüt­zen) auf Fahr­rad umstel­len. Das spart Geld und ver­rin­gert den CO2-Aus­stoß der Streit­kräf­te. Da auf deut­schen Stra­ßen eh meist Stau ist, kom­men Pan­zer schlecht durch (das hat nie jemand bemerkt, weil die immer im Wald üben!), so dass die Bun­des­wehr durch den Umstieg auf Räder erheb­lich an Schlag­kraft gewin­nen wür­de. Ich wür­de eine Frau­en­quo­te von 50% auf allen Ebe­nen ein­füh­ren und so das Aggres­si­ons­po­ten­ti­al ver­rin­gern. Soll­ten nicht genü­gend Frau­en gefun­den wer­den, die für ihr Land ster­ben wol­len, müss­ten antei­lig Män­ner ent­las­sen wer­den. Die 50%-Quote ist unbe­dingt ein­zu­hal­ten! Einer Reduk­ti­on der Trup­pen­grö­ße lie­ße sich durch ent­spre­chen­de Erhö­hung der Gehäl­ter für Frau­en ent­ge­gen­wir­ken. Die­se Gehalts­er­hö­hung kann man aus den Ein­spa­run­gen bezah­len, die sich aus dem Umstieg auf Fahr­rä­der erge­ben (Mate­ri­al, War­tung und Kraft­stoff). Ins­ge­samt haben mei­ne Berech­nun­gen erge­ben, dass man den Wehr­etat hal­bie­ren kann, wenn alle Soldat*innen Spreng­stoff, Maschi­nen­ge­weh­re und Muni­ti­on aus ihren Gara­gen und Vor­gär­ten holen und wie­der in der Kaser­ne abge­ben (Bericht in der taz über Muni­ti­ons­skan­da­le).

Son­ne­born for­dert eine deut­sche Atom­bom­be (Inter­view mit Tilo Jung). Dazu habe ich mir noch kei­ne abschlie­ßen­de Mei­nung gebil­det. Er sagt selbst, dass die­se For­de­rung nur auf­ge­stellt wur­de, damit Die PARTEI von sich sagen kann, dass sie die ers­te Par­tei war, die eine deut­sche Atom­bom­be gefor­dert hat. Da das ja nun akten­kun­dig ist, kann man eigent­lich von die­ser For­de­rung wie­der abrü­cken. Soll­te die­se Atom­bom­be den­noch kom­men, möch­te ich als Bun­des­kanz­ler damit nichts zu tun haben (sie­he oben). Ich wür­de dann die Geset­ze enstpre­chend anpassen/ausarbeiten las­sen und die allei­ni­ge Ver­fü­gungs­ge­walt an Mar­tin Son­ne­born über­tra­gen. Die Abschuss­ram­pe und Lage­rung wür­de dann unter sei­ner jewei­li­gen Woh­nung ange­legt, so dass eine vol­le Kon­trol­le gewähr­leis­tet ist.

Auf Insta­gram fin­det man Bil­der von Ste­fan Mül­ler bei Trup­pen­be­su­chen auf Pan­zer­übungs­plät­zen. Lie­be Erlanger*innen! Wenn Sie Män­ner, die vor Pan­zern posie­ren, blöd fin­den, wäh­len Sie mich, Ste­fan Müller!

Hier soll­te ein Bild vom uni­for­mier­ten Ste­fan Mül­ler auf dem Trup­pen­übungs­platz vor einem Pan­zer sein, aber mir gefällt das Bild von Ste­fan Mül­ler vor dem Pan­zer­denk­mal viel bes­ser. Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Nachtrag

Beim Stich­wort „bis ans Ende unse­rer Tage“ ist mir auf­ge­fal­len, dass das ja kli­ma­wan­del­be­dingt nicht mehr lan­ge hin ist und dass der Kli­ma­wan­del auch ein Grund für Migra­ti­on und Krie­ge sein wird, wenn wir so wei­ter machen wie bis­her (Exis­ten­ti­al cli­ma­te-rela­ted secu­ri­ty risk: A sce­n­a­rio approach, 2019 mit Vor­wort von Admi­ral Chris Bar­rie). Alle, die kon­se­quent pazi­fis­tisch han­deln wol­len, müs­sen also drin­gend dafür sor­gen, dass alle Regio­nen die­ser Erde bewohn­bar blei­ben bzw. es wie­der wer­den. Das ist nicht ein­fach. Sicher­lich schwie­ri­ger als den Lenin­gra­der Judo­meis­ter zu besiegen.

Quellen

Krebs, Andre­as, 2019. Das US-Mili­tär – einer der größ­ten Kli­ma­sün­der in der Welt. Tele­po­lis.

Spratt, David & Ian Dun­lop, 2019. Exis­ten­ti­al cli­ma­te-rela­ted secu­ri­ty risk: A sce­n­a­rio approach, Mel­bourne, Aus­tra­lia: Bre­akthrough – Natio­nal Cent­re for Cli­ma­te Restoration.

Ulrich, Sah­ra & Sebas­ti­an Erb, 2021, Pro­zess gegen KSK-Sol­dat: Amnes­tie für Patronenklau 

Aufbau West

Da in Erlan­gen Ste­fan Mül­ler von der CSU seit 2002 immer das Direkt­man­dat gewinnt, hat Die PARTEI beschlos­sen, den Erlanger*innen eine Alter­na­ti­ve zu bie­ten. In einem auf­wen­di­gen Cas­ting-Ver­fah­ren konn­te ich mich gegen Tau­sen­de Ste­fan Mül­lers und Stef­fi Mül­lers durch­set­zen und der Vor­sit­zen­de der Orts­grup­pe hat dann von mir ein Foto bekom­men (Pres­se­mit­tei­lung der Par­tei Die PARTEI).

Ges­tern nun war unser ers­tes Tref­fen, bei dem es um kon­kre­te Wahl­kampf­maß­nah­men ging. Ich habe dabei sehr viel Wis­sens­wer­tes über Erlan­gen erfah­ren. Scho­ckie­ren­de Details. Ich weiß jetzt, dass die Infra­struk­tur maro­de ist. Stra­ßen­la­ter­nen sind so wacke­lig, dass man nur ein Wahl­pla­kat pro Later­ne auf­hän­gen kann (Aus­nah­me­re­ge­lung zu § 2 Abs. 2 Nr. 16 der Pla­ka­tie­rungs­ver­ord­nung der Stadt Erlan­gen). Alle ande­ren Pla­ka­te müs­sen auf Drei­ecks­stän­dern aus Metall ste­hen, die sich aber nur die CSU in gro­ßer Anzahl leis­ten kann.

Vor­schrif­ten für Pla­ka­tie­run­gen in Erlan­gen, 2017 für eini­ge spe­zi­ell aus­ge­wie­se­nen Stra­ßen­zü­ge laut Aus­nah­me­re­ge­lung zu § 2 Abs. 2 Nr. 16 der Pla­ka­tie­rungs­ver­ord­nung der Stadt Erlan­gen von 2017.

Die­se Zustän­de sind natür­lich unhalt­bar und ich fra­ge mich ernst­haft, wie die armen Erlanger*innen das die letz­te 40 Jah­re lang aus­hal­ten konn­ten. Ich den­ke, hier muss drin­gend Abhil­fe geschaf­fen wer­den. Ich wer­de mich also im Bun­des­tag für einen Auf­bau West ein­set­zen. Der Osten ist ja jetzt fer­tig, wir haben über­all die ver­spro­che­nen blü­hen­den Land­schaf­ten und kön­nen uns nun also struk­tur­schwa­chen Regio­nen wie Erlan­gen zuwen­den. Die Ossis sind sehr froh über die blü­hen­den Land­schaf­ten und das gan­ze Geld, das in den Osten geflos­sen ist, und vie­le sind sicher bereit, es dem Wes­ten heim­zu­zah­len zurück­zu­zah­len. Ich wer­de mich dafür ein­set­zen, dass der Soli bei­be­hal­ten und aus­ge­baut wird. Der Soli ist übri­gens eine Steu­er, die alle Steu­ern zah­len­den Per­so­nen bezahlt haben, also Ossis und Wes­sis (Wiki­pe­dia: Soli­da­ri­täts­zu­schlag). Das wird mit­un­ter über­se­hen. Also: Für einen Soli­da­ri­täts­zu­schlag für struk­tur­schwa­che Gebie­te! Gern ein­kom­mens­ab­hän­gig gestaf­felt. Für Stra­ßen­be­leuch­tung in Erlan­gen und Umge­bung! Gegen Dunkeldeutschland!

Gendern, arbeiten und der Osten

Die­ser Bei­trag wur­de zuerst am 22.02.2021 auf So-isser-der-Ossi ver­öf­fent­licht. Hier wur­de er leicht angepasst.

Ich has­se es, wenn mir Men­schen vor­schrei­ben wol­len, was ich zu tun und zu las­sen habe. Das kommt noch aus mei­ner Kind­heit und Jugend, die ich im Osten ver­bracht habe. Bis vor eini­gen Jah­ren habe ich des­halb auch genau­so argu­men­tiert wie der von mir sehr geschätz­te Sprach­wis­sen­schaft­ler Prof. Peter Eisen­berg es in diver­sen Ver­öf­fent­li­chun­gen getan hat. Als taz-Leser habe ich schon sehr lan­ge mit dem Binnen‑I und sei­nen Freund*innen zu tun. Ich habe mich zum Bei­spiel über einen Arti­kel sehr geär­gert, in dem es um Straf­la­ger für Frau­en ging und dann von Die­ben und Mör­dern geschrie­ben wur­de, denn wo, wenn nicht da, hät­te man von Die­bin­nen und Mör­de­rin­nen schrei­ben müs­sen. Der Gip­fel war dann ein Bild mit einem Schild, das als Weg­wei­se­rin bezeich­net wur­de. Ich habe damals mit den Student*innen dar­über gespro­chen und ihnen erklärt, dass die ent­schei­den­de, die alles ent­schei­den­de Fra­ge die öko­no­mi­sche ist. Frau­en wer­den nie gleich­be­rech­tigt sein, wenn sie nicht arbei­ten, wenn sie nicht Kran­füh­re­rin, nicht Fir­men­lei­te­rin, nicht Kli­nik­che­fin, nicht Leh­re­rin, nicht Kin­der­gärt­ne­rin, nicht Pro­fes­so­rin wer­den. Frau­en waren im Osten in einer ganz ande­ren Posi­ti­on, weil sie öko­no­misch unab­hän­gig waren. Wenn der Macker genervt hat, sind sie halt gegan­gen bzw. haben ihn rausgeschmissen. 

Kran­füh­re­rin: Car­men Sei­del aus dem Plat­ten­werk Zwi­ckau, 1981. Bun­des­ar­chiv, Bild 183-Z0331-001 / CC-BY-SA 3.0

Die Frau­en aus der Ost-Frau­en­be­we­gung haben nach der Wen­de die West-Frau­en gar nicht ver­stan­den (und anders­rum), weil die ganz ande­re Pro­ble­me hat­ten. Es gibt eine sehr gute Doku­men­ta­ti­on vom MDR zu die­sem The­ma und dem Roll-Back nach der Wen­de: Ostrau­en: Selbst­be­wusst. Unab­hän­gig. Erfolg­reich.

Hier auch aus der Emma:

Die Frau­en der DDR waren ­Kran­füh­rer, Mau­rer, Elek­tri­ker, Schlos­ser, Inge­nieur oder Agrar­tech­ni­ker. Ihre Arbeit war das Herz­stück der sozia­lis­ti­schen Lebens­wei­se. Wo der Sozia­lis­mus Arbei­te­rIn­nen brauch­te, da unter­schied er nicht nach Frau oder Mann. Kon­se­quen­ter­wei­se war das „in“ in der Berufs­be­zeich­nung über­flüs­sig.

Emma 11/2009: Die arbeits­lo­se Kranführerin

Ich habe das Binnen‑I also Jahr­zehn­te abge­lehnt und die Kämp­fe dar­um für ver­geu­de­te Zeit gehal­ten. Vor unge­fähr drei Jah­ren habe ich mei­ne Mei­nung geän­dert. Der Grund dafür war ein Tweet von Hen­ning Lobin, durch den ich auf fol­gen­de Stu­die auf­merk­sam gewor­den bin:

Stahl­berg, Dag­mar, Sabi­ne Sczes­ny & Frie­de­ri­ke Braun. 2001. Name your favo­ri­te musi­ci­an: Effects of mas­cu­li­ne gene­rics and of their alter­na­ti­ves in Ger­man. Jour­nal of Lan­guage and Social Psy­cho­lo­gy 20(4). 464–469. DOI: 10.1177/0261927X01020004004.

Die Autorin­nen haben Per­so­nen gebe­ten, ihre Lieb­lings­mu­si­ker zu nen­nen. Das Ergeb­nis war, dass Musi­ker genannt wur­den, näm­lich vor­wie­gend männ­li­che. Wur­de dage­gen nach Lieb­lings­mu­si­kern bzw. Lieb­lings­mu­si­ke­rin­nen gefragt, war der Anteil der Musi­ke­rin­nen grö­ßer. Das heißt, dass all das, was Peter Eisen­berg geschrie­ben hat, zwar rich­tig ist, also alles, was das gram­ma­ti­sche Sys­tem angeht, dass aber den­noch bei den Empfänger*innen etwas im Gehirn pas­siert, das nicht dem „mit­ge­meint“ ent­spricht (oder doch, sie­he unten). Kolleg*innen haben mich dann dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die­ses Phä­no­men nicht spe­zi­fisch für das Deut­sche ist. Was abge­bil­det wird, sind unse­re Ste­reo­ty­pe. Das fol­gen­de Bei­spiel mit dem Chir­ur­gen kommt ursprüng­lich auch aus dem Eng­li­schen. Es stammt von den bei­den Psy­cho­lo­gin­nen Mikae­la Wap­man und Debo­rah Belle.

Also: Die gan­ze Sache hat nichts mit dem Deut­schen zu tun, die Ste­reo­ty­pen sind ein Abbild unse­rer Gesell­schaf­ten. Man kann sich das leicht vor Augen füh­ren, indem man über nur­se nach­denkt. Die ist natür­lich weib­lich. Jeden­falls blin­kern zuerst die ent­spre­chen­den Stel­len in unse­ren Gehir­nen auf. Um das zu ändern, müs­sen wir dafür sor­gen, dass Frau­en in allen Posi­tio­nen sicht­bar sind, damit sie nicht nur von der Gram­ma­tik mit­ge­meint sind, son­dern auch von den Emp­fän­gern unse­rer Nach­rich­ten mit­ge­dacht wer­den. Das ist letzt­end­lich wie­der die öko­no­mi­sche Fra­ge und dazu brau­chen wir Quo­ten und Kin­der­be­treu­ung und die Quo­ten haben wir ja inzwi­schen auch, die Kin­der­be­treu­ung wird auch lang­sam bes­ser. Wenn Frau­en in Par­la­men­ten gleich ver­tre­ten sind, ändert sich viel­leicht auch irgend­wann die Bezah­lung für die typi­schen Frau­en­be­ru­fe und es stellt sich ins­ge­samt eine fai­re­re Ver­tei­lung ein.

Wenn wir Frau­en errei­chen wol­len, wenn wir wol­len, dass sie sich ange­spro­chen füh­len, dass sie den­ken: „Ja, hier bin ich rich­tig!“, dann müs­sen wir sie expli­zit adres­sie­ren. Ich habe das bis vor eini­gen Jah­ren gemacht, in dem ich in der Anre­de die weib­li­che und die männ­li­che Form benutzt habe. Seit eini­ger Zeit mische ich das mit der Form mit Glot­tal­ver­schluss. Ein Kol­le­ge hat pro­phe­zeit, dass der dann irgend­wann als unöko­no­misch abge­schafft wird und so ist es in der Tat: Dann kommt eben das gene­ri­sche Femi­ni­num raus.

In der Schrift­form ver­wen­de ich das Gen­der­stern­chen. Es ist kür­zer als „Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen“ und man hat die Nicht-Binä­ren noch mit dabei.