Mein Kabinett

Mar­tin Son­ne­born, Chef der Par­tei Die PARTEI, beant­wor­tet die Fra­ge der taz nach mög­li­chen Koali­ti­ons­part­nern, indem er eine Koali­ti­on mit der CDU/CSU, der SPD, den Grü­nen, der AfDP, und der Lin­ken aus­schließt (taz, 11.05.2021). Das ist soweit ok, aber dann fährt er fort: „Wir sind die ein­zi­ge Par­tei, die mit abso­lu­ter Sicher­heit auch nach der Wahl Oppo­si­ti­on ist.“ Die­se Mut­lo­sig­keit hat mich zutiefst erschüt­tert und als Par­tei­lo­ser, der für die PARTEI antritt, sehe ich es als mei­ne Pflicht, den PAR­TEI-Chef zu kri­ti­sie­ren. Die SPD stürzt sich mit einem Kanz­ler­kan­di­da­ten in den Wahl­kampf und wir geben jetzt schon auf? Wir haben 299 Direktkandidat*innen und alle sind SEHR GUT. Ich habe die Wahl­krei­se mit viel­ver­spre­chen­den Kandidat*innen grau markiert.

Kar­te vom Bun­des­wahl­lei­ter. Alle Wahl­krei­se, die von der Par­tei Die PARTEI höchst­wahr­schein­lich direkt gewon­nen wer­den, habe ich grau eingefärbt.

299 Man­da­te. Das wäre die Hälf­te aller Bun­des­tags­man­da­te und wir brau­chen dann also nur einen Abge­ord­ne­ten der ande­ren Par­tei­en, der uns dul­det und den habe ich schon.1 Sie­he dazu Minis­ter des Innern. Es gibt also einen Weg für die PARTEI, die Macht zu über­neh­men und Mar­tin Son­ne­born will trotz­dem ein­fach auf­ge­ben? Gibt es jetzt selbst in der Par­tei Die PARTEI schon Rea­los? Als der Mut Mar­tin Son­ne­born noch nicht ver­las­sen hat­te, hat­te er ver­kün­det, dass die Par­tei alle Direktkandidat*innen zu Kanzlerkandidat*innen nomi­niert. Das war ein groß­ar­ti­ger Schritt, denn alle sind SEHR GUT und glei­cher­ma­ßen geeig­net. Das ist es, was wir brau­chen, in die­ser krie­sen­ge­schüt­tel­ten Zeit: Visio­nen! Wäh­rend die SPD zum Arzt gehen wür­de, wenn sie Visio­nen hät­te, kann ich das nicht machen, denn dann säße ich dau­ernd beim Arzt.

Ich bin wahr­schein­lich der ein­zi­ge Politiker*in, der/die ihren Wähler*innen und Wäh­lern all ihre Gedan­ken offen mit­teilt. Ich kann das tun, weil ich kei­ne Stim­men­ver­lus­te befürch­ten muss, denn ich habe bereits wis­sen­schaft­lich nach­ge­wie­sen, dass ich das Direkt­man­dat in Erlan­gen und Erlan­gen-Höch­stadt erlan­gen wer­de (sie­he War­um ich das Direkt­man­dat gewin­nen wer­de). Des­halb wer­de ich jetzt hier auch bereits zu einem Zeit­punkt mei­ne zukünf­ti­ge Regie­rung vor­stel­len, zu dem man­che Par­tei­en noch nicht ein­mal ein Wahl­pro­gramm haben.2

Kri­te­ri­en für die Aus­wahl waren Kom­pa­ti­bi­li­tät mit mei­ner kom­pro­miss­lo­sen, sozi­al ver­träg­li­chen 1,5°-Politik, fach­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on, reprä­sen­ta­ti­ve Zusam­men­set­zung in Bezug auf Geschlecht, Diver­si­tät und ein aus­ge­wo­ge­nes Ost-West-Verhältnis.

Kabinett Müller I

Es ist üblich, dass bei Regie­rungs­neu­bil­dun­gen Minis­te­ri­en anders zuge­schnit­ten wer­den. Hier mei­ne Vision:

Bundeskanzler

Ste­fan Mül­ler. Das bin ich. Sie­he Wer ich bin und war­um ich für den Bun­des­tag kan­di­die­re.

Minister für Transparenz

Mar­co Bülow (ange­fragt) war in der SPD und als SPD-Abge­ord­ne­ter auch im Bun­des­tag. Er war dort von 2005 bis 2009 Spre­cher der Frak­ti­ons­ar­beits­grup­pe für Umwelt, Natur­schutz und Reak­tor­si­cher­heit. Von 2009 bis 2013 war er Ener­gie­po­li­ti­scher Spre­cher der SPD. Er ist aus Pro­test gegen Kor­rup­ti­on und Lob­by­is­mus dort aus­ge­tre­ten. Er ist SEHR GUT.

Mar­co Bülow spricht auf der Mon­tags­de­mo für Kli­ma­schutz von Berlin4Future über Kor­rup­ti­on und Lob­by­is­mus, Ber­lin, Alex­an­der­platz, 07.09.2020, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Das ein­zi­ge Pro­blem mit Mar­co Bülow ist, dass er viel popu­lä­rer ist als ich. Aber das hat ja bei der Kanz­ler­kan­di­da­tur der cdU/csU auch kei­ne Rol­le gespielt. Wir eini­gen uns sicher irgend­wie. Mög­lich wäre ja auch eine Dop­pel­spit­ze. Wir tau­schen dann jede Woche die Ämter.

Ministerin für Abrüstung und Verteidigung

Anna Brom­ley kann Kungfu. Sie hat als Door­wo­man gear­bei­tet und ist SEHR STARK. Zusam­men sind wir ein Dream­team. Ich habe ja bereits dar­ge­legt, wie ich als Pazi­fist in der gegen­wär­ti­gen geo­po­li­ti­schen Lage agie­ren wer­de (sie­he Auf­rüs­ten oder Abrüs­ten). Ich kann Kara­te und sie Kungfu. Die Kungfu-Sti­le ahmen Tie­re nach. Ster­ben­der Schwan und so. Wäh­rend sie also eine Tier­vor­füh­rung macht, ist Putin abge­lenkt und dann kommt mein Lasso.

Anna Brom­ley bei SAVVY Funk, SAVVY Con­tem­pora­ry, Deutsch­land­ra­dio Kul­tur und docu­men­ta 14, Ber­lin, 25.06.2017, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY-NC-ND

Außer­dem pro­mo­viert Anna gera­de über Albern­heit (kein Witz!). Sie wür­de also per­fekt ins Kabi­nett Mül­ler I pas­sen. Also zu mir. Die ande­ren sind alle total ernst. Dem Ernst der Lage ange­mes­sen (sie­he Denn sie wis­sen nicht, was sie tun, die Über­schrift bezieht sich auf die cdU/csU, nicht auf mein Kabi­nett. Obviously).

Mein Bru­der war sau­er, als er mein Kabi­nett gese­hen hat. Er mein­te, er wäre auch ein guter Minis­ter für Abrüs­tung gewe­sen. Das stimmt, denn er ist dees­ka­lie­rend und fröh­lich. Aber ers­tens ist er, glau­be ich, nicht so stark wie Anna, kann kei­ne ster­ben­den Schwä­ne tan­zen und außer­dem geht die­ses Minis­te­ri­um ohne­hin tra­di­tio­nell an Frau­en. Aber er wird jetzt Außenminister.

Ministerin für Verbraucherschutz

Das macht die­se Frau (noch nicht ange­fragt). Ihr Haupt­auf­ga­be ist es, die Verbraucher*innen davor zu schüt­zen, Müll-Mode zu Dum­ping­prei­sen zu kau­fen, die sie dann unge­tra­gen wegwerfen.

Frau, die gegen Fast Fashion demons­triert. Fri­days For Future Demons­tra­ti­on in Ber­lin, 20.09.2019, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Lei­der weiß sie noch nichts von ihrem Amt, da ich sie nicht per­sön­lich ken­ne. Sach­dien­li­che Hin­wei­se zur Per­son neh­me ich unter St.Mueller@diepartei-erlangen.de entgegen.

Minister für Finanzen 

Maja Göpel (ange­fragt) hat meh­re­re Bücher über kli­ma­kom­pa­ti­ble Trans­for­ma­ti­on geschrie­ben. Sie ist SEHR GUT. Das Finanz­mi­nis­te­ri­um wäre bei ihr in guten Händen. 

Maja Göpel spricht beim Kli­ma­st­reik von Fri­days For Future, Ber­lin, Reichs­tag, 24.09.2021, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Soll­te sie wider Erwar­ten ableh­nen und wei­ter nur bera­tend mit­wir­ken wol­len, wür­de ich als nächs­tes Lui­sa Neu­bau­er fra­gen. Auch sie kennt sich in Kli­ma­fra­gen bes­tens aus und hat Visio­nen. Sie hält eine ande­re Welt für mög­lich. Sie ist SEHR GUT! Lui­sa Neu­bau­er hat bereits gezeigt, dass sie sich nicht kor­rum­pie­ren lässt, denn sie hat das Ange­bot im Sie­mens-Auf­sichts­rat mit­zu­wir­ken abgelehnt.

Lui­sa Neu­bau­er liest auf der Demo #1JahrNurBlockiert ihre Rede vor, die sie vor einem Jahr beim ers­ten Streik von Fri­days For Future Ber­lin gehal­ten hat. Ber­lin, 13.12.2019, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Sie hat Hans-Georg Maaßen zu Recht öffent­lich vor­ge­wor­fen, dass er anti­se­mi­ti­sche Codes ver­wen­det und ent­spre­chen­de Inhal­te teilt (RND, 10.05.2021, RND, 13.05.2021) und wür­de sicher auch mei­nen Kurs einer Aus­wei­sung Maaßens aus der SBZ mit­tra­gen (sie­he mei­nen Bei­trag zum Anti­fa­schis­ti­schen Schutz­wall).

All die sehr guten Din­ge, die die ande­ren Minis­te­ri­en umset­zen sol­len, wer­den Geld kos­ten. Viel Geld. Der gegen­wär­ti­ge Finanz­mi­nis­ter (Olaf Scholz von der SPD) hat kei­nen Plan (taz, 14.05.2021), wie er sein Wahl­pro­gramm finan­zie­ren soll. Ich dage­gen habe einen. Steu­ern, Steu­ern, Steu­ern. Wir alle ken­nen die Spit­zen­steu­er­sät­ze aus Skan­di­na­vi­en und wis­sen, dass Men­schen in Gesell­schaf­ten mit gerin­ge­rem Reich­tums­ge­fäl­le glück­li­cher sind. Und es sind nicht nur die beson­de­ren Skan­di­na­vi­er: Wie der nie­der­län­di­sche His­to­ri­ker Rut­ger Breg­man 2019 auf dem Welt­wirt­schafts­gip­fel in Davos dar­ge­legt hat, gab es in den USA in den 50er Jah­ren unter dem repu­bli­ka­ni­schen Prä­si­den­ten Eisen­ho­wer einen Spit­zen­steu­er­satz von 91% und eine Erb­schafts­steu­er von 70%. Geht alles. Wir müs­sen nur wollen.

Rut­ger Breg­man for­dert auf dem Welt­wirt­schafts­gip­fel in Davos Steu­ern, Steu­ern, Steu­ern. 2019

Rut­ger Breg­man wur­de übri­gens im Jahr dar­auf nicht wie­der zum Welt­wirt­schafts­gip­fel ein­ge­la­den. Tja.

Minister für Gesundheit

Dr. Hen­ning Toh­le (ange­fragt) ist Arzt und gegen Flug­lärm aktiv. Er ist SEHR GUT.

Dr. Hen­ning Tho­le bei einem Tref­fen der Anwohner*innen des Flug­ha­fens Tegel zum The­ma Flug­lärm im Rat­haus Pan­kow, 26.09.2015, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Flug­lärm ist ein enor­mes Gesund­heits­ri­si­ko, was durch epi­de­mo­lo­gi­sche Stu­di­en am Flug­ha­fen Frankfurt/Main nach­ge­wie­sen wur­de. Gemein­sam wer­den wir mit der Ver­kehrs­mi­nis­te­rin dafür sor­gen, dass unren­ta­ble Regio­nal­flug­hä­fen (also alle?) geschlos­sen wer­den und der Ver­kehr auf den gro­ßen Flug­hä­fen redu­ziert wird. Das kann man ins­be­son­de­re durch strik­te Nacht­flug­ver­bo­te und die Reduk­ti­on von Inlands­flü­gen erreichen.

Ansons­ten gibt es im Gesund­heits­we­sen viel zu tun und auch im Okto­ber wird die Pan­de­mie noch nicht vor­bei sein. Hen­ning Tho­le ist auch bei Sci­en­tists For Future aktiv und kennt sich mit den gesund­heit­li­chen Fol­gen des Kli­ma­wan­dels bes­tens aus.

Ministerin für Wirtschaft

Ulri­ke Herr­mann (ange­fragt) ist stu­dier­te Öko­no­min und Wirt­schafts­re­dak­teue­rin bei der taz. Sie sagt ganz klar, dass unbe­grenz­tes Wachs­tum nicht funk­tio­niert, dass Kli­ma­ver­träg­lich­keit bedeu­tet, dass es kei­ne pri­va­ten Pkws und kei­ne pri­va­ten Flü­ge geben kann. Wir müs­sen den Pro­zess des grü­nen Schrump­fens ein­lei­ten, wenn wir kli­ma­kom­pa­ti­bel wer­den wollen.

Ulri­ke Herr­mann, Öko­no­min von der taz spricht auf dem Kli­ma­mon­tag, Ber­lin, Alex­an­der­platz, 03.05.2021, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Ulri­ke Herr­mann arbei­tet in einer Fir­ma, an der ich Antei­le hal­te, aber ich den­ke, dass der zukünf­ti­ge Trans­pa­renz­mi­nis­ter das schon gut­hei­ßen wird, denn die Bei­tei­li­gung ist öffent­lich (sie­he Trans­pa­renz­er­klä­rung).

Ministerin für Nicht-Bauen

Das Nicht-Bau-Minis­te­ri­um bekommt Dr.-Ing. Lore­na Val­di­via Steel Archi­tek­tin bei den Sci­en­tist for Future. Die Archi­tects for Future wei­sen dar­auf hin, dass, wenn man den gesam­ten Lebens­zy­klus eines Gebäu­des für die Ener­gie­bi­lanz zugrun­de­legt, Sanie­run­gen immer bes­ser sind als Neu­bau, selbst bei Pas­siv­häu­sern. Des­we­gen wird Lore­na Val­di­via Steel Minis­te­rin für Nicht-Bau­en bzw. Umbau.

Lore­na Val­di­via Steel von den Sci­en­tists Future beim Kli­ma­st­reik, Ber­lin, 24.05.202, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Minister für Arbeit, Familie und Soziales

Minis­ter für Arbeit und Sozia­les wird mein Freund Klaus. Er ist sehr gut. Also nicht nur SEHR GUT. Ein­fach sehr gut. Er war lan­ge Jah­re gesund­heits­be­dingt arbeits­los und lebt nun von Mindestrente. 

Der Ste­fan Mül­ler von der csU woll­te ja einen Arbeits­dienst für Arbeits­lo­se ein­füh­ren (sie­he Wiki­pe­dia­ein­trag) und Jens Spahn fin­det, dass man mit Hartz IV ein kom­for­ta­bles Aus­kom­men habe (sie­he mein Bei­trag Soll sie der Blitz … Filz bei der Uni­on). Wir wür­den in Zusam­men­ar­beit mit dem Finanz­mi­nis­te­ri­um die Hartz IV-Sät­ze anhe­ben und uns für ein Bedin­gungs­lo­ses Grund­ein­kom­men ein­set­zen. Es ist klar, dass das nicht ein­fach ist und es vie­les zu beden­ken gibt, aber dar­an wer­den wir arbei­ten. Bevor das Bedin­gungs­lo­se Grund­ein­kom­men ein­ge­führt ist, wer­den wir die Min­dest­löh­ne anhe­ben und auf extre­mer (Selbst-)Ausbeutung basie­ren­de Ange­bo­te, die immer wie­der Wege fin­den, die Sozi­al­stan­dards zum umge­hen, wie zum Bei­spiel Uber verbieten.

Klaus hat neun Kin­der und als Ossi weiß er ohne­hin, wie wich­tig Kin­der­be­treu­ung ist und wie sie so funk­tio­nie­ren kann, dass Frau­en auch arbei­ten kön­nen. Lie­be Wähler*innen und Wäh­ler, die Fra­ge der Gen­der­ge­rech­tig­keit lösen wir nicht mit einem Stern­chen. Und wenn Ihr Euch anguckt, was Merz und sei­ne Kum­pels gera­de machen, dann merkt Ihr es selbst. Immer wenn der Kor­rup­ti­ons­skan­dal-Topf am Über­ko­chen ist, dann rufen sie laut: Gen­der­stern­chen und alle sind eine Woche beschäf­tigt. Die Fra­ge der Gen­der­ge­rech­tig­keit ist eine öko­no­mi­sche Fra­ge und so lan­ge die Mut­ter von Söders unehe­li­chem Kind kei­ne Kin­der­be­treu­ung hat, weil Söder dage­gen ist, dass in Bay­ern Krip­pen­plät­ze geschaf­fen wer­den, so lan­ge wer­den Frau­en öko­no­misch abhän­gig sein bzw. in Armut leben. Sie­he hier­zu und zur ver­lo­ge­nen Fami­li­en­po­li­tik der csU auch mei­nen Post Mensch & Fami­lie. Hat­te ich schon erwähnt, dass die csU eine kor­rup­te Par­tei ist und die cdU auch? Könnt Ihr in Denn sie wis­sen nicht, was sie tun und Soll sie der Blitz … Filz bei der Uni­on nachlesen.

Minister für Zukunft und Klimafragen

Gre­gor Hage­dorn (ange­fragt) ist Aka­de­mi­scher Direk­tor am Muse­um für Natur­kun­de Ber­lin, Mit­grün­der und Spre­cher von Sci­en­tists for Future und SEHR GUT. Er ist bes­tens ver­netzt und weiß auf alle Zukunfts­fra­gen eine Antwort.

Dr. Gre­gor Hage­dorn (Musee­um für Natur­kun­de) bei der Vor­füh­rung des Films von S4F im Del­phi-Kino, Ber­lin, 26.09.2019, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY 

Er ist nicht nur sehr gut, son­dern auch SEHR MÄCHTIG, denn er hat 26.800 Sci­en­tists For Future hin­ter sich und es wer­den täg­lich mehr. Das Wachs­tum der Unterstützer*innen ist expo­nen­ti­ell und Ihr wisst, was das heißt, oder? 

„Auf die grü­ne Sei­te der Macht du kom­men sollst“ Pla­kat bei Demo von Fri­days For Future in Ber­lin, 24.05.2019, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Ministerium für Zauberei

Wir sind nicht allein auf die­sem Pla­ne­ten, obwohl wir gera­de hart dar­an arbei­ten, alles ande­re Leben aus­zu­rot­ten (sie­he Arten­ster­ben im Bei­trag Denn sie wis­sen nicht, was sie tun). Aber es gibt noch ande­re Lebe­we­sen, die wir nicht so leicht umbrin­gen kön­nen. Und sie sind SEHR MÄCHTIG, noch mäch­ti­ger als Gre­gor Hage­dorn. Die drei hier Abge­bil­de­ten arbei­ten im Minis­te­ri­um für Zau­be­rei. Ich konn­te 2019 wäh­rend der Rebel­li­on Wave in Lon­don mit ihnen sprechen.

Vertreter*innen des Minis­try of Magic unter­stüt­zen Extinc­tion Rebel­li­on bei der Blo­cka­de das Tra­fal­gar Squa­re, Lon­don, 10.10.2019, Der jun­ge Mann rechts hat­te schon vor Coro­na eine Mas­ke. Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Wenn wir das 1,5°-Ziel errei­chen wol­len, wer­den wir Unter­stüt­zung des Minis­te­ri­ums für Zau­be­rei brau­chen. Ich habe auf die Beset­zung der Pos­ten dort lei­der kei­nen Ein­fluss, aber immer­hin habe ich Kon­takt dahin. Sie haben mei­ne Erin­ne­rung an die Begeg­nung nicht gelöscht, was ich für ein gutes Zei­chen hal­te. Wenn sie uns unter­stüt­zen wür­den, wäre das zauberhaft!

Minister für Energie

Prof. Dr. Vol­ker Qua­sch­ning (ange­fragt) ist Pro­fes­sor für Rege­ne­ra­ti­ve Ener­gie­sys­te­me an der Hoch­schu­le für Tech­nik und Wirt­schaft in Ber­lin und er ist SEHR GUT.

Prof. Dr. Vol­ker Qua­sch­ning von Sci­en­tists For Future spricht bei der ers­ten Berlin4Future Mon­tags­de­mo, Ber­lin, Alex­an­der­platz, 06.07.2020, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Sei­ne Haupt­auf­ga­be wird die Elek­tri­fi­zie­rung der rück­stän­di­gen Bun­des­län­dern Bay­ern und NRW sein (zu den Brem­sern Söder und Laschet sie­he auch Denn sie wis­sen nicht, was sie tun Abschnitt zur Ener­gie). Ich habe bereits in Auf­bau West über die maro­de Infra­struk­tur in Erlan­gen geschrie­ben. Die Stra­ßen­la­ter­nen sind dort laut offi­zi­el­ler Ver­laut­ba­rung extrem ein­sturz­ge­fähr­det. Die zu erwar­ten­den Trans­for­ma­tio­nen in die­sen zurück­ge­blie­be­nen Bun­des­län­dern wer­den so gigan­tisch sein, dass ich ein eige­nes Minis­te­ri­um für den Wie­der­auf­bau ein­rich­te (sie­he unten). 

Vol­ker Qua­sch­ning hat noch nicht geant­wor­tet. Da wir noch nicht bei 100% Öko­en­er­gie sind, ver­wen­det er sei­ne Ener­gie wohl für ande­re Dinge.

Ministerin für Verkehr

Prof. Dr. Dr. Mar­ti­na Schä­fer (ange­fragt) ist Bio­lo­gin, in Umwelt­tech­nik und Sozio­lo­gie an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Ber­lin pro­mo­viert. Sie lei­tet dort das Zen­trum Tech­nik und Gesell­schaft. Sie ist SEHR GUT. Das sieht man schon dar­an, dass sie viel mehr Dok­tor­ti­tel als Andre­as Scheu­er, M.A. hat.

Prof. Dr. Dr. Mar­ti­na Schä­fer (TU Ber­lin) bei der Film­vor­füh­rung des Films von S4F im Del­phi-Kino, Ber­lin, 26.09.19 https://www.youtube.com/watch?v=4ZYh0aTSvBA, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Mar­ti­na Schä­fer hat gemein­sam mit Gis­bert Fan­se­low von der Uni Pots­dam und mir eine Ber­lin/­Bran­den­burg-wei­te Akti­on zur Slebst­ver­pflich­tung von Wissenschaftler*innen zum Ver­zicht auf Kurz­stre­cken­flü­ge durchgeführt.

Ver­kün­dung der Ergeb­nis­se der Selbst­ver­pflich­tungs­ak­ti­on gegen Kurz­stre­cken­flü­ge wäh­rend einer gro­ßen Kli­ma­de­mo von Fri­days For Future am Bran­den­bur­ger Tor, Mar­ti­na Schä­fer ganz links, Gis­bert Fan­se­low (Post­mi­nis­ter) rechts davor unten, Ber­lin, 20.09.2019, Bild: Mela­nie Quilitz

Außer­dem hat sie an der TU ein coo­les Pro­jekt, bei dem Men­schen ihre Auto­schlüs­sel abge­ben kön­nen und unter kon­trol­lier­tem Ent­zug eini­ge Mona­te betreut ohne (eige­nes) Auto ver­brin­gen kön­nen. Man­che fan­gen danach nicht wie­der an (2019 ein Drit­tel der Teilnehmer*innen).

Ich hof­fe sehr, dass sie es macht. Bis­her hat sie noch nicht geant­wor­tet. Sie ist immer schwer beschäf­tigt. Wahr­schein­lich regelt sie gera­de irgend­was mit Verkehr.

Minister für Post- und Fernmeldewesen

Minis­ter für Post und Fern­mel­de­we­sen wird Prof. Dr. Gis­bert Fan­se­low. Er ist ein guter Freund von mir und SEHR GUT! Außer­dem hat er mit der desi­gnier­ten Ver­kehrs­mi­nis­te­rin Mar­ti­na Schä­fer die Selbst­ver­pflich­tungs­ak­ti­on zum Ver­zicht auf Kurz­stre­cken­flü­ge ins Leben geru­fen (sie­he auch Bild oben).

Gis­bert Fan­se­low und Hart­mut Ehm­ler beim Kli­ma­st­reik von Fri­days For Future. Gis­bert Fan­se­low hät ein Schild mit der Zahl der Wissenschaftler*innen der Uni Pots­dam, die sich ver­pflich­tet haben, auf dienst­li­che Kurz­stre­cken­flü­ge zu ver­zich­ten. Ber­lin, 20.09.2019, Bild: Ste­fan Mül­ler CC-BY

Er woll­te unbe­dingt mit­ma­chen und hat sich die­ses Minis­te­ri­um selbst aus­ge­sucht. Ich fin­de, dass der Bereich Post und Fern­mel­de­we­sen seit 1997 sträf­lichst ver­nach­läs­sigt wur­de. Die Haupt­auf­ga­be von Gis­bert Fan­se­low wird es sein, die Über­tra­gung von Faxen3 zu beschleu­ni­gen und neue Stan­dards dafür in allen Behör­den zu eta­blie­ren. Das wird alle Ver­wal­tungs­ver­fah­ren erheb­lich beschleu­ni­gen und dazu bei­tra­gen, dass zu Beginn mei­ner Regie­rungs­zeit die Ver­fah­ren gegen Klimaaktivist*innen schnel­ler ein­ge­stellt wer­den können.

Gis­bert Fan­se­low arbei­tet in Pots­dam, ich in der Doro­the­en­stra­ße. Es liegt also nahe, die bestehen­de Tele­gra­phen-Ver­bin­dung von der Ber­li­ner Stern­war­te in der Doro­the­en­stra­ße über den Tele­gra­fen­berg in Pots­dam zur Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft nach Köln auszubauen.

Zei­ger­te­le­graf in Bra­ke, Bild: Wil­fried Witt­kow­sky, CC BY-SA 3.0, Link

Dazu wür­de ich die Zei­ger­te­le­gra­fen mit E‑Motoren für die schnel­le Umstel­lung der Zei­chen aus­rüs­ten und die Ener­gie dafür wür­de natür­lich aus Solar­zel­len stammen. 

In Bay­ern wird zur Zeit immer noch mit Flag­gen gear­bei­tet (Quel­le: Wiki­pe­dia­ein­trag zur opti­schen Tele­gra­fie), da der aktu­ell zustän­di­ge Minis­ter mit Maut-Skan­da­len beschäf­tigt ist. Aber nach der Elek­tri­fi­zie­rung von Bay­ern und NRW (sie­he oben Ener­gie­mi­nis­te­ri­um) kön­nen auch die Tele­gra­fie­li­ni­en in den Süden aus­ge­baut wer­den. Gis­bert Fan­se­low dürf­te gera­de auch die Ent­wick­lung von Bay­ern eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit sein, da er selbst aus Bay­ern stammt. Ich ver­spre­che mir von der Elek­tri­fi­zie­rung und dem Aus­bau der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­te­me wich­ti­ge Impul­se für die Wis­sen­schaft und die Wirtschaft.

Wie Wolf­gang Mül­ler inter­es­siert sich Gis­bert Fan­se­low für Vögel und könn­te also gut mit dem Unter­mi­nis­ter für Sub­kul­tur und dem Minis­ter für Umwelt und Reak­tor­si­cher­heit zusammenarbeiten.

Inzwi­schen ist sich Gis­bert Fan­se­low sei­ner Zusa­ge wohl lei­der nicht mehr so sicher, da ich ihn dar­auf hin­ge­wie­sen habe, dass es nicht um ein „Minis­te­ri­um für Pos­ten und Fern­mel­de­we­sen“ geht.

Ministerin für Bildung

XY todo

Mein Bru­der Prof. Dr. Frank Mül­ler wäre auch ein sehr guter Bil­dungs­mi­nis­ter. Er arbei­tet im Bereich Inklu­si­on und setzt sich für Open Edu­ca­tio­nal Resour­ces (OER) ein. 

Beim letz­ten gro­ßen Student*innenstreik hat­te der Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Prof. Hajo Fun­ke ein gute For­de­rung: die 10/20/30-Regel. Im Kin­der­gar­ten einen Betreuuungs­schlüs­sel von 1:10, in der Schu­le 1:20 und im Stu­di­um dann 1:30. Mei­ne Kin­der hat­ten in der Grund­schu­le 26er Klas­sen, im Gym­na­si­um 32 und über die Semi­nar- und Vor­le­sungs­grö­ßen an Uni­ver­si­tä­ten reden wir lie­ber nicht. In den letz­ten Jahr­zehn­ten wur­de im Bil­dungs­sys­tem immer mehr gespart. Bis zum Quit­schen. Das wür­de ich ändern.

Außer­dem ist das deut­sche Hoch­schul­sys­tem sehr hier­ar­chisch orga­ni­siert. Es gibt weni­ge Professor*innen mit fes­ten Stel­len und einen brei­ten Mit­tel­bau, der auf Schleu­der­sit­zen sitzt. Ver­trä­ge sind auf drei Jah­re befris­tet, in man­chen Wis­sen­schaf­ten lau­fen die Ver­trä­ge noch kür­zer. Es gibt eine Vor­schrift, die Ket­ten­ver­trä­ge ver­hin­dern soll. Inter­es­san­ter­wei­se führt sie aber dazu, dass Mitarbeiter*innen ein­fach ent­las­sen wer­den. Uni­ver­si­tä­ten lau­fen hier­zu­lan­de mit 80% der Beleg­schaft. Wenn eine Stel­le aus­läuft wird sie für eini­ge Zeit (etwa ein hal­bes Jahr) gesperrt. Da fes­te Stel­len nicht gesperrt wer­den, sind sie teu­rer als befris­te­te Stel­len. Wenn nun jemand die Höchst­be­schäf­ti­gungs­dau­er von 12 Jah­ren erreicht hat und eigent­lich ent­fris­tet wer­den müss­te, weil er oder sie ja offen­sicht­lich gebraucht wird, wird die Stel­le nicht ver­län­gert, weil sie dann ja teu­rer wer­den wür­de. Die­ser absur­de Miss­stand muss abge­stellt wer­den. Dazu braucht es mehr Geld im Bildungssystem.

Ministerin für Digitalisierung und Drogen

Minis­te­rin für Digi­ta­li­sie­rung wird Frie­de­ri­ke Mül­ler. Sie ist SEHR GUT. Außer­dem ist sie mei­ne Toch­ter. Als sie mit­be­kom­men hat, dass mei­ne Frau Minis­te­rin wird, woll­te sie auch mit­ma­chen. Ich habe ihr lang und breit erklärt, dass Poli­tik eine erns­te Sache ist, dass sie noch zu klein ist (173cm) und dass sie das mal lie­ber den Pro­fis über­las­sen soll. Sie hat gekon­tert, dass sie bis zur Wahl grö­ßer als ihre Mut­ter sein wird und außer­dem ist es nicht von der Hand zu wei­sen, dass sie sich aus­kennt. Sie erklärt uns, wo man am Han­dy wie drü­cken muss und was dann pas­sie­ren müss­te. Sie kennt jedes Funk­loch in Thü­rin­gen und Bran­den­burg, wo wir immer Urlaub machen, und sie hat neu­lich ihr Tele­fon mit einer Bru­te-For­ce-Atta­cke geknackt. Das alles ist viel­ver­spre­chend und sie hat jetzt schon mehr Kom­pe­tenz als so man­cher Digi­ta­li­sie­rungs­mi­nis­ter vor ihr. Auch mit Dro­gen kennt sie sich aus. Sie ist gera­de im kal­ten Ent­zug, weil das Han­dy beschlag­nahmt wur­de. Den Dopa­min-Film von Arte haben wir schon oft gese­hen. Zu Dopa­min sie­he auch Face­book ist evil. Wir wer­den uns dann gemein­sam für die Besteue­rung der gro­ßen Digi­tal­kon­zer­ne und eine Zer­schla­gung von Facebook/Whatsapp/Instagram einsetzen.

Ein wei­te­rer SEHR GUTER Kan­di­dat wäre Sebas­ti­an Nord­hoff, Press Direc­tor bei Lan­guage Sci­ence Press. Er kennt sich mit der Digi­ta­li­sie­rung her­vor­ra­gend aus, hat Poli­tik­erfah­rung (Pira­ten-Par­tei, hab’s mit Wiki­pe­dia ver­linkt, weil heut­zu­ta­ge nie­mand mehr weiß, was das war). Er hat in weni­gen Jah­ren einen kom­plet­ten digi­ta­len Open-Access-Ver­lag mit über 1000 Autor*innen und einer Mil­li­on Down­loads hoch­ge­zo­gen und die tech­ni­sche Infra­struk­tur läuft her­vor­ra­gend. Das unter­schei­det sei­nen Ver­lag vom Ver­bre­cher-Ver­lag4 De Gruy­ter, der unse­re Arbei­ten hin­ter einer Pay­wall ver­steckt und dann noch nicht mal DOIs kor­rekt auf­lö­sen kann, so dass die Lite­ra­tur selbst für zah­len­de Kund*innen (und wir zah­len über 100.000€ pro Jahr als Uni­ver­si­tät) nicht zugäng­lich ist. 275jährige Ver­lags­er­fah­rung nützt da auch nichts.

Sei­ne Erfah­run­gen mit und sein Wis­sen über Dro­gen geht nicht über das der jet­zi­gen Dro­gen­be­auf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung Danie­la Lud­wig (CDU) hin­aus, was aber nicht schlimm ist, denn er hat sich bis­her auch in kom­ple­xe The­men­fel­der SEHR GUT ein­ge­ar­bei­tet und Frie­de­ri­ke kann ihn auch bera­ten. Zum benö­tig­ten Vor­wis­sen auch ein State­ment eines CDU-Politikers:

[De]r Umstand, dass Frau Lud­wig kei­ne dro­gen­po­li­ti­sche Exper­ti­se hat, muss ja nicht zwin­gend dazu füh­ren, dass sie das Amt nicht beklei­den kann. […] Im Übri­gen war es nach mei­ner Erin­ne­rung auch nicht so, dass die ande­ren Dro­gen­be­auf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung in der Ver­gan­gen­heit da so einen Hin­ter­grund hatten.

Spre­cher des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Gesund­heit, Oli­ver Ewald

Wer’s nicht glaubt, kann es sich hier noch ein­mal anse­hen (kli­cken für Video):

Sebas­ti­an Nord­hoffs Qua­li­fi­ka­ti­on ist also SEHR GUT bzw. aus­rei­chend. Es gibt aller­dings auch gewis­se Zwei­fel an sei­ner Eig­nung, denn er hat schon öfter natür­lich abso­lut berech­tig­te Ände­rungs­wün­sche von mir abge­lehnt und irgend­et­was von Per­fek­ti­ons­wahn gemur­melt. Ande­rer­seits wür­de ich natür­lich auch die Geset­ze nicht dau­ernd ändern müs­sen, weil die Gerich­te sie für unzu­rei­chend hal­ten, wie das bei ande­ren Par­tei­en gera­de der Fall war. Also könn­te es viel­leicht etwas wer­den. Ich den­ke, er wäre eine gute Ver­tre­tung, wenn mei­ne Toch­ter auf Ent­zug ist.

Minister des Auswärtigen (Außenminister)

Prof. Dr. Frank Mül­ler wird Außen­mi­nis­ter. Er ist SEHR GUT! Und außer­dem ist er mein Bru­der. Er ist unge­fähr so wie ich, nur jün­ger und er ist viel diplo­ma­ti­scher.5 Er ist also nicht nur sehr gut, son­dern VIEL BESSER. Er war in den USA und im Iran couch­sur­fen. Er kennt sich also inter­na­tio­nal aus und kennt wirk­lich die Men­schen vor Ort und nicht nur den Golf­club. Er wird sich also dage­gen aus­spre­chen, Ihnen eine Bom­be auf den Kopf zu wer­fen und ist inso­fern die per­fek­te Ergän­zung zu unse­rer Minis­te­rin für Ver­tei­di­gung und Abrüstung. 

Es tut mir Leid, dass damit schon drei Mit­glie­der mei­ner Fami­lie der zukünf­ti­gen Bun­des­re­gie­rung ange­hö­ren wer­den. Aber wenn man ein­mal anfängt, dann wol­len alle ande­ren auch. Wo soll das nur hin­füh­ren? Was wenn mei­ne Eltern jetzt auch noch ankom­men und mit­ma­chen wol­len? Na, die­se Gefahr ist wohl rela­tiv gering, denn als ich mei­nem Vater von mei­ner Kan­di­da­tur für die Par­tei Die PARTEI berich­te­te, fand er das nicht gut, denn 1) ist Poli­tik eine erns­te Sache und 2) bin ich – sei­ner Mei­nung nach – nicht qua­li­fi­ziert dafür. Ich habe dar­über auch in Was qua­li­fi­ziert Sie eigent­lich für den Bun­des­tag? geschrie­ben. Aber mei­ne Schwes­ter könn­te noch mit­ma­chen wol­len. Sie ist Metero­lo­gin, war 14 Mona­te am Süd­pol, hat also eine kom­plet­te Polar­nacht hin­ter sich und kommt erwie­se­ner­ma­ßen auch in dunk­len Zei­ten gut zurecht.

Also, alles Mül­ler, oder was? Nee, nicht gut! Es gibt zwar auch Bei­spie­le aus ande­ren Län­dern, wo Fami­li­en­clans geherrscht haben, aber die Trumps wur­den dann zum Glück nicht wie­der­ge­wählt. Um mei­ne Wie­der­wahl nicht zu gefär­den, ver­pflich­te ich mich, alle Mül­lers bei Unbot­mä­ßig­keit sofort aus dem Kabi­nett zu entfernen. 

Ministerin für Kultur

Manon Ger­hardt ist Brat­schis­tin an der Deut­schen Oper Ber­lin und SEHR GUT. Sie wird die per­fek­te Kul­tur­mi­nis­te­rin sein.

Manon Ger­hardt spielt Brat­sche beim Die In auf der Mar­schall­brü­cke wäh­rend der (von ihr) ange­mel­de­ten Demons­tra­ti­on von Extinc­tion Rebel­li­on „Trau­er­zug der toten Bäu­me“, Ber­lin, 05.10.2020, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Unterminister für Subkultur und Minister für Umwelt und Reaktorsicherheit

Da sich gezeigt hat, dass prak­tisch der gesam­te Main­stream aus irgend­wel­chen Sub­kul­tu­ren her­vor­geht (zum Bei­spiel die Tef­lon­pfan­ne), kann man die Sub­kul­tur nicht hoch genug schät­zen. Der Unter­mi­nis­ter für Sub­kul­tur wird Wolf­gang Mül­ler (ange­fragt). Nein, er ist nicht mit mir ver­wandt. Es gibt meh­re­re Men­schen mit dem Nach­na­men Mül­ler. Ja, ins­ge­samt so vie­le, dass es nicht mal eine ein­ein­deu­ti­ge Abbil­dung von Per­so­nen auf Men­schen mit glei­chem Vor- und Nach­na­men gibt. So kommt es vor, dass es zum Bei­spiel meh­re­re Wolf­gang Mül­lers gibt. Hier ist der gemeint, der ein Buch über die Sub­kul­tur in West-Ber­lin geschrie­ben hat, das bereits in der fünf­ten Auf­la­ge erschie­nen ist (Mül­ler, 2014). Er ist bes­tens in der Kul­tur­bran­che und mit Veranstalter*innen ver­netzt. Das fol­gen­de Bild zeigt ihn zusam­men mit Moni­ka Döring, die lan­ge das LOFT in West-Ber­lin gelei­tet hat und sich gro­ße Ver­diens­te bei der Vor­sor­gung des Ostens mit Musik erwor­ben hat: Sie hat für Roland Galen­za und Lutz Schramm vom Parock­ti­kum, einer Unter­grund­sen­dung des Sen­ders DT64, Plat­ten über die Gren­ze geschmuggelt.

Wolf­gang Mül­ler und Moni­ka Döring nach der Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung Lyrik und Punk in der Aka­de­mie der Küns­te, Ber­lin, 16.03.2018, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY-NC-ND

Wolf­gang Mül­ler ist eben­falls gut mit dem Osten ver­traut. Er war noch zu DDR-Zei­ten bei Lesun­gen mit Hei­ner Mül­ler (kei­ner von uns bei­den ist mit Hei­ner Mül­ler ver­wandt) und hat ver­sucht, eine von sei­ner Band Die Töd­li­che Doris pro­du­zier­te Schall­plat­te bei Ami­ga raus­zu­brin­gen. Die Plat­te war so, dass man sie ein­zeln hören konn­te, genau­so wie die nach­fol­gen­de Plat­te. Aber bei­de Plat­ten gemein­sam gehört erga­ben eine neue Plat­te mit kohä­ren­tem Text und selbst die Cover waren over­lay-fähig. Ein gran­dio­ses deutsch-deut­sches Meis­ter­werk! Hät­te es wer­den kön­nen. Aber Ami­ga war zu spie­ßig. Immer­hin wur­de Die Töd­li­che Doris dann im Rock­le­xi­kon der DDR erwähnt.

Auch hat Wolf­gang Mül­ler Ant­wor­ten auf drän­gen­de Fra­gen unse­rer Zeit. In einem sei­ner Bücher beschreibt er eine klei­ne Vor­rich­tung, die Arbeiter*innen in Chi­na benut­zen, um die Augen offen zu hal­ten, wenn ihnen die­se gegen Ende der Schicht, in der sie unse­ren Wohl­stands­müll zusam­men­bau­en, zuzu­fal­len dro­hen. So etwas wie klei­ne Wäscheklammern.

Künst­ler Wolf­gang Mül­ler und Kura­to­rin An Paen­huy­sen bei der Vor­stel­lung des neu­en Buches „11 Objects of the Sci­ence of Misun­derstan­dings“ in der Bel­gi­schen Bot­schaft. Ber­lin, 17.02.2018, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY-NC-ND

Wolf­gang Mül­ler hat die Idee kon­se­quent durch­ge­ar­bei­tet und bie­tet in Zusam­men­ar­beit mit einem Gold­schmied die­se Augen­of­fen­hal­te­klam­mern für 1600€ als Bestand­teil des Buches an.

Wolf­gang Mül­ler arbei­tet seit Jah­ren zur Blau­mei­se und zu Sta­ren. Er hat nach­ge­wie­sen und auch durch Ton­auf­nah­men doku­men­tiert, dass die Sta­re, die in der Nähe von Kurt Schwit­ters Wohn­haus in Nor­we­gen leben, auch noch nach meh­re­ren Genera­tio­nen die Urso­na­te sin­gen. Wolf­gang Mül­ler wird von Linguist*innen dafür gefei­ert und gilt dies­be­züg­lich als Star. Wolf­gang Mül­ler kennt sich auch mit Copy­right­fra­gen sehr gut aus, denn die dama­li­gen Rech­te­inha­ber der Urso­na­te, die Kie­pen­heu­er GmbH, haben ihn ver­klagt (kein Quatsch). Er kann also dies­be­züg­lich auch gut mit den ande­ren Minis­te­ri­en zusammenarbeiten.

Auf­grund sei­ner Exper­ti­se wird er oft um Text­bei­trä­ge gebe­ten. So schrieb er zum Bei­spiel den Text „Du bist gut zu Vögeln“ für einen Song von Ste­reo Total.

„Du bist gut zu Vögeln“ von Ste­reo Total mit Text von Wolf­gang Müller

Da er sich so gut mit Tie­ren aus­kennt, kann er auch das Umwelt­mi­nis­te­ri­um über­neh­men. Die Atom­kraft­wer­ke wer­den mit mei­nem Amts­an­tritt sofort abge­schal­tet. Die Bezeich­nung des Minis­te­ri­ums für Umwelt und Reak­tor­si­cher­heit wird aus his­to­ri­schen Grün­den aber beibehalten. 

Er ist berühmt für Tex­te in der Sie­ges­säu­le und sei­ne Kunst­hap­pe­nings sind legendär.

Der Per­for­mance-Künst­ler Dani­el Chlu­ba zusam­men mit Wolf­gang Mül­ler bei der Ver­nis­sa­ge „Chro­mo­som XY Männerkunst – Her­ren­kunst“ einer Aus­stel­lung von Wolf­gang Mül­ler und An Paen­huy­sen im art space Bar­biche, Ber­lin, 01.03.2019, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY-NC-ND

Ich höre Sie jetzt schon fra­gen: „Ist ja schön und gut, aber hät­te es da zur Illus­tra­ti­on wirk­lich einen halb­nack­ten Mann gebraucht?“ Mei­ne Ant­wort: „Halb­nackt?“ Aber es stimmt natür­lich: Ich hät­te auch das fol­gen­de Pho­to neh­men kön­nen. Das hät­te völ­lig gereicht. Auch mit Dani­el Chlu­ba, dies­mal als „der/die/das Weih­nachts­män­nin“ und wenigs­ten nicht nackt. Aber ein Sinn die­ses Blogs ist auch, die csU mit ihrer ver­lo­ge­nen, heuch­le­ri­schen, homo­pho­ben Hal­tung zu ärgern (sie­he mei­nen Bei­trag Mensch & Fami­lie).

Ober­staats­an­walt a.D. und Anti­fa­schist Diet­rich Kuhl­brodt, Per­for­mer Dani­el Chub­la und Super-Star Wolf­gang Mül­ler bei der Weih­nachts­fei­er der Töd­li­che Doris, Acqua­ri­um, Ber­lin, 15.11.2019, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY-NC-ND

Wolf­gang Mül­ler kennt sich mit Elfen sehr gut aus und stand in engem Kon­takt mit der islän­di­schen Elfen­be­auf­trag­ten (Mül­ler, 2007). Er war lan­ge Zeit als Kul­tur­bot­schaf­ter für das Goe­the-Insti­tut in Reykja­vík und dann spä­ter, als der Bun­des­re­pu­blik das Geld aus­ging, für die Walt­her von Goe­the Foun­da­ti­on tätig. Wenn er das Amt annimmt, kann er das Außen­mi­nis­te­ri­um in der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit dem Minis­te­ri­um für Zau­be­rei und auch mit dem stra­te­gisch wich­ti­gen Part­ner Island unterstützen.

Ups, das Mül­ler-Fea­ture ist etwas lang gera­ten. Ich bin wirk­lich nicht mit ihm ver­wandt. Es gibt ein­fach viel zu sagen, denn er ist SEHR GUT!

Ministerin für Justiz

Bis­her war es eigent­lich so: Wer wofür Minis­ter wird, ist eigent­lich egal. Wich­tig ist das rich­ti­ge Par­tei­buch. So war zum Bei­spiel Peter Alt­mai­er Umwelt­mi­nis­ter (sic!) und ist jetzt Wirt­schaft­mi­nis­ter. Kann er bei­des? Man wür­de irgend­wie den­ken, kann nicht sein, aber wenn der Sinn des Umwlt­mi­nis­te­ri­ums dar­in besteht, der Wirt­schaft nicht in die Que­re zu kom­men, dann macht eine sol­che Beset­zung auch Sinn. Julia Klöck­ner ist Jour­na­lis­tin. Sie hät­te das Minis­te­ri­um für Des­in­for­ma­ti­on ver­dient (taz, 20.04.2021), aber ihr Minis­te­ri­um ist das für Land­wirt­schaft. Sie hat es per­fekt drauf, von den wesent­li­chen Fra­gen abzu­len­ken. Da zieht sie eine Tier­wohl­kam­pa­gne auf für Zir­kus­tie­re. Die­ses Affen­thea­ter hilft aber kei­nem Schwein. Die ste­hen immer noch im Kas­ten­stand, was in vie­len ande­ren Län­dern längst ver­bo­ten ist. Ande­res Bei­spiel: Scheu­er. Der hat zur poli­ti­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on der CSU im Sys­tem Bay­erns „pro­mo­viert“ (sie­he Wiki­pe­dia­ein­trag zu sei­ner Pro­mo­ti­on und Ver­fah­ren wegen Titel­miss­brauchs im Bun­des­tags­wahl­kampf 2005). Sei­ne Abschluss­ar­beit kann man wohl für die poli­ti­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on in der csU brau­chen, aber sonst? Ansons­ten hat er im Neben­fach Sozio­lo­gie und Wirt­schafts­wis­sen­schaft stu­diert. Bei Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten hat er aber ent­we­der geschla­fen oder war Krei­de holen. Sonst hät­te er gewusst, dass man Ver­trä­ge nicht unter­schreibt, bevor die Gerich­te geur­teilt haben, weil das sonst teu­er wer­den könn­te. Auch die Dro­gen­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung und all ihre Vorgänger*innen sind zuge­ge­be­ner­ma­ßen (sie­he oben) nicht vom Fach gewe­sen und oben­drein (auch zuge­ge­ben) inkompetent.

Wie dem auch sei, bei den Jus­tiz­mi­nis­tern ist das anders. Das sind nor­ma­ler­wei­se wirk­lich Fach­leu­te (wie zum Bei­spiel der kor­rup­te Jus­tiz­mi­nis­ter Bay­erns Alfred Sau­ter). Da ich dafür bin, Minis­te­ri­en mit Expert*innen zu beset­zen, möch­te ich mit die­ser Tra­di­ti­on nicht brechen.

Wahr­schein­lich könn­te man für die­sen Pos­ten irgend­ei­ne Richter*in aus dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­schla­gen, denn die sind jetzt bes­tens ein­ge­ar­bei­tet in die Kli­ma­pro­ble­ma­tik und haben wis­sen­schafts­ba­siert ent­schie­den, dass das Han­deln der abzu­lö­sen­den Bun­des­re­gie­rung nicht ver­fas­sungs­ge­recht ist. Macht­tak­tisch ist es aber wohl bes­ser, die­se Richter*innen in ihrer Posi­ti­on zu belas­sen und eine jun­ge Juris­tin zur Minis­te­rin zu machen. Ich habe des­halb Baro Gab­bert ange­fragt. Sie ist SEHR GUT. Zumin­dest hat sie auf dem Kli­ma­mon­tag den Ent­scheid des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts sehr gut erklärt.

Die Jura­stu­den­tin und Kli­ma­ak­ti­vis­tin Baro Gab­bert erklärt die Bedeu­tung des Ent­scheids des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum Kli­ma­schutz, Kli­ma­mon­tag, Ber­lin, Alex­an­der­platz, 03.05.2021, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Lei­der ist sie noch nicht fer­tig mit dem Stu­di­um. Es gibt zwar vie­le unfer­ti­ge Politiker*innen, aber für das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um … sie­he oben. Die Zwi­schen­zeit, bis sie fer­tig ist, wür­den wir irgend­wie über­brü­cken. Ich wür­de alle Ver­fah­ren gegen Klimaaktivist*innen sofort ein­stel­len las­sen (Was? Die Gerich­te sind unab­hän­gig? Mist. Na, hat ja irgend­wie auch sein Gutes. Bis zur Wahl haben die Gerich­te das dann hof­fent­lich ohne­hin schon gemacht, denn das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat ja ent­schie­den, dass das Han­deln der bis­he­ri­gen Regie­rung nicht ver­fas­sungs­ge­recht ist.) und außer­dem wür­de ich eine Gene­ral­am­nes­tie für Schwarzfahrer*innen anord­nen. Die­je­ni­gen, die die Ein­wei­sung mit­tel­lo­ser Men­schen wegen Schwarz­fah­rens in Gefäng­nis­se zu ver­ant­wor­ten haben, gehö­ren vor Gericht. Ehm. Sol­che Maß­nah­men sind in jedem Fall sinn­los, denn die betrof­fe­nen Men­schen haben ein­fach kein Geld, die Stra­fen zu bezah­len und der Gefäng­nis­auf­ent­halt kommt die Steuerzahler*innen viel teu­rer als die Ein­nah­men, die man mit Fahr­kar­ten erzie­len könn­te. Zu Ersatz­zeit­stra­fen sie­he das Inter­view mit Reh­zi Mal­zahn in der taz). Das Pro­blem wird sich aber ohne­hin schnell lösen, denn wir wer­den den kos­ten­frei­en Nah­ver­kehr ein­füh­ren. In Ber­lin ist die Benut­zung des ÖPNV für Schüler*innen bereits kos­ten­los und man könn­te das als ers­ten Schritt auf die sozi­al Schwa­chen ausdehnen. 

PS: Eigent­lich müss­te Dr. Dr. habil Felix Eckard Jus­tiz­mi­nis­ter wer­den, denn er hat mit sei­ner Habi­li­ta­ti­ons­schrft die Grund­la­ge für die Kli­ma­kla­ge geschaf­fen und war einer der Kläger*innen. Aber er ist kei­ne Frau, aus dem Wes­ten und der eigent­li­che Grund ist, dass ich kein Foto von ihm habe. Tja, was für komish­ce Details manch­mal Kar­rie­ren beinflussen. 

Minister für Wiederaufbau West und Integration

Prof. Dr. Stef­fen Mau (ange­fragt) ist Sozio­lo­ge an der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät. Er ist Ossi und kennt sich sehr gut mit den Trans­for­ma­tio­nen von Gesell­schaf­ten aus (sehr zu emp­feh­len ist sein Buch Lüt­ten Klein über den Osten in der Zeit nach der Wen­de). Wir ste­hen vor enor­men Her­aus­for­de­run­gen mit dem anste­hen­den Wie­der­auf­bau des Wes­tens, also ins­be­son­de­re Bay­erns, das von der csU sys­te­ma­tisch her­un­ter­ge­wirt­schaf­tet wur­de. Ich habe bereits in Auf­bau West dar­über geschrie­ben. Außer­dem hat er sich in Lüt­ten Klein auch mit Eli­ten beschäf­tigt und da das E in Die PARTEI für Eli­ten­för­derng steht, ist er der Rich­ti­ge für mein neu­es Kabinett.

Wir wer­den ein paar Ost-Halo­dris die maro­den Fir­men, die durch gna­den­lo­se Markt­wirt­schaft und Pro­fit­gier („Jeder Tag, an dem wir Ver­bren­ner ver­kau­fen, ist ein guter Tag!“) jetzt nicht mehr umwelt­kom­pa­tibl und wett­be­werbs­fä­hig sind, für drei Euro auf­kau­fen und dann schlie­ßen las­sen. Das betrifft ins­be­son­de­re die Auto­in­dus­trie. Was Arbeits­plät­ze? Das hat vor 30 Jah­ren auch nie­man­den inter­es­siert. Wer’s nicht glaubt, möge sich die Doku­men­ta­ti­on über die Treu­hand ansehen: 

Histo­ry repea­ting. Aber es gibt einen klei­nen Unter­schied: Mei­ne Regie­rung wird kei­ne Busch­zu­la­ge zah­len. Denn die Ossis sind längst vor Ort. Sie sind unter Euch und Ihr wisst es viel­leicht noch nicht ein­mal (Stef­fen Mau. 2020. Lüt­ten Klein, S. 190–194).

„Allein 1989 und 1990 ver­lor das klei­ne Ost­deutsch­land jähr­lich fast 400 ooo Ein­woh­ner. Danach ging die Zahl der Abwand­c­rer zunächst etwas zurück, Anfang der null­cr Jah­re stieg sie erneut deut­lich an. Von 1991 bis 2013 ver­lie­ßen ins­ge­samt fast 1,8 Mil­lio­nen Men­schen Ost­deutsch­land, mehr als zehn Pro­zent der Bevölkerung.“ Stef­fen Mau, Lüt­ten Klein, S. 191

Wie, Ihr hat­tet Euch Euer Leben bis zur Ren­te anders vor­ge­stellt? Ihr müsst noch Euer Haus abbe­zah­len und Eure Frau hat nie woan­ders gear­bei­tet als in Eurem Haus­halt? Seid Ihr denn über­haupt nicht fle­xi­bel? Es gibt lei­der kei­ne Alter­na­ti­ven zum Grü­nen Schrump­fen. Redet mal mit der zukünf­ti­gen Wirt­schafts­mi­nis­te­rin. Ulri­ke Herr­mann hat von vie­len neu­en Jobs gespro­chen, die ent­ste­hen wer­den. Zum Bei­spiel ist eine nach­hal­ti­ge Land­wirt­schaft sehr arbeits­in­ten­siv. Da könn­ten dann die­je­ni­gen Arbeiter*innen arbei­ten, die nicht mehr für die Her­stel­lung der Bus­se, Bah­nen und der weni­gen auto­nom fah­ren­den Fahr­zeu­ge gebraucht wer­den (und deren Frau­en auch). Also, sucht Euch da schö­ne Jobs aus und hört auf zu jam­mern, Ihr Jammer-Wessis!

Die Fami­lie Quandt wird ent­eig­net. Das beschlag­nahm­te Ver­mö­gen (Susan­ne Klat­ten: 21 Mil­li­ar­den, Ste­fan Quandt: 15,15 Mil­li­ar­den) wird für die Repa­ra­tur von Umwelt­schä­den, den Rück­bau nicht mehr benö­tig­ter Auto­bah­nen und die Wie­der­auf­fors­tung des Dan­nen­rö­der Wal­des ver­wen­det. Ach, ich hab’ heu­te gute Lau­ne. Las­sen wir den bei­den mal eine Mil­li­ar­de 100 Mil­lio­nen. Ich kann schon sehen, wie sie sich über die Ver­tei­lung strei­ten wer­den. Das tut mir leid.6

Rei­chen die­se Vor­schlä­ge jetzt eigent­lich für eine Beob­ach­tung durch den Ver­fas­sungs­schutz aus? Ver­fas­sungs­schutz ist auch The­ma im nächs­ten Abschnitt.

Minister des Innern

Für das Innen­mi­nis­te­ri­um möch­te ich unbe­dingt ein*en Hausbesetzer*in. Lei­der muss sich Prof. Dr. Stef­fen Mau schon um den Auf­bau West küm­mern (zur Haus­be­set­zung sie­he Lüt­ten Klein, S. 131). Die­se Arbeit wird ihn kom­plett aus­fül­len, so dass er für das Innen­mi­nis­te­ri­um nicht in Fra­ge kommt. Aber ich habe auch zwei Woh­nun­gen besetzt (nach­ein­an­der). Sep­tem­ber 1989. Das war damals so. Politiker*innen bzw. von Uni­ver­si­tä­ten ein­ge­setz­te Kom­mis­sio­nen argu­men­tie­ren in Pla­gi­ats­ver­fah­ren oft, dass ihre Arbeit den dama­li­gen Stan­dards ent­spro­chen habe. Das ist natür­lich frag­wür­dig. Bei uns war das aber wirk­lich der Fall: Die Kom­mu­na­le Woh­nungs­ver­wal­tung (KWV) hat­te einen Was­ser­scha­den und kom­plett den Über­blick ver­lo­ren, wer in wel­cher Woh­nung leb­te und wel­che über­haupt belegt war. Die ers­te besetz­te Woh­nung hat­te 11 Mona­te leer gestan­den und eine KWV-Mit­ar­bei­te­rin hat mir den Schlüs­sel zur Besich­ti­gung geborgt, mich gebe­ten, danach wie­der gut zuzu­schlie­ßen und mir das Kon­to mit­ge­teilt, auf das ich die Mie­te über­wei­sen kön­ne. Ich habe dort schon zwei Wochen gewohnt, Mie­te bezahlt und bin dann zur KWV, die fand das nicht lus­tig und irgend­wann klin­gel­te dann eine Frau mit klei­nem Baby auf dem Arm an mei­ner Tür. Mit einer Woh­nungs­zu­wei­sung. Ich bin frei­wil­lig aus­ge­zo­gen. In mei­ne zwei­te besetz­te Woh­nung. Ich habe der KWV 21 leer­ste­hen­de Woh­nun­gen gemel­det, die in der ich wohn­te ein­ge­schlos­sen. Sie sag­ten mir, ich kön­ne die­se nicht haben, denn da woh­ne jemand drin (das war natür­lich ich, Eigen­tor), aber irgend­wann gaben sie mir die zwei Stock­wer­ke tie­fer. Ein fins­te­res Loch im zwei­ten Hin­ter­hof. In die Woh­nung oben zog dann ein Freund ein. Ansons­ten ken­ne ich nur noch einen Haus­be­set­zer näher, aber der ist schon im Bun­des­tag. Es ist wich­tig, dass der unab­hän­gig von der Regie­rung bleibt, da er die Regie­rungs­fä­hig­keit sichern muss, denn neben den 299 Direkt­man­da­ten brau­chen wir noch ein Man­dat für die Mehr­heit (sie­he aber Fuß­no­te 1). Da ich sonst kei­nen weitere*n Hausbesetzer*in gut genug ken­ne, bleibt mir nichts wei­ter übrig, als das Minis­te­ri­um selbst zu über­neh­men. Auf der Lan­des­ebe­ne wird das mit­un­ter gemacht, aber auf Bun­des­ebe­ne? Ach was, wird schon.

Polizei

Als ers­tes wür­de ich dafür sor­gen, dass die Quer­schwur­be­ler und Cor­na-Nazis nicht nur leicht bereg­net wer­den, son­der gründ­lich geduscht. So mit Auge raus und so. Die Poli­zei kann das. Nein! Ich bin gegen Gewalt. Aber zum Glück hat sich das mit den Quer­schwur­b­lern ja nach der Wahl erle­digt, weil Coro­na dann vor­bei ist. Die Wahl­par­ties wer­den gigantisch!

Ansons­ten fin­de ich es ok, wenn die Poli­zei auf­passt und wenn das Kräf­te­ver­hält­nis acht zu eins ist, geht das schon in Ordnung.

Gutes Betreu­e­ungs­ver­hält­nis bei der Ber­li­ner Poli­zei: 8:1 bei der Rebel­li­on of One, einer Stra­ßen­blo­cka­de durch Extinc­tion Rebel­li­on. Ber­lin, Fried­richs­hain, 27.03.2021, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Was nicht in Ord­nung ist, sind die Quarz­sand­hand­schu­he der Prü­gel­po­li­zis­ten. Die sind nicht nur fies, son­dern auch ille­gal. Ich wür­de als ers­te Amts­hand­lung alle Ein­hei­ten per­sön­lich inspi­zie­ren und die Quarz­sand­hand­schu­he beschlag­na­men. Ich höre sie schon sagen: „Ih, sol­len wir das Pack jetzt mit blo­ßen Hän­den anfas­sen?“ Nein, natür­lich nicht. Prü­gel­po­li­zis­ten wür­den kos­ten­los blaue Hand­schu­he bekom­men, wie sie Rei­ni­gungs­kräf­te ver­wen­den. Die­se wür­den auch sehr gut zu den neu­en Uni­for­men passen.

Ich war in Ber­lin bei meh­re­ren Poli­zei­ein­sät­zen dabei und die Polizist*innen waren immer sehr freund­lich und haben mich als Mensch mit Kame­ra auch gut behan­delt und fast nicht ein­ge­schränkt. Mit den Aktivist*innen haben sie auf Augen­hö­he gesprochen:

Die Poli­zei dis­ku­tiert auf Augen­hö­he. Rebell von Extinc­tion Rebel­li­on blo­ckiert Stra­ße. Ber­lin, 27.03.2021, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Mit­un­ter durf­ten die Aktivist*innen ein biss­chen im Bus mit­fah­ren, aber meis­tens waren sie nach der Fest­stel­lung der Per­so­na­li­en wie­der frei.

Klet­te­rer von Am Boden blei­ben, die sich von einem Gebäu­de abge­seilt haben, um die Flug­ha­fe­n­er­öff­nung zu stö­ren und auf Kli­ma­pro­ble­me hin­zu­wei­sen, wur­de ver­haf­tet und in einen Gefan­ge­nen­trans­por­ter gesperrt. Ber­lin, 31.10.2020, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY
Rebell von Extinc­tion Rebel­li­on wird nach Fest­stel­lung der Per­so­na­li­en ent­las­sen. Ber­lin, 27.03.2021

Bei allem, was ich erlebt habe, war die Ber­li­ner Poli­zei pro­fes­sio­nell und freund­lich. Bei der Blo­cka­de des Ber­li­ner Regie­rungs­vier­tels war sie sogar regel­recht gut gelaunt. Das lag wohl dar­an, dass sie die Rebell*innen auf Floo­r­boards durch die Gegend rol­lern konn­ten, statt drei­ßig, vier­zig Leu­te weg­tra­gen zu müs­sen.7

Rebel­li­on wave: Tag 3, Poli­zei räumt Blo­cka­de des Regie­rungs­vier­tels. Ber­lin, Yitz­hak-Rabin-Stra­ße/­Schei­de­mann­stra­ße, 07.10.2020

Ha, ha. Bus fah­ren und Floar­boards, lus­tig, oder? Nein, lei­der ist das nicht lus­tig, denn sich weg­tra­gen las­sen ist nicht ein­fach und mit­un­ter ist die Poli­zei umwer­fend, aber nicht in Bezug auf Freundlichkeit.

Die Bil­der zei­gen einen Klet­te­rer von Am Boden Blei­ben bei der Blo­cka­de der BER-Eröff­nung. Sie wur­den mit einem extre­men Tele von einer ange­mel­de­ten Mahn­wa­che gegen­über auf­ge­nom­men. (Bild: Ste­fan Mül­ler CC-BY)

Auch in den Tage­bau­en und im Dan­nen­rö­der Forst ging es hart zur Sache. Wenn ich Kanz­ler bin, wer­den Aktio­nen zivi­len Unge­hor­sams in Flug­hä­fen, Tage­bau­en und Wäl­dern zum Glück nicht mehr nötig sein. Aber auch bei Quer­schwur­bel-Nazi-Demos ver­hält sich die Poli­zei oft nicht ange­mes­sen. Fahr­rä­der der Gegendemonstrant*innen wer­den zer­stört, Pressemitarbeiter*innen behin­dert und teil­wei­se sogar aggres­siv ange­gan­gen. Das hat schon zu einer Her­ab­stu­fung Deutsch­lands im Ran­king der Pres­se­frei­heit von „gut“ zu „zufrie­den­stel­lend“ geführt (taz, 20.04.2021).

Ich habe über Stu­di­en gele­sen, in denen gezeigt wur­de, dass die Gewalt in Gefäng­nis­sen abnimmt, wenn die Insass*innen rosa Anstalts­klei­dung tra­gen müs­sen. Die­se wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se wer­de ich auf die Poli­zei über­tra­gen. Die neu­en Uni­for­men wer­den rosa sein. Das hat auch den Vor­teil, dass man sie nachts bes­ser sieht und die Gefahr von Zusam­men­stö­ßen damit ver­rin­gert wird. Nehmt Euch in acht vor rosa Polizist*innen mit blau­en Klohand­schu­hen: Das sind die, die vor­her die Quarz­sand­hand­schu­he hatten.

Lei­der sind damit noch nicht alle Pro­ble­me gelöst: Auch wenn Coro­na vor­bei ist und die Schwur­be­ler nichts mehr zu schwur­beln haben, sind die Nazis noch da. Man müss­te sie also irgend­wie dazu zwin­gen, dass sie auch rosa Sachen anziehen.

Damit wäre das Pro­blem der gewalt­be­rei­ten Nazis von staat­li­cher Sei­te gelöst und die Anti­fa müss­te das nicht mehr sel­ber machen.

„Egal, wo ihr auf­taucht, wir sind zuerst da“ Aler­ta, aler­ta, anti­fa­scis­ta. ZSK, Peop­le Like You Records, 2013

Sie könn­te sich dann ande­ren Din­gen, wie zum Bei­spiel den nicht gewalt­be­rei­ten Nazis und der poli­ti­schen Auf­klä­rung widmen. 

Verfassungsschutz

Als Bun­des­in­nen­mi­nis­ter bin ich nicht nur für die Poli­zei, son­dern auch für den Ver­fas­sungs­schutz zustän­dig. Mar­tin Son­ne­born hat­te ja ver­sucht, eine Beob­ach­tung der Par­tei Die PARTEI durch den Ver­fas­sungs­schutz zu errei­chen, was ihm lei­der nicht gelun­gen ist (taz, 27.01.2012). Ich habe das­sel­be Ziel für mich per­sön­lich, denn dadurch wür­de die Zahl der Leser*innen die­ses Blogs mas­siv anstei­gen. Sie wür­de sich ver­dop­peln: Außer mei­nem Bru­der8 wür­de dann noch die Dame vom Amt mit­le­sen. Die Lin­ke will den Ver­fas­sungs­schutz ja ein­fach auf­lö­sen (taz, 10.04.2021). Das ist kein so schlech­ter Gedan­ke, da ich ja mit mei­nen bei­den Funk­tio­nen eh zu viel zu tun haben wer­de. Das ist natür­lich in unse­rer Gesell­schaft von Work­aho­lics ein schwer ver­mit­tel­ba­rer Grund, aber es gibt noch vie­le ande­re SEHR GUTE Grün­de. Der Ver­fas­sungschutz war bei den NSU-Mor­den live dabei (taz, 03.04.2017) und der vori­ge Prä­si­dent Hans Georg Maaßen konn­te selbst unter Zuhil­fe­nah­me bei­der Augen kei­ne Hetz­jag­den auf den Vide­os aus Chemitz erken­nen (sie­he auch Soll die Mau­er wie­der auf­ge­baut wer­den zum Hase-Du-bleibst-hier-Video). Selbst See­hofer konn­te ihn irgend­wann nicht mehr hal­ten und wir haben jetzt einen bes­se­ren. Nor­ma­ler­wei­se weiß man nicht so genau, was Ver­fas­sungs­schutz­prä­si­den­ten so den­ken, aber vom vori­gen wis­sen wir es inzwi­schen sehr gut. Er teilt Posts von rechts­ex­tre­men Sei­ten und ver­wen­det anti­se­mi­ti­sche Codes (sie­he oben bzw. Quel­len unten). Als Jurist und ehe­ma­li­ger Ver­fas­sugs­schutz­prä­si­dent soll­te er wis­sen, was er tut.

Also, wenn ich den Ver­fas­sungs­schutz nicht wegen Über­las­tung auf­lö­se (also mei­ner, nicht sei­ner), wer­de ich sehr inten­si­ve Gesprä­che mit der ein­zu­set­zen­den Prä­si­den­tin und den Abteilungsleiter*innen eine Eta­ge drun­ter füh­ren. Da sie mich dann nicht mehr beob­ach­ten wer­den, sind Kapa­zi­tä­ten frei, die man für die Beob­ach­tung von Hans-Georg Maaßen ein­set­zen könnte.

Ministerin für Migration

Minis­te­rin für Migra­ti­on wird Caro­la Racke­te (ange­fragt). Sie ist SEHR GUT und SEHR MUTIG. Eigent­lich gehört die­ser Auf­ga­ben­be­reich zu den Auf­ga­ben des Innen­mi­nis­te­ri­ums, aber da ich mir das auf­ge­bür­det habe und da Migra­ti­on eine der Haupt­fra­gen sein wird, die auch im Zusam­men­hang mit der Kli­ma­kri­se zu bewäl­ti­gen ist, möch­te ich die­sen Bereich nicht auch noch übernehmen.

Caro­la Racke­te beim Gespräch der Hun­ger­strei­ken­den vom Auf­stand der Letz­ten Genera­ti­on mit Olaf Scholz, Ber­lin, Fried­rich-Ebert-Stif­tung, 12.11.2021, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Caro­la Racke­te hat als Kapi­tä­nin der Sea Watch‑3 Flücht­lin­ge im Mit­tel­meer geret­tet, so wie es gel­ten­des See­nots­recht vor­sieht. Sie ist dann in Itia­li­en in einen Hafen ein­ge­lau­fen, obwohl Ita­li­en das ver­hin­dern woll­te. Gerichts­ver­fah­ren gegen sie wur­den eingestellt.

Ihr Enga­ge­ment für Flücht­lin­ge unter­schei­det sie recht stark vom der­zei­ti­gen Innen­mi­nis­ter Horst See­hofer (csU), der stolz dar­auf war, dass an sei­nem 69ten Geburts­tag 69 Asylbewerber*innen nach Afgha­ni­stan abge­scho­ben wur­den (taz, 14.05.2021). Das poli­ti­sche Chris­ten­tum hat zwar eine C im Namen, ist aber vom Chris­ten­tum wahr­schein­lich genau­so weit ent­fernt wie der so genann­te „poli­ti­sche Islam“ vom Islam. Das C hat sich jeden­falls schon lan­ge von der Uni­on getrennt und geis­tert jetzt allein herum.

Das C hat sich vom DU getrennt und hält jetzt Reden. Hier bei der Demo #Neu­start­Kli­ma von Fri­days­For­Fu­ture, Ber­lin, Bran­den­bur­ger Tor, Ber­lin, 29.11.2019. Akti­on Green­peace, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Auf der Unteil­bar-Demo gab es ein Pla­kat mit der Auf­schrift „See­hofer ins Meer!“.

„See­hofer ins Meer“ For­de­rung bei der Unteil­bar-Demo zum Abschluss der Kund­ge­bung, Ber­lin, 13.10.2018, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Eine ver­län­ger­te Schwimm­stun­de oder ein­fach eine Fahrt im Schlauch­boot auf dem Mit­tel­meer wür­de sicher bei man­chem Hard­li­ner hilf­reich sein, aber irgend­wie ist das nicht mein Poli­tik­stil (sie­he Auf­rüs­tung oder Abrüs­tung?). In Aner­ken­nung sei­ner beson­de­ren Leis­tun­gen wür­den mei­ne Migra­ti­ons­mi­nis­te­rin und ich statt­des­sen See­hofer ab Sep­tem­ber zu jedem sei­ner Geburts­ta­ge eine ent­spre­chen­de Anzahl auf­ge­nom­me­ne Flücht­lin­ge und ange­nom­me­ne Asyl­an­trä­ge schen­ken. Zum 70ten 70 auf­ge­nom­me­ne Flücht­lin­ge und 70 akzep­tier­te Asyl­an­trä­ge, zum 71ten dann 71, … zum 100ten dann 100, usw. Bis See­hofer end­gül­tig abtritt. 

Caro­la Racke­te hat für Green­peace gear­bei­tet und ist Unter­stüt­ze­rin von Extinc­tion Rebel­li­on. Sie kennt sich in Fra­gen der Kli­ma­kri­se bes­tens aus. Wie ich auch in Denn sie wis­sen nicht, was sie tun dar­ge­legt habe, wer­den in bestimm­ten Sze­na­ri­en zum wei­te­ren Ver­lauf der Kli­ma­kri­se gro­ße Tei­le der Erde unbe­wohn­bar, weil an über 100 Tagen im Jahr die Tem­pe­ra­tu­ren zu hoch sind (Spratt & Dun­lop. 2019). 2 Mil­lar­den Men­schen sind von Dür­ren bedroht (WRI-Stu­die zu Was­ser­knapp­heit: 17 Staa­ten droht Ver­wüs­tung). Es ist klar, dass die Län­der das glo­ba­len Nor­dens nicht 2 Mil­lar­den Men­schen auf­neh­men wer­den. Des­halb müs­sen wir jetzt dafür sor­gen, dass die­se Men­schen dort leben kön­nen, wo sie leben wol­len, näm­lich dort, wo sie jetzt woh­nen bzw. im Nachbarort.

Ich habe das Gefühl, dass Die gol­de­nen Zitro­nen das alles irgend­wie schon mal bes­ser gesagt haben. Auf More than a Fee­ling. Also hier: Sag’s mit Musik:

„Baut doch eine Mau­er queer übers Meer.“ Die gol­de­nen Zitro­nen, More Than a Fee­ling ℗ 2019 Buback Ton­trä­ger GmbH

Ministerin für Landwirtschaft

Mela­nie Mai, Spre­che­rin von Ani­mal Rebel­li­on, (ange­fragt) wird Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin. Sie ist SEHR AKTIV. Ihre Auf­ga­be ist es, sich kon­se­quent für das Tier­wohl ein­zu­set­zen und dafür, dass Getrei­de über­wie­gend direkt für Ernäh­rung und nicht als Tier­fut­ter ein­ge­setzt wird.

Mela­nie Mai bei der Blo­cka­de des Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums durch Ani­mal Rebel­li­on wäh­rend der Rebel­li­on Wave im Okto­ber 2020. Sie streamt von außer­halb der Poli­zei­ab­sper­rung, Ber­lin, 05.10.2020, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Zusammenfassung

Das ist eine run­de Sache! Somit haben wir eine zukunfts­fä­hi­ge Regie­rung. Sie ist der Bevöl­ke­rungs­struk­tur ent­spre­chend zusam­men­ge­setzt und mit fünf Ossis sind so vie­le wie noch nie in der Regie­rung ver­tre­ten. Und es ist die ers­te Bun­des­re­gie­rung über­haupt mit eine*m in Ost­deutsch­land gebo­re­nen Kanzler*in. .… Ha, got you. You did not know that Ange­la Mer­kel was born in Ham­burg. Stimmt’s? Und Dank mei­ner Toch­ter stimmt auch das Durch­schnitts­al­ter einigermaßen.

Das per­fek­te Team! Wir wer­den fröh­lich regie­ren bis ans Ende unse­rer Tage. Halt, nee. Ich habe einen Feh­ler gemacht: Ich habe den Poli­tik­ko­dex der Plattform.PRO unter­schrie­ben (sie­he Trans­pa­renz, Nach­hal­tig­keit und der Poli­tik­ko­dex). Mist! Die­ser sieht vor, dass man höchs­tens drei Legis­la­tur­pe­ri­oden im Bun­des­tag sein darf. Ärger­lich. Na, mal sehen. Putin hat ja ein ähn­li­ches Pro­blem auch irgend­wie gelöst. Und wenn nicht, machen wir dann eben Platz für die Pro­fis von morgen.

Pro­fi von mor­gen auf Fri­days For Future Demons­tra­ti­on in Ber­lin, Kom­men­tar zu Chris­ti­an Lind­ners Rat­schlag, die Fri­days soll­ten das mit der Kli­ma­po­li­tik doch den Pro­fis über­las­sen, 15.03.2019, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Wenn Ihr das alles so wollt und in Erlan­gen/Er­lan­gen-Höch­stadt wohnt, wählt Ste­fan Mül­ler. Und für alle: Wählt nie­mals cdU/csU!

Und wenn ich Visio­nen habe, bespre­che ich sie mit dem zukünf­ti­gen Gesund­heits­mi­nis­ter Dr. Hen­ning Tho­le. (falls er das Amt annimmt, sonst bespre­che ich sie mit Dr. Hen­ning Thole)

Sag’s mit Musik

Sag’s mit Musik heu­te mit den Gol­de­nen Zitro­nen: Was sie sin­gen, trifft auch auf die­ses Kabi­nett zu: „Die­se Leu­te sind ehr­lich! Und somit sind sie gefährlich!“

Die Gol­de­nen Zitro­nen: „Die­se Men­schen sind ehr­lich“. Das Biss­chen Tot­schlag, Sub Up Records, 1994

Quellen

afp. 2019. WRI-Stu­die zu Was­ser­knapp­heit: 17 Staa­ten droht Ver­wüs­tung. Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung. (https://www.faz.net/aktuell/wissen/wasserknappheit-und-trockenheit-17-staaten-droht-verwuestung-16320363.html?GEPC=s3)

dpa. 2012. Aggres­si­ve Insas­sen: Gefäng­nis­zel­len wer­den rosa. Han­dels­blatt. (https://www.handelsblatt.com/arts_und_style/aus-aller-welt/aggressive-insassen-gefaengniszellen-werden-rosa/6239372.html)

Göpel, Maja. 2020. Unse­re Welt neu den­ken: Eine Ein­la­dung. Ber­lin: Ull­stein Verlag.

Herr­mann, Ulri­ke. 2021. Wahl­pro­gramm der SPD: Kein Plan, nir­gends. taz. Ber­lin. (https://taz.de/Wahlprogramm-der-SPD/!5766417)

Hues­mann, Felix & Stern­berg, Jan. 2021. Ver­brei­tet Hans-Georg Maaßen anti­se­mi­ti­sche Inhal­te? Das ist an dem Vor­wurf dran. RND Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land. (https://www.rnd.de/politik/luisa-neubauer-gegen-hans-georg-maassen-was-ist-an-dem-antisemitismus-vorwurf-dran-3LRKI2EAKZAONMNGHRPEPKY6JU.html)

Jakob, Chris­ti­an. 2021. Deut­sche Flücht­lings­po­li­tik: Prak­tisch im Stich gelas­sen. taz. Ber­lin. (https://taz.de/Deutsche-Fluechtlingspolitik/!5767355)

Litsch­ko, Kon­rad. 2017. Neu­es Gut­ach­ten zu NSU-Mord. taz. Ber­lin. (https://taz.de/Archiv-Suche/!5397496/)

Mau, Stef­fen. 2020. Lüt­ten Klein: Leben in der ost­deut­schen Trans­for­ma­ti­ons­ge­sell­schaft (Schrif­ten­rei­he 10490). Bonn: Zen­tra­le für Poli­ti­sche Bil­dung. (https://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/303713/luetten-klein)

Mau­rin, Jost. 2021. Agrar­mi­nis­te­rin biegt Fak­ten zurecht: Klöck­ners Des­in­for­ma­ti­on. taz. Ber­lin, https://taz.de/Agrarministerin-biegt-Fakten-zurecht/!5762088.

May­er-Rüth, Oli­ver. 2020. Tür­kei errich­tet Mau­er: Ein Boll­werk an der Gren­ze zum Iran. tages­schau. (https://www.tagesschau.de/ausland/asien/tuerkei-iran-mauer-101.html)

Mül­ler, Wolf­gang. 1998. BLUE TIT – das deutsch-islän­di­sche Blau­mei­sen­buch – Þýsk-íslensk blá­meis­a­bók, Ber­lin: Ver­lag Mar­tin Schmitz.

Mül­ler, Wolf­gang. 2007. Neu­es von der Elfen­front – Die Wahr­heit über Island. Frankfurt/Main: edi­ti­on suhrkamp.

Mül­ler, Wolf­gang. 2014. Sub­kul­tur West­ber­lin 1979–1989. Frei­zeit. 4. Auf­la­ge. Ham­burg: Phi­lo Fine Arts.

San­y­al, Mit­hu. 2019. Zukunfts­vi­si­on für Deutsch­land: Welt ohne Gefäng­nis­se. taz. Ber­lin. (https://taz.de/Zukunftsvision-fuer-Deutschland/!5641422)

Speit, Andre­as. 2021. Beob­ach­tung durch den Ver­fas­sungs­schutz: Geheim­dienst späht Lin­ke aus. taz. Ber­lin. (https://taz.de/Beobachtung-durch-den-Verfassungsschutz/!5760341)

Spratt, David & Dun­lop, Ian. 2019. Exis­ten­ti­al cli­ma­te-rela­ted secu­ri­ty risk: A sce­n­a­rio approach. Mel­bourne, Aus­tra­lia: Bre­akthrough — Natio­nal Cent­re for Cli­ma­te Res­to­ra­ti­on. (https://www.preventionweb.net/publications/view/65812) (Acces­sed April 4, 2021.)

Stern­berg, Jan. 2021. Anti­se­mi­tis­mus­for­scher über Maaßen: „Er weiß, wo er da unter­wegs ist“. RND Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land. (https://www.rnd.de/politik/hans-georg-maassen-antisemitismusforscher-gibt-luisa-neubauer-recht-JD7QAKY7RNFO7OPDKI2FLJ6DU4.html)

taz. 2012. Hal­lo, Ver­fas­sungs­schutz! Über­wacht uns auch! 2012. taz. Ber­lin. (https://taz.de/!5102092/)

Zing­her, Eri­ca. 2021. Pres­se­frei­heit in Deutsch­land: Behör­den haben ver­sagt. taz. Ber­lin. (https://taz.de/Pressefreiheit-in-Deutschland/!5762239)

Soll sie der Blitz … Filz bei der Union

In Sie wis­sen nicht, was sie tun habe ich schon lang und breit über die jüngs­ten Kor­rup­ti­ons­fäl­le in der cdU/csU geschrie­ben. Lei­der (oder zum Glück) hören die Mel­dun­gen über Kor­rup­ti­ons­fäl­le und pro­ble­ma­ti­sche Ver­flech­tun­gen nicht auf.

Jens Spahn: Villa und Hartz IV

Spenden & Corona

Spahn hat sich am 20.10.2020 in Leip­zig mit einem Dut­zend Spen­dern getrof­fen, die ins­ge­samt 119.988€ an die CDU bezahlt haben. Für die Teil­nah­me am Essen wur­de eine Spen­de von 9.999€ erwar­tet. Bei 10.000€ liegt die Gren­ze, ab der die Namen der Spender*innen ver­öf­fent­licht wer­den müs­sen. Alles kom­plett legal. 

Komisch aber: Coro­na & Par­ty. Und Gesun­heits­mi­nis­ter. Hm? Damals war die zwei­te Wel­le am Rol­len und Spahn wur­de einen Tag spä­ter posi­tiv getes­tet. (taz, 05.04.2021)

Der MDR zitiert Spahn vom Tag vor sei­ner pri­va­ten Dinnerparty:

„Wir wis­sen vor allem, wo es die Haupt­an­ste­ckungs­punk­te gibt. Näm­lich beim Fei­ern, beim gesel­lig sein, zuhau­se, pri­vat.“ Jens Spahn am Tag vor einer pri­va­ten Din­ner­par­ty in Leipzig

MDR, 03.03.2021: Spahn bei Spen­den­din­ner in Leipzig

Filz & Immobilien

Jens Spahn hat eine Vil­la mit sie­ben Zim­mern und 515 m2 Wohn- und Nutz­flä­che für 4,125 Mil­lio­nen Euro gekauft. Kann man ja machen außer, na ja, die Umwelt­aspek­te. Dazu sie­he unten. Aber ansons­ten ist es ja die Pri­vat­sa­che von Men­schen, was sie mit ihrem hart ver­dien­ten Geld machen. Oder? Wie? Er hat­te das Geld gar nicht und hat es sich geborgt? Aber das ist doch auch OK. Dafür gibt es ja die Ban­ken. Sie prü­fen die Kre­dit­wür­dig­keit von Per­so­nen und ver­ge­ben dann Kre­di­te. Wenn es eine Aus­sicht auf Rück­zah­lung gibt, dann kriegt man – ent­spre­chen­de Eigen­be­tei­li­gung vor­aus­ge­setzt – einen Kre­dit. Aber wie war das bei Spahn?

Seit 2015 hat sich Spahn – teil­wei­se gemein­sam mit sei­nem Ehe­mann – bei der Spar­kas­se West­müns­ter­land 5,5 Mil­lio­nen Euro gelie­hen. Zählt man den Anteil der stets an den Kre­di­ten betei­lig­ten Pro­vin­zi­al-Ver­si­che­rung dazu, kommt man auf eine Dar­le­hens­sum­me von ins­ge­samt 6,35 Mil­lio­nen Euro. Bis Juli 2015 saß Jens Spahn selbst im Ver­wal­tungs­rat der Spar­kas­se West­müns­ter­land, einem Gre­mi­um, das die Geschäf­te der Bank überwacht.

Die Zeit 05.05.2021: Jens Spahn: Der Minis­ter und die Mil­lio­nen.

Ups. Der kur­ze Dienst­weg sozu­sa­gen. Die Zeit drö­selt das noch wei­ter auf. Spahn hat gemein­sam mit sei­nem Mann meh­re­re Woh­nun­gen gekauft und Kre­di­te über den gesam­ten Wert bekom­men. Das funk­tio­niert super, denn die Mie­ter bezah­len den Kre­dit ab. Die Bank muss das nur auch glau­ben und sich sicher sein, dass der Kre­dit zurück gezahlt wird. Schon mal als Frei­schaf­fen­der einen Kre­dit bekom­men? Ist nicht so leicht. Es hilft aber natür­lich, wenn man schon ein paar Woh­nun­gen hat. Oder eben Minis­ter ist. Oder mit den Vor­stän­den der Bank im sel­ben Bud­del­kas­ten gespielt hat.

Spahn hat die­se Bezie­hun­gen, auch nach sei­nem Aus­schei­den aus dem Ver­wal­tungs­rat der Bank. Sein Nach­fol­ger dort heißt Mar­kus Jasper, er war Spahns per­sön­li­cher Refe­rent und ist heu­te Geschäfts­füh­rer der CDU im Kreis Bor­ken. Und der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de des Ver­wal­tungs­rats der Spar­kas­se West­müns­ter­land heißt Kai Zwi­cker, er ist ein lang­jäh­ri­ger Par­tei­freund Spahns und der Bor­ke­ner Landrat.

Wer mit Mit­glie­dern der CDU und ande­rer Par­tei­en im West­müns­ter­land spricht, hört immer die­sel­be Geschich­te: wie Spahn, Jasper und Zwi­cker sich seit ihrer gemein­sa­men Zeit bei der Jun­gen Uni­on gegen­sei­tig unter­stüt­zen. Ver­bin­dun­gen, die bis heu­te halten.

Die Zeit 05.05.2021: Jens Spahn: Der Minis­ter und die Mil­lio­nen.

Auch die Per­so­nen, von denen Spahn die Immo­bi­lein gekauft hat, sind inter­es­sant: Einem von ihnen, dem Ex-Phar­ma-Mana­ger Mar­kus Leyck Die­ken, hat Spahn eine Posi­ti­on ver­schafft und das Fest­ge­halt für die Posi­ti­on in einer dem Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um unter­stell­ten Fir­ma mal eben um 110.000€ auf 300.000€ erhöht. Klar. Gibt ja immer ein biss­chen Infla­ti­ons­aus­gleich. Die Woh­nung, die Spahn für 980.000€ von ihm gekauft hat­te, wur­de nach nur drei Jah­ren für 1.585.000€ zum Kauf ange­bo­ten (tages­spie­gel, 18.02.2021). Klar, der Ber­li­ner Immo­bi­li­en­markt dreht gera­de frei, aber 600.000€ Wert­zu­wachs in drei Jah­ren ist schon ordent­lich. Und es gibt eine Spe­ku­la­ti­ons­steu­er. Nor­ma­ler­wei­se ver­kauft man Immo­bi­li­en nicht nach drei Jah­ren son­dern frü­hes­tens nach zehn Jah­ren, wenn dann die­se Steu­er nicht mehr anfällt. Aber viel­leicht war ja unser Gesund­heits­min­siter etwas ver­plant. Aller­dings ist er Bank­kauf­mann, er wird also wohl genau gerech­net haben.

Spahn fand es nicht so pri­ckelnd, dass sei­ne Immo­bi­li­en­ge­schäf­te öffent­lich dis­ku­tiert wer­den. Prin­zi­pi­ell hat er da auch Recht, denn wie gesagt, was Men­schen mit ihrem hart ver­dien­ten Geld machen, gehört zur Pri­vat­sphä­re. Ehm. Er woll­te des­halb dem Tages­spie­gel ver­bie­ten, dar­über zu berich­ten und hat vor dem Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg geklagt. Das Gericht hat ent­schie­den, dass Bericht­erstat­tung OK ist, aber dass der genau Preis nie­man­den zu inter­es­sie­ren habe. Das Gericht hat auch fest­ge­stellt, dass die Vil­la sehr teu­er ist und dass hoch­ran­gi­ge Politiker*innen den Wähler*innen Rechen­schaft schul­dig sind (Spahn war damals noch als Kanz­ler­kan­di­dat im Gespräch), ins­be­son­de­re, wenn klar ist, dass eine sol­che Vil­la vom Minis­ter­ein­kom­men, was ja auch auf die jewei­li­ge Wahl­pe­ri­ode beschränkt ist, nicht finan­zier­bar ist. Auch Aus­sa­gen Spahns wie die, dass Harzt IV zum Leben aus­rei­che, hat das Gericht the­ma­tisert. Spahn habe sich „mit zahl­rei­chen auch poin­tier­ten öffent­li­chen Aus­sa­gen als beson­ders streit­ba­rer Ver­tre­ter einer kon­ser­va­ti­ven Poli­tik­rich­tung beson­ders pro­fi­liert“. (Zeit, 05.05.2021)

Spahn hat inzwi­schen die Kla­ge zurück­ge­zo­gen. Man darf also sagen, dass die Vil­la 4,125 Mil­lio­nen Euro gekos­tet hat. Sie hat 4,125 Mil­lio­nen Euro gekostet.

Hartz IV

Viel­leicht glaubt ja Jens Spahn wirk­lich, dass man von Hartz IV leben kann. Wahr­schein­lich kennt er nie­man­den, der Hartz IV oder Sozi­al­hil­fe bekommt oder von Min­dest­ren­te leben muss. Ich gebe Euch mal ein Bei­spiel dafür, wie das so ist mit Min­dest­ren­te. Her­bert, ein guter Freund von mir hat­te ein Pro­blem mit den Zäh­nen. Er brauch­te eine Brü­cke und dafür gab es eine Lösung, für die die Kran­ken­kas­se nicht die kom­plet­ten Kos­ten über­nom­men hät­te. Tja. Und nun? Woher neh­men und nicht stehlen? 

Mein Freund Her­bert. Von ihm habe ich pho­to­gra­phie­ren gelernt. Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY-NC-ND

Ich habe Her­bert ange­bo­ten, das zu über­neh­men. Er hat mich gefragt, ob ich ihn belei­di­gen wol­le. Wir haben dann einen Weg gefun­den: Ich habe ihm das Geld über­wie­sen und er hat mir immer 5€ pro Monat zurück­über­wie­sen. Nach dem Ein­set­zen der Brü­cke hat er sich begeis­tert bei mir bedankt. Er kön­ne jetzt wie­der kau­en und das Essen wäre ein Genuss, denn er wür­de wie­der etwas schmecken.

Wenn Sie jetzt sagen: „Na, sehen Sie, er hat­te doch 5€ übrig.“ Dann sage ich: „Glück­wunsch, Arsch­loch­test bestan­den. Bit­te ver­las­sen Sie die­se Web-Sei­te sofort. Es gibt hier nichts zu sehen.“ Die­ses Geld hat mein Freund nor­ma­ler­wei­se gespart, damit er sei­nen Kin­dern etwas zu Weih­nach­ten und zum Geburts­tag schen­ken konn­te. Nichts Gro­ßes. Obvious­ly. Mal so einen rie­si­gen LEGO-Bau­kas­ten für 100€ zu Ostern ist nicht.

Umweltaspekte

Davon abge­se­hen, stellt sich in Bezug auf Spahns Vil­la die Fra­ge, ob man als kin­der­lo­ses Ehe­paar 515 m2 Wohn­flä­che braucht. Die durch­schnitt­li­che Wohn­flä­che pro Per­son in Deutsch­land lag 2018 bei 46,7 m2 und das ist zu hoch. Aus Kli­ma­grün­den wäre eine Reduk­ti­on um 25% anzu­stre­ben (A Socie­tal Trans­for­ma­ti­on Sce­n­a­rio for Stay­ing Below 1.5°C). Das wären dann 35m2.1 Selbst im Ver­gleich zu 46,7 m² sind 257 m² dann doch ’n biss­chen krass, ne? Ist mehr als das Fünf­ein­halb­fa­che. Die Autor*innen der Stu­die Shift the focus from the super-poor to the super-rich, die 2019 in Natu­re Cli­ma­te Chan­ge erschie­nen ist, haben genau dar­auf hin­ge­wie­sen: Die Super­rei­chen erzeu­gen mit ihrem Lebens­stiel einen CO2-Austoß, der über allem liegt, was wir uns vor­stel­len kön­nen. In einem gut iso­lier­ten Haus (Pas­siv­haus­stan­dard) braucht man mini­ma­le Heiz­ener­gie, da die Kör­per­ab­wär­me und Wär­me, die beim Kochen und Duschen ent­steht, aus­reicht. Das klappt bei 515m2 und zwei Per­so­nen aber nicht im Ansatz. 

Transparenz: Der Politikkodex

Mar­co Bühlow und Mar­tin Son­ne­born haben mit plattform.PRO einen Poli­tik­ko­dex aus­ge­ar­bei­tet, der die Ein­fluss­nah­me von Spender*innen begren­zen soll und gene­rell für mehr Trans­pa­renz sor­gen soll. 

Mar­co Bülow spricht über Kor­rup­ti­on und Lob­by­is­mus beim Kli­ma­mon­tag von Berlin4Future, Ber­lin, Alex­an­der­platz, 07.09.2020, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Es ist geplant, dass alle Kandidat*innen die für die Par­tei Die PARTEI antre­ten, die­sen auch unter­schrei­ben. Ich habe das bereits getan. Wenn Ihr also mit mir für 9.999€ essen gehen wollt, müs­sen wir das offen­le­gen. Laut Poli­tik­co­dex ab 2.000€. Aber es wäre ja für eine gute Sache, da wäre es eh nicht schlimm, wenn Euer Name genannt wür­de. Ich wür­de das Geld dann für die Mani­pu­la­ti­on von Men­schen auf Face­book ein­set­zen (sie­he Post Face­book is evil). Wenn Ihr mir ohne Wer­bung ein­fach so auf Face­book folgt, wäre das natür­lich auch gut.

Im Zusam­men­hang mit der Trans­pa­renz­er­klä­rung muss­te ich lei­der mein gesam­tes Ver­mö­gen offen­le­gen, all mei­ne Fir­men­be­tei­li­gun­gen, und es gibt so eini­ge. Loka­le, regio­na­le, natio­na­le und glo­ba­le. Ja, ich habe eine glo­bal agie­ren­de Fir­ma gegrün­det, die inzwi­schen über 1000 Mit­ar­bei­ten­de hat und außer in der Ant­ark­tis auf allen Kon­ti­nen­ten ver­tre­ten ist. Und ich wer­de im Bun­des­tag gna­den­los für die­se und ähn­li­che Fir­men arbei­ten. Nur dass Ihr’s wisst. Aber es ist eben trans­pa­rent und das ist wich­tig. Wenn Ihr wis­sen woll­te, was das für Fir­men sind, müsst Ihr die Trans­pa­renz­er­klä­rung lesen.

Sag’s mit Musik

Und zum Abschied sag ich lei­se Ser­vus. Heu­te mit Toxo­pla­ma und ihrem Wahl­wer­be­spott für die CDU. Das Video ist von 2013, aber son­der­bar aktu­ell. Viel Spaß!

Quellen

Brautzsch, Jes­si­ca. 2021. Okto­ber 2020: Spahn bei Spen­den­din­ner in Leip­zig. MDR. (https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/politik/spahn-corona-infektion-spenden-party-leipzig-100.html)

Fuchs, Chris­ti­an & Kun­ze, Anne & Mal­cher, Ingo & Schmidt, Chris­ti­na & Stark, Hol­ger & Zim­mer­mann, Fritz. 2021. Jens Spahn: Der Minis­ter und die Mil­lio­nen. Die Zeit. (https://www.zeit.de/2021/19/jens-spahn-immobiliengeschaeft-villa-immobilienkauf-finanzierung-kreditvergabe-oeffentlichkeit/komplettansicht)

Kuhn­henn, Kai & Cos­ta, Luis & Mahn­ke, Eva & Schnei­der, Lin­da & Lan­ge, Stef­fen. 2020. A Socie­tal Trans­for­ma­ti­on Sce­n­a­rio for Stay­ing Below 1.5°C. Ber­lin: Hein­rich Böll Stif­tung. (https://www.boell.de/sites/default/files/2020–12/A%20Societal%20Transformation%20Scenario%20for%20Staying%20Below%201.5C.pdf)

Meis­ner, Mat­thi­as. 2021. Spen­den­din­ner des Gesund­heits­mi­nis­ters: Spahns Schwei­ge­kar­tell. taz. (https://taz.de/Spendendinner-des-Gesundheitsministers/!5763978/)

Mül­ler-Neu­hof, Jost. 2021. Mil­lio­nen­vil­la des Minis­ters: Ein „Blick in das Porte­mon­naie“ von Jens Spahn ist ver­bo­ten. tages­spie­gel. (https://www.tagesspiegel.de/politik/millionenvilla-des-ministers-ein-blick-in-das-portemonnaie-von-jens-spahn-ist-verboten/26922938.html)

Otto, Ilo­na M. & Kim, Kyoung Mi & Dubrovs­ky, Nika & Lucht, Wolf­gang. 2019. Shift the focus from the super-poor to the super-rich. Natu­re Cli­ma­te Chan­ge 2(9). 82–84. (doi:10.1038/s41558-019‑0402‑3)

Heimat & Leben

War­nung: Auf die­ser Sei­te ist nichts lus­tig. Glaubt Ihr nicht? Dann lest den Text eben.Wenn Ihr lie­ber was Lus­ti­ges wollt, lest die FAQ.

Unter der Rubrik Hei­mat & Leben schreibt Ste­fan Mül­ler (csU):

Vie­le war­ten schon lan­ge auf die Rea­li­sie­rung der Lärm­schutz­ein­rich­tun­gen an A3 und A73. Des­halb kämp­fe ich wei­ter für den Aus- und Umbau der Auto­bah­nen und Bun­des­stra­ßen in mei­nem Wahl­kreis, ohne den Lärm­schutz nicht umsetz­bar ist. Mit dem 2016 beschlos­se­nen, neu­en Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan konn­ten wir wich­ti­ge Pro­jek­te für unse­re Regi­on fest in der Pla­nung für die nächs­ten Jah­re verankern

Ste­fan Mül­ler (csU): Hei­mat & Leben, auf stefanmueller.com, 29.04.2021

Den Punkt mit Aus- und Umbau zur Lärm­re­duk­ti­on hat er schon bei Gesund & fit gemacht und ich bin hier bei Gesund & fit dar­auf ein­ge­gan­gen. Der Bun­de­ver­kehrs­we­ge­plan wird aber nur unter Hei­mat & Leben erwähnt. Also schaun mer mal.

Der Bundesverkehrswegeplan: Wer Verkehr sät wird Verkehr ernten

Der Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan 2016 sieht den 6‑spurigen Aus­bau der A3 über 100km vor. Grund für den Aus­bau sind die fol­gen­den Prognosen:

Auto­bahn­di­rek­ti­on Nord­bay­ern: Bür­ger­infor­ma­ti­on vom 27. März 2017: Aus­bau des Auto­bahn­kreu­zes Fürth/Erlangen.

Auch in Erlan­gen selbst soll mas­siv aus­ge­baut werden.

Auto­bahn­di­rek­ti­on Nord­bay­ern: Bür­ger­infor­ma­ti­on vom 27. März 2017: Aus­bau des Auto­bahn­kreu­zes Fürth/Erlangen.

Mei­ne Pro­gno­se ist: Wenn die Poli­tik sich nicht grund­le­gend ändern wür­de, wür­de auch die­ser Aus­bau irgend­wann nicht mehr rei­chen. Wenn man immer wei­ter aus­bau­en wür­de, sähe unser Land, unse­re Hei­mat, irgend­wann so aus:

Autobahndrehkreuz
Ergeb­nis unge­hemm­ten Aus­baus von Auto­in­fra­struk­tur, Bild: muf­ad­da­lap auf Pixabay

Das Bild hat eine gewis­se Ästhe­tik und man kann sogar Häu­ser erken­nen. Leben scheint dort mög­lich zu sein. OK, das war zynisch. Ein Toco­tro­nic-Zitat ist wohl ange­mes­se­ner: „Aber hier leben? Nein, danke!“

Die Lösung

Wie könn­te eine Lösung aus­se­hen? Ein PKW, in dem eine Per­son sitzt, ver­braucht enorm viel Platz und ist dem­zu­fol­ge im Ver­gleich zu ande­ren Ver­kehrs­mit­teln in Bezug auf die Beför­de­rungs­leis­tung inef­fek­tiv. Die Stadt Müns­ter hat 1991 die fol­gen­de Gegen­über­stel­lung von einer bestimm­ten Men­schen­grup­pe ein­zeln in Autos, der­sel­ben Grup­pe in Fahr­rä­dern bzw. in einem Bus gemacht:

Quel­le: Pres­se­amt Stadt Münster, 1991

Wie man sieht, hät­te bei einem Umsteu­ern in der Ver­kehrs­po­li­tik eine vier­spu­ri­ge Auto­bahn völ­lig gereicht. Vor dem Hin­ter­grund, der sich ver­schär­fen­den Kli­ma­kri­se hät­te die Bun­des­re­gie­rung spä­tes­tens 2016 umsteu­ern müs­sen (Ver­kehrs­mi­nis­ter damals Alex­an­der Dob­rindt, csU). Aber nee. More of the same. Die Ver­kehrs­mi­nis­ter und auch der dama­li­ge Umwelt­mi­nis­ter Peter Alt­mai­er der cdU/csU sind dicke Tin­te mit der Auto­in­dus­trie (Spie­gel 2013; Heu­te-Show, 2013)1 und haben kein Inter­es­se an Alter­na­ti­ven. In den USA hat eine ähn­li­che Poli­tik zu Zustän­den geführt, die dem Kol­laps nahe kom­men. Dort gibt es aber Ideen wie Car­poo­ling. Es gibt spe­zi­el­le Spu­ren, die nur Fahr­zeu­ge mit meh­ren Insas­sen benut­zen dür­fen. Das ergibt enor­me Fahr­zeit­ge­win­ne für die, die zu zweit oder mehrt fah­ren und redu­ziert den Verkehr.

Man beden­ke auch, dass die Blech­la­wi­ne, wenn sie nicht unter­wegs ist (also fast immer), irgend­wo rum­steht. In den Städ­ten kön­nen wir sie nicht brauchen.

#ano­t­her­Worl­dIs­Pos­si­ble!

Quellen

Adler, Flo­ri­an. 2017. Das wohl bekann­tes­te Müns­ter-Foto der Welt. Stadt­wer­ke Müns­ter. (Der Blog der Stadt­wer­ke Müns­ter.) (https://www.stadtwerke-muenster.de/blog/verkehr/das-wohl-bekannteste-muenster-foto-der-welt/)

Auto­bahn­di­rek­ti­on Nord­bay­ern. 2017. Bür­ger­infor­ma­ti­on vom 27. März 2017: Aus­bau des Auto­bahn­kreu­zes Fürth/Erlangen. (http://www.abdnb.bayern.de/imperia/md/content/stbv/abdnb/autobahndirektion/projekte/a3_ak_fuerth_erlangen_info/2017_03_27_ppt_vortrag_ausbau_ak_fu_erl.pdf)

Heu­te-Show ZDF, 18.10.2013. Zu Par­tei­spen­den der Fami­lie Quandt, Groß­ak­tio­när bei BMW, an die CDU. (https://youtu.be/Exw4cWfGI0o?t=1195)

Der Spie­gel, 2013. Par­tei­en­fi­nan­zie­rung: CDU erhält Rie­sen­spen­de von BMW-Groß­ak­tio­nä­ren. (https://www.spiegel.de/politik/deutschland/union-erhaelt-riesenspende-von-bmw-eignern-klatten-und-quandt-a-927871.html)

Gesund & fit

War­nung: Auf die­ser Sei­te ist nichts lus­tig. Glaubt Ihr nicht? Dann lest den Text eben. Wenn Ihr lie­ber was Lus­ti­ges wollt, lest die FAQ.

Als Ossi freut es mich sehr, dass Ste­fan Mül­ler (csU) über Fit schreibt. Fit ist im Osten ein Mar­ken­nah­me, der wie Spü­li im Wes­ten für Spül­mit­tel all­ge­mein ver­wen­det wird bzw. wurde.

Spül­mit­tel­wer­bung auf stefanmueller.com, 30.04.2021

Nur was hat Spül­mit­tel mit Gesund­heit zu tun? Das scheint mir nicht zusam­men­zu­pas­sen, wie so vie­les auf der Web­sei­te. Also las­sen wir Fit erst­mal weg und beschäf­ti­gen uns mit Gesundheit.

Wie Ste­fan Mül­ler von der csU bin ich begeis­ter­ter Sport­ler, lau­fe 10–20 km und fah­re Rad (–165 km). Auch gegen den Ein­satz für ein gut funk­tio­nie­ren­des Gesund­heits­sys­tem und den Aus­bau der Medi­zin­tech­nik in Erlan­gen ist nichts zu sagen.

Gesund­heit ist die Vor­aus­set­zung für alles. Im Krank­heits­fall die best­mög­li­che Behand­lung zu bekom­men und wie­der gesund und fit zu wer­den, wünscht sich jeder. Dazu braucht es leis­tungs­fä­hi­ge Medi­zin und Pfle­ge mit den bes­ten Metho­den und unter­stüt­zen­den Tech­no­lo­gien. Sport ist der Schlüs­sel zu Fit­ness bis ins hohe Alter.

Erlan­gen als Zen­trum für For­schung und Ent­wick­lung in der Medi­zin­tech­nik wei­ter zu ent­wi­ckeln und Sport in allen sei­nen Facet­ten zu för­dern, ist mir wichtig.

Ste­fan Mül­ler (CSU), stefanmueller.com, 27.04.2021

Aller­dings gibt es etwas wei­ter unten auf der Sei­te bereits die ers­ten Inkon­sis­ten­zen und auch ansons­ten soll­te man sich sehr sorg­fäl­tig über­le­gen, ob man einen CSU-Poli­ti­ker wäh­len möch­te, wenn einem Gesund­heit am Her­zen liegt. Das möch­te ich im Fol­gen­den genau­er besprechen.

Lärm

Ver­kehrs­lärm ist gesund­heits­schä­di­gend. Er sorgt für Herz- und Kreis­lauf­krank­hei­ten, Dia­be­tes mel­li­tus, Depres­sio­nen, Psy­cho­sen und Schi­zo­phre­ni­en, Demenz und Mor­bus Alz­hei­mer und Krebs, ver­ur­sacht durch per­ma­nen­ten Stress. Das betrifft vor allem Men­schen, die direkt an stark befah­re­nen Stra­ßen woh­nen. Das sind meis­tens arme Men­schen, die sich ruhi­ge­re Wohn­ge­gen­den nicht leis­ten kön­nen. Fol­gen­des Zitat fin­det sich auf Ste­fan Mül­lers Webseite:

Vie­le war­ten schon lan­ge auf die Rea­li­sie­rung der Lärm­schutz­ein­rich­tun­gen an A3 und A73. Des­halb kämp­fe ich wei­ter für den Aus- und Umbau der Auto­bah­nen und Bun­des­stra­ßen in mei­nem Wahl­kreis, ohne den Lärm­schutz nicht umsetz­bar ist.

Ste­fan Mül­ler (CSU), stefanmueller.com, 27.04.2021

Das ist sehr inter­es­sant, denn er möch­te Auto­bah­nen aus­bau­en, um den Lärm zu bekämp­fen. Hm. Es ist zwar klar, dass Schall­wel­len sich aus­lö­schen kön­nen, aber so ganz will mir nicht ein­leuch­ten, wie­so ein Aus­bau hel­fen soll. Auf die­se Wei­se könn­te man mit einer Auto­bahn die ande­re bekämp­fen, aber an den jewei­li­gen Außen­sei­ten blei­ben die Pro­ble­me bestehen. (Oh, jetzt war ja doch eine fast lus­ti­ge Stel­le im Text.)

Ich sehe zwei Mög­lich­kei­ten, den Lärm zu reduzieren:

  • Tem­po­li­mit
  • Reduk­ti­on des Verkehrs

Das Tem­po­li­mit schla­ge ich hier gern vor, denn fast zwei Drit­tel der Deut­schen sind dafür. Das zei­gen ver­schie­de­ne Umfra­gen. Zum Bei­spiel eine For­sa-Umfra­ge im Auf­trag der Tar­go­bank (6/2019) und eine Umfra­ge der Welt (1/2019).

Tem­po­li­mits in Euro­pa. Nur Deutsch­land wur­de ver­ges­sen. Also nicht vom Erstel­ler der Kar­te son­dern von den Auto-Fans in der Regie­rung. Kater­Be­ge­mot, CC BY 3.0, via Wiki­me­dia Commons

Komi­scher­wei­se wird trotz vor­han­de­ner Mehr­hei­ten kein Tem­po­li­mit ein­ge­führt. Wor­an liegt das bloß? Am Auto-Kanz­ler Schrö­der (1998–2005) und der CSU, die seit 2009 unun­ter­bro­chen den Ver­kehrs­mi­nis­ter stellt? 

Wie könn­te man den Ver­kehr redu­zie­ren? Aus­bau der Bahn? Steu­ern auf CO2? Wie­so pas­siert das nicht? Ach so, ja, die CSU/CDU mag das nicht so. War­um eigent­lich nicht? Viel­leicht, weil ihr gan­zer Par­tei-Appa­rat von den Spen­den der Auto­in­dus­trie lebt? 2013 hat die cdU zum Bei­spiel 690.000€ von der Fami­lie Quandt, Haupt­ak­tio­nä­ren von BMW, erhal­ten, nach­dem sie die Abgas­norm in der EU hat schei­tern las­sen (sie­he auch Spie­gel, 2013):

Haupt­ak­tio­nä­re von BMW spen­den 690.000€ an die cdU, nach­dem die die Abgas­norm der EU hat schei­tern las­sen. Umwelt­mi­nis­ter war übri­gens Peter Alt­mai­er (cdU)

Na, viel­leicht dann spä­ter mit der neu­en Kanzlerin.

Inge­nieu­rin „Gegen bescheu­er­te Ver­kehrs­po­li­tik“, Fri­days For Future Demons­tra­ti­on in Ber­lin, 24.05.2019, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Halt, halt, der Andre­as Scheu­er hat doch gera­de den gran­dio­sen Natio­na­len Rad­ver­kehrs­plan 3.0 mit ganz viel Geld auf den Weg gebracht. Ist er nicht doch ein Guter? Aber sol­che Plä­ne gab es schon vor­her 2002 und 2012 und die haben die Lage der Radfahrer*innen nicht ver­bes­sert (zu den Vor­gän­ger­plä­nen sie­he taz, 26.04.2021). Mit dem neu­en Plan wird viel Geld bereit­ge­stellt. Die­ses müs­sen aber Bund, Län­der und Kom­mu­nen abru­fen. Scheu­er appel­liert nur an sie, was dann umge­setzt wird, ist völ­lig offen.

Ob Kom­mu­nen, Län­der oder der Bund die Vor­schlä­ge auf­grei­fen, bleibt ihnen über­las­sen. Völ­lig zu Recht for­dert der ADFC einen Akti­ons­plan, damit die Plä­ne über­haupt die Chan­ce haben, umge­setzt zu wer­den. Ohne so ein kon­kre­tes Pro­gramm bleibt Scheu­ers Vor­stoß unglaubwürdig. 

Das gilt beson­ders für das The­ma Sicher­heit. Bis 2030 soll die Zahl der im Ver­kehr getö­te­ten Rad­fah­re­r:in­nen gegen­über 2019 um min­des­tens 40 Pro­zent sin­ken. Ein ähn­li­ches Ziel hat­te der Vor­gän­ger­plan. Tat­säch­lich ist die Zahl der getö­te­ten Rad­fah­rer aber gestie­gen. 2011 ver­lo­ren 399 Rad­fah­ren­de ihr Leben, im Jahr 2019 waren es 445 Menschen.

Anja Krü­ger: Gut gebrüllt, Scheu­er!, taz, 26.04.2021

Scheu­er ist ein Auto­mi­nis­ter und sagt selbst, dass der Rad­aus­bau nicht auf Kos­ten des Auto­ver­kehrs erfol­gen soll:

Das soll aller­dings nicht auf Kos­ten der Auto­fah­ren­den erfol­gen. „Wir haben den Plan so gestal­tet, dass es nicht gegen das Auto, son­dern um ein Mit­ein­an­der geht“, beton­te er.

Anja Krü­ger: Neu­er Natio­na­ler Rad­ver­kehrs­plan: Kon­junk­tur­pro­gramm für Fahr­rad­we­ge. taz. 27.04.2021

Tja, wie dann? Dann gin­ge es ja nur so, dass man die Stra­ßen brei­ter macht. Dazu sie­he unten #Zoo­no­sen. In Städ­ten funk­tio­niert das aber auch nicht und wenn wir den Lärm und Umwelt­be­las­tun­gen redu­zie­ren wol­len, brau­chen wir eine Ver­kehrs­wen­de und nicht das, was die csU/cdU macht.

Außer­dem hat sich Scheu­er gegen höhe­re Stra­fen bei extrem zu hohen Geschwin­dig­kei­ten ausgesprochen.

Zusam­men­fas­sung: Wenn einen der Lärm nervt, soll­te man nicht csU wäh­len. Zum Glück gibt es ja bei die­ser Wahl einen alter­na­ti­ven Ste­fan Müller.

Eins noch. Sor­ry, das kann ich nicht weglassen:

Auto­bahn­di­rek­ti­on Nord­bay­ern: Bür­ger­infor­ma­ti­on vom 27. März 2017: Aus­bau des Auto­bahn­kreu­zes Fürth/Erlangen.

Die­ses Bild ist extrem zynisch! Ein Fens­ter mit Loch links vs. ein glück­li­ches klei­nes Mäd­chen, das uns durch das Schall­schutz­fens­ter anlä­chelt. Ich habe 10 Jah­re in der Ein­flug­schnei­se des Flug­ha­fens Tegel gewohnt und kann nur sagen, dass Lärm­schutz­fens­ter nur bedingt etwas nüt­zen, denn sobald man die Woh­nung ver­lässt oder die Fens­ter öff­net, ist der Schutz dahin. Bal­kon? Ver­giss es! Kli­ma­ka­ta­stro­phe? Auf­ge­heiz­te Stadt? Nachts lüf­ten? Ver­giss es! Man könn­te nur mit einer Lüf­tung dort woh­nen. Ist es das wert? Spie­len an einer 12 Meter hohen Mau­er, hin­ter der es brummt?

Sport – umsonst und draußen

Wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie sind vie­le von uns im Home­of­fice gefan­gen. Fir­men wie Sie­mens pla­nen, Beschäf­tig­ten das Recht auf Home­of­fice auch nach der Pan­de­mie ein­zu­räu­men. Wege von und zur Arbeit fal­len weg, wir wer­den noch mehr zu Ses­sel­pup­sern. Selbst die, die sonst mit dem Auto fah­ren wür­den, müs­sen nicht mal mehr zum Auto lau­fen. Hier braucht es drin­gend Aus­gleich. Zum Bei­spiel kann man den Ein­kauf auch mit dem Fahr­rad erle­di­gen. Wie geht nicht? Doch geht.

Ein rie­si­ger Ein­kauf lässt sich per Las­ten­rad bequem trans­por­tie­ren. 1 1/2 Kin­der hät­ten auch noch rein­ge­passt. Ohne Ein­kauf pas­sen vier Kin­der ins Rad. Und die haben Spaß! Und sie sit­zen dabei vor einem. Das ist viel bes­ser, als wenn Kin­der im Auto Spaß haben .…

Für Anfän­ger gibt es auch Las­ten­rä­der mit Motor. Die Räder sind sta­bil und man kann mit ihnen auch bei Schnee fah­ren, weil die Gefahr weg­zu­rut­schen nicht besteht.

Für Eure Gesund­heit, für weni­ger Lärm durch weni­ger Ver­kehr, für die Umwelt wer­de ich mich für die För­de­rung von Las­ten­rä­dern stark machen. Zumin­dest für Stadt­men­schen ist ein auto­frei­es Leben mög­lich. Ich weiß das, denn ich hat­te noch nie eins.

Ernährung

Ein Punkt bei der Gesund­heit ist auch die Ernäh­rung. Die könn­te man auf zwei­er­lei Arten und Wei­sen verbessern. 

Lebensmittelampel

1) Könn­te man den Verbraucher*innen bei der täg­li­chen Ent­schei­dung, was ein­ge­kauft wird, hel­fen, indem man Lebens­mit­tel kenn­zeich­net. Salz­ge­halt, Zucker­ge­halt, Fett­ge­halt. Ins­be­son­de­re in hoch ver­ar­bei­te­ten Lebens­mit­teln wie Fer­tig­piz­za ist von allem zu viel drin. Men­schen essen das gern, weil die­se Zuta­ten sel­ten waren und wir uns ent­spre­chend ent­wi­ckelt haben. Wür­de man die Zuta­ten mit­tels Lebens­mit­telam­pel kennt­lich machen, wür­de das den Verbraucher*innen hel­fen. (Und lus­ti­ger­wei­se sind wie­der 2/3 der Bundesbürger*innen für so eine Ampel, Umfra­ge Emnid für food­watch, 2009.) Kran­ken­kas­sen und Ärz­te­ver­bän­de haben sich für die Lebens­mit­telam­pel ausgesprochen:

Im August 2009 for­der­ten die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen die Bun­des­re­gie­rung und die für die Berei­che Gesund­heit, Ernäh­rung und Ver­brau­cher­schutz zustän­di­gen Euro­pa-Poli­ti­ker auf, sich für die Kenn­zeich­nung von Lebens­mit­teln anhand des Ampel-Sys­tems ein­zu­set­zen. In dem offe­nen Brief schrie­ben sie unter ande­rem: „Die Intrans­pa­renz über die Zusam­men­set­zung eines stän­dig wach­sen­den Lebens­mit­tel­an­ge­bots und die hin­zu­kom­men­den irre­füh­ren­den Wer­be­ver­spre­chen der Her­stel­ler kon­ter­ka­rie­ren unser Enga­ge­ment für einen gesun­den Lebens­stil.“[18]

Im März 2010 for­der­ten Ver­tre­ter des deut­schen Berufs­ver­bands der Kin­der- und Jugend­ärz­te sowie der Ver­ei­ni­gung der euro­päi­schen Kin­der­ärz­te die Ein­füh­rung des Ampel-Sys­tems. An die Abge­ord­ne­ten des EU-Par­la­ments schrie­ben sie unter ande­rem: „Wir bit­ten Sie drin­gend, nicht nur die Inter­es­sen der Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie zu unter­stüt­zen.“[19]

Wiki­pe­dia, Lebens­mit­telam­pel, 28.04.2021

Die Ein­füh­rung der Ampel wur­de 2008 von CDU/CSU, SPD und FDP abge­lehnt. Horst See­hofer (csU) war damals übri­gens Bun­des­mi­nis­ter für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Ver­brau­cher­schutz. Die Ampel ist bis heu­te nicht ver­pflich­tend ein­ge­führt. Unse­re Land­wirt­schaft­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner kuschelt statt­des­sen lie­ber mit den Ver­ant­wort­li­chen bei Nest­lé und freut sich über Selbstverpflichtungen.

Video aus einem Tweet vom 03.06.2019 von Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner (CDU) zu einem Tref­fen mit Nestlé

Fleisch

2) Gibt es ein Pro­blem mit Fleisch. Die Deut­schen essen zu viel Fleisch. Mehr Fleisch als für sie selbst und für das Kli­ma gut ist. (zu Kli­ma und Gesund­heit sie­he unten)

Män­ner essen dop­pelt so viel Fleisch/Wurst wie Frau­en. Bay­ern und der Osten sind Spit­zen­rei­ter. Quel­le: Flei­sch­at­las, 2013.
Die Deut­schen sind inter­na­tio­nal weit vor­ne beim Fleisch­kon­sum. Sie essen mehr als dop­pelt so viel wie von Ernährungsexpert*innen vor­ge­schla­gen wird. Bild aus der Aus­stel­lung Arte­fak­te im Natur­kun­de­mu­see­um, Ber­lin, 03.03.2019, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Hier könn­te man die Reduk­ti­on von Fleisch­kon­sum auf ver­schie­de­ne Arten und Wei­sen för­dern: zum Bei­spiel vege­ta­ri­sche Ange­bo­te in Kan­ti­nen und Mensen. Das wür­de auch durch die Mas­sen­tier­hal­tung ver­ur­sach­ten Pro­ble­me reduzieren.

Lebensmittelhygiene

Auch direkt gesund­heits­re­le­vant ist die Lebens­mit­tel­hy­gie­ne. Dazu fin­det man fol­gen­des in Wikipedia:

Über den Hygie­ne­skan­dal bei Mül­ler-Brot (2010–2012), als gro­ße Men­gen von mit Scha­ben, Mäu­se­kot u. a. Schad­stof­fen belas­te­ten Back­wa­ren an Ver­brau­cher ver­kauft wur­den, soll Söder als Gesund­heits­mi­nis­ter laut Pres­se­be­rich­ten bereits 2010 einen Bericht erhal­ten haben.[73] Einen end­gül­ti­gen Pro­duk­ti­ons­stopp ver­häng­te das ihm unter­ste­hen­de Baye­ri­sche Lan­des­amt für Gesund­heit und Lebens­mit­tel­si­cher­heit aber erst 2012. In der Dis­kus­si­on über das Infor­mie­ren der Ver­brau­cher wur­de gefor­dert, dass lebens­mit­tel­ver­ar­bei­ten­de Betrie­be dazu ver­pflich­tet wer­den soll­ten, Kon­troll­ergeb­nis­se zu ver­öf­fent­li­chen. Für die Ein­füh­rung einer bun­des­wei­ten Hygie­ne­am­pel für Lebens­mit­tel­be­trie­be stimm­ten 15 Bun­des­län­der; Söder hin­ge­gen leg­te für Bay­ern ein Veto ein und ver­hin­der­te somit deren Ein­füh­rung. In die­sem Zusam­men­hang äußer­te auch der Bun­des­vor­sit­zen­de des Bun­des­ver­bands der Lebens­mit­tel­kon­trol­leu­re Unver­ständ­nis für das Vor­ge­hen im Fall Mül­ler-Brot. Es kön­ne nicht sein, dass der Ver­brau­cher von den seit 2009 erfolg­ten 21 Kon­trol­len, den mehr­fach zurück­ge­ru­fe­nen Waren und den ins­ge­samt ver­häng­ten 69.000 Euro an Buß- und Zwangs­gel­dern nichts erfahre.

Wiki­pe­dia-Arti­kel über Mar­kus Söder, abge­ru­fen am 27.04.2021

Mehr muss man dazu nicht sagen. Scha­ben sind nicht nur für Vegetarier*innen eklig.

Zoonosen

Es gibt immer mehr soge­nann­te Zoo­no­sen. Das sind Krank­hei­ten, die vom Tier auf den Mensch über­sprin­gen, wie zum Bei­spiel COVID-19. Der Grund hier­für ist, dass immer mehr Tie­re immer näher am Men­schen leben. Und der Grund dafür ist, dass wir ihnen ihre Lebens­räu­me weg­neh­men. Zum Bei­spiel durch Auto­bah­nen. Dass wir eine Auto­bahn durch einen Jahr­hun­der­te alten Forst bau­en, weil man einen Bun­des­ver­kehr­we­ge­plan nicht ändern kann. Zumin­dest, wenn der Ver­kehrs­mi­nis­ter Andre­as Scheu­er heißt und von der csU kommt.

Die Rebel Riders von Extinc­tion Rebel­li­on fah­ren per Rad zur Mon­tags­de­mo Kli­ma­mon­tag von Berlin4Future. An ver­schie­de­nen Stel­len gibt es Reden. Hier demons­trie­ren Aktivist*innen vor dem Sitz des VDA, dem Lob­by­ver­band der Auto­mo­bil­in­dus­trie. Ber­lin, 07.09.20, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Krisentauglichkeit korrupter Parteien und Wissenschaftsfeindlichkeit (Corona)

Wenn Euch die Gesund­heit wich­tig ist, dann wählt nicht csU/cdU. Die Uni­ons-Poli­ti­ker sind in der Pan­de­mie durch diver­se State­ments auf­ge­fal­len, die davon zeu­gen, dass sie wis­sen­schaft­li­che Ergeb­nis­se nicht kann­ten, nicht ver­stan­den haben oder ein­fach igno­riert haben.

„Ja, wir haben die­ses Virus unter­schätzt, alle mit­ein­an­der.“ State­ment von Micha­el Kret­schmer (cdU) zu den Ver­schär­fun­gen der Coro­na-Maß­nah­men am 02.12.2020

Vol­ker Bouf­fier (CDU, Minis­ter­prä­si­dent, Hes­sen) woll­te nicht vor­ge­hal­ten bekom­men, was jemand vor acht Wochen gesagt hat:

Jeder, der behaup­tet, das hät­te man alles schon vor acht Wochen wis­sen müs­sen – mit so was will ich mich nicht auseinandersetzen.

Vol­ker Bouf­fier (CDU, Minis­ter­prä­si­dent, Hes­sen), Pres­se­kon­fe­renz 3/2021

Und Armin Laschet (cdU, zukünf­ti­ger Vize­kanz­ler) träum­te vom Früh­ling und dass die hoch­an­ste­cken­de Virus­mu­ta­ti­on sich da schon irgend­wie selbst ver­krü­meln wür­de. Und Mar­kus Söder (csU) ist auch nicht schlecht, denn nach einer ver­gurk­ten Minis­ter­prä­si­den­ten­kon­fe­renz ver­fasst er eine Regie­rungs­er­klä­rung, aus der die csU dann fol­gen­des zitiert:

Regie­rungs­er­klä­rung der Lan­des­re­gie­re­ung in Bayern.

Das ist höchs­tes Schwur­bel­ni­veau. Und ein Fuß­tritt ins Gesicht der Ange­hö­ri­gen der­je­ni­gen, die an Coro­na gestor­ben sind.

Und als wäre das alles nicht genug, gab es als Zuga­be noch ein paar Kor­rup­ti­ons­skan­da­le, die eben­falls mit Coro­na zusam­men­hän­gen (sie­he Sie wis­sen nicht, was sie tun).

Und hey, Jens Spahn (cdU) moch­te ich eigent­lich immer, aber er hat sich zu einem Essen mit einem Dut­zend poten­ti­el­len Spen­dern getrof­fen (Teil­nah­me Essen = 9999€ = der Betrag, der bei Par­tei­spen­den nicht offen gelegt wer­den muss; Lob­by­Con­trol) und war dabei schon mit Coro­na infi­ziert. Der Gesundheitsminister!

Das ist .… Aber noch schlim­mer als legal bis an die Gren­ze zu gehen, was die Höhe von Par­tei­spen­den angeht, ist es, sich ein­fach so zu berei­chern. Das nennt man Kor­rup­ti­on. Georg Nüß­lein (csU) und Niko­las Löbel (cdU) ste­hen im Ver­dacht, für Schutz­mas­ken­de­als jeweils sechs­stel­li­ge Pro­vi­sio­nen bekom­men zu haben: Georg Nüß­lein wohl über sei­ne Fir­ma 660.000€ (ohne Umsatz­steu­er­vor­anmel­dung, taz 26.02.2021)

660.000€ sind ne Men­ge Geld. Aber das kann man top­pen: Alfred Sau­ter (csU) steht im Ver­dacht 1.000.000€ für Mas­ken­de­als bekom­men zu haben (taz, 17.03.2021).

Wenn im Gesund­heits­sys­tem zuguns­ten der­je­ni­gen ent­schie­den wird, die die höchs­ten Bestechungs­sum­men bezah­len, dann ist das sehr bedenklich.

Klei­ne Neben­be­mer­kung: Ste­fan Mül­ler (csU) hat im Bun­des­tag gegen die Ein­füh­rung von Trans­pa­renz­re­geln gestimmt (sie­he Nach­hal­tig­keit, Lob­by­is­mus, Trans­pa­renz und der Poli­tik­ko­dex).

Wer zu die­sem The­ma noch nicht genug hat, kann sich das REZO-Zer­stö­rungs­vi­deo anse­hen. REZO trägt alles mit ange­mes­se­nem Schwung vor.

Klima & Gesundheit

Wir ste­hen vor gro­ßen Ver­än­de­run­gen. Hit­ze­wel­len im Som­mer wer­den häu­fi­ger und extre­mer wer­den. Das hat mas­si­ve Aus­wir­kun­gen auf die Gesund­heit. Zum Bei­spiel sind im Hit­ze­s­om­mer 2003 in Euro­pa 45.000–70.000 Men­schen hit­ze­be­dingt gestorben.

Hit­ze­wel­le über Euro­pa 2003, Quel­le: Wiki­pe­dia Giorgiogp2 — Eige­nes Werk, CC BY-SA 3.0.

Die Wiki­pe­dia-Sei­te zum Hit­ze­s­om­mer mit all den Details ist lesens­wert. Ent­spre­chen­de Wet­ter­la­gen (Ome­ga-Lagen) sind in den letz­ten Jah­ren häu­fi­ger gewor­den, was zu län­ger andau­ern­den Hit­ze­wel­len führt.

Hit­ze ist jedoch nicht das ein­zi­ge Problem:

Pro­fes­sor Lothar Wie­ler, Prä­si­dent des Robert Koch-Insti­tuts, benann­te eini­ge der gesund­heit­li­chen Kli­ma­wan­del­fol­gen aus epi­de­mio­lo­gisch-wis­sen­schaft­li­cher Per­spek­ti­ve: direk­te Aus­wir­kun­gen durch Hit­zes­tress bei stei­gen­den Tem­pe­ra­tu­ren mit erhöh­ter Mor­bi­di­tät und Mor­ta­li­tät, Extrem­wet­ter, Haut­krebs durch UV-Schä­den, indi­rek­te Aus­wir­kun­gen in Form von Pol­len­all­er­gien, Erkran­kun­gen durch Luft­schad­stof­fe, die Zunah­me durch Mücken oder Zecken über­tra­ge­ner Infek­ti­ons­krank­hei­ten, Kei­me in Bade­ge­wäs­sern, Was­ser­knapp­heit. Letz­te­res auch in Deutsch­land: 2020 wur­den regio­nal Was­ser­lie­fe­run­gen nötig. [sie­he taz, 09.08.2020]

DGIM und Berufs­ethos „Ärz­te müs­sen in der Kli­ma­kri­se Stel­lung bezie­hen!“, Ärz­te­Zei­tung, 20.04.2021
Sil­vi­an Grie­sel von der Cha­ri­te und von Health for Future und KLUG spricht bei Demo von Extinc­tion Rebel­li­on, Ber­lin, Inva­li­den­park, 05.10.2020

Prof. Clau­dia Traidl-Hoff­mann sagt im taz-Inter­view folgendes:

Schlag­an­fäl­le neh­men zu. Gera­de bei war­mem, feuch­tem Wet­ter kommt es zu Ver­än­de­run­gen in den fei­nen Blut­ge­fä­ßen, dann ver­stop­fen Hirn­ar­te­ri­en, das Gewe­be wird nicht mehr rich­tig mit Blut ver­sorgt. Wun­den hei­len bei Tem­pe­ra­tu­ren über 40 Grad schlech­ter, die Erho­lung nach Ope­ra­tio­nen dau­ert län­ger. Typ-2-Dia­be­tes nimmt zu.

taz, 01.05.2021: Ärz­tin über Krank­hei­ten und Kli­ma­wan­del: „Wir haben einen Allergie-Tsunami“

Schlussfolgerung

Wenn Euch Eure Gesund­heit und Euer Leben lieb ist, wählt nie­mals csU! Die csU ist maß­geb­lich mit dafür ver­ant­wort­lich, dass in den letz­ten Jah­ren viel zu wenig im Bereich Kli­ma­schutz pas­siert ist. Wir brau­chen eine Ver­kehrs­wen­de, eine Ernäh­rungs­wen­de und eine Agrar­wen­de. All die­se Wen­den blo­ckiert die csU. Der Ein­fluss ver­schie­dens­ter Lob­by­or­ga­ni­sa­tio­nen ist erst in die­sem Jahr wie­der recht deut­lich geworden.

Die gute Nach­richt: Es gibt eine Alter­na­ti­ve zu Ste­fan Mül­ler (csU): Ste­fan Mül­ler (für Die PARTEI).

PS: Tut mir Leid. Hier war nichts lus­tig. Viel­leicht fällt mir spä­ter noch was ein. Ha, mir ist was ein­ge­fal­len, eine der ange­ge­be­nen Quel­len ist lustig.

Quellen

afp. 2021. Kor­rup­ti­ons­vor­wür­fe gegen Georg Nüß­lein: CSU-Abge­ord­ne­ter lässt Amt ruhen. taz. Ber­lin. (https://taz.de/Korruptionsvorwuerfe-gegen-Georg-Nuesslein/!5754198/)

dpo. 2019. Damit das The­ma end­lich vom Tisch ist: Regie­rung einigt sich auf Tem­po­li­mit von 350 km/h. Der Pos­til­lon. (https://www.der-postillon.com/2019/10/tempolimit-350.html)

Am Orde, Sabi­ne. 2021. Kam­pa­gnen­lei­ter von Lob­by­Con­trol: „Das ist ein poli­ti­sches No-Go“. taz. Ber­lin. (https://taz.de/Kampagnenleiter-von-LobbyControl/!5749573)

Bach, Bian­ca. 2021. DGIM und Berufs­ethos „Ärz­te müs­sen in der Kli­ma­kri­se Stel­lung bezie­hen!“. Ärz­te­Zei­tung. (https://www.aerztezeitung.de/Kongresse/Aerzte-muessen-in-der-Klimakrise-Stellung-beziehen-418911.html)

Baur, Domi­nik. 2021. Ermitt­lun­gen gegen CSU-Mann Sau­ter: Eine Mil­li­on Euro für Mas­ken­deal? taz. Ber­lin. (https://taz.de/Ermittlungen-gegen-CSU-Mann-Sauter/!5754882/)

Der Spie­gel, 2013. Par­tei­en­fi­nan­zie­rung: CDU erhält Rie­sen­spen­de von BMW-Groß­ak­tio­nä­ren. (https://www.spiegel.de/politik/deutschland/union-erhaelt-riesenspende-von-bmw-eignern-klatten-und-quandt-a-927871.html)

Drib­busch, Bar­ba­ra. 2021. Neue Home­of­fice-Rege­lung bei Sie­mens: Die neue Fif­ty-fif­ty-Woche. taz. Ber­lin. (https://taz.de/Neue-Homeoffice-Regelung-bei-Siemens/!5768737)

food­watch. 2009. Pres­se­mit­tei­lung: Neue Emnid-Stu­die: Bür­ger for­dern Nein zum geplan­ten Ampel-Ver­bot – Zustim­mung zur Ampel­kenn­zeich­nung auf 69 Pro­zent gestie­gen. (https://www.foodwatch.org/de/pressemitteilungen/2009/neue-emnid-studie-buerger-fordern-nein-zum-geplanten-ampel-verbot-zustimmung-zur-ampelkennzeichnung-auf-69-prozent-gestiegen/)

Gers­mann, Han­na. 2021. Ärz­tin über Krank­hei­ten und Kli­ma­wan­del: „Wir haben einen All­er­gie-Tsu­na­mi“. taz. Ber­lin. (https://taz.de/Aerztin-ueber-Krankheiten-und-Klimawandel/!5769249/)

Heu­te-Show ZDF, 18.10.2013. Zu Par­tei­spen­den der Fami­lie Quandt, Groß­ak­tio­när bei BMW, an die CDU. (https://youtu.be/Exw4cWfGI0o?t=1195)

Herr­mann, Ulri­ke. 2020. Dür­re in Nie­der­sach­sen: Was­ser nur noch vom Super­markt. taz. Ber­lin. (https://taz.de/Duerre-in-Niedersachsen/!5701874/)

Krü­ger, Anja. 2021. Natio­na­ler Rad­ver­kehrs­plan: Gut gebrüllt, Scheu­er! taz. Ber­lin. (https://taz.de/Nationaler-Radverkehrsplan/!5762700/)

Krü­ger, Anja. 2021. Neu­er Natio­na­ler Rad­ver­kehrs­plan: Kon­junk­tur­pro­gramm für Fahr­rad­we­ge. taz. Ber­lin. (https://taz.de/Neuer-Nationaler-Radverkehrsplan/!5762848)

Rath, Chris­ti­an. 2021. Schutz­mas­ken-Affä­re der Uni­on: Die Par­tei für win­di­ge Geschäf­te. taz. Ber­lin. (https://taz.de/Schutzmasken-Affaere-der-Union/!5756249/)

REZO. 2021. REZO zer­stört Coro­na-Poli­tik. (https://www.youtube.com/watch?v=o3ksvjoTsgY)

Seid­ler, Chris­toph. 2020. Dür­re­som­mer in Deutsch­land: Wird sogar das Trink­was­ser knapp? Der Spie­gel. (https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/duerre-in-deutschland-wird-sogar-das-trinkwasser-knapp-a-00000000–0002-0001–0000-000172492990)

Söder, Mar­kus. 2021. Vor­sicht, aber auch Moti­va­ti­on: Regie­rungs­er­klä­rung. Mün­chen: Baye­ri­sche Staats­kanz­lei. (https://www.bayern.de/vorsicht-aber-auch-motivation/)

Ter­li, Özden. 2019. Prä­si­dent des DWD — “Wir kön­nen jetzt den Kli­ma­wan­del live erle­ben.” (https://www.zdf.de/nachrichten/heute/wie-duerre-jetstream-und-klimawandel-zusammenhaengen-100.html)

Zschieck, Mar­co. 2021. Was­ser­man­gel in Bran­den­burg: Die Aus­flugs­se­en ver­schwin­den. taz. Ber­lin. (https://taz.de/Wassermangel-in-Brandenburg/!5738147/)

Soll die Mauer wieder aufgebaut werden?

Die PARTEI hat einen Pro­gramm­punkt, in dem gefor­dert wird, die SBZ (Son­der­be­wirt­schaf­tungs­zo­ne) auch bau­lich vom rest­li­chen Land zu tren­nen. Ich habe lan­ge dar­über nach­ge­dacht. Inzwi­schen bin ich dem­ge­gen­über gar nicht mehr so abge­neigt, denn es gibt gewis­se Punk­te, die für einen Wie­der­auf­bau der Mau­er spre­chen: Kunst­för­de­rung und Anti­fa­schis­mus. Pro­ble­me mit der Rei­se­frei­heit las­sen sich mei­ner Mei­nung nach lösen. 

Kunstförderung

Der ers­te Punkt, der für ein gro­ßes Bau­werk sprä­che, wäre, dass es wie­der mehr Platz für Graf­fi­ti geben würde. 

Ber­li­ner Mau­er: Quell ste­ti­ger Freu­de und groß­ar­ti­ger Kunst­wer­ke, die zum Teil im MoMa in New York aus­ge­stellt werden

In den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten bin ich oft den Mau­er­rad­weg rund um West-Ber­lin gefah­ren. Das ist der ehe­ma­li­ge Pos­ten­weg der Grenz­trup­pen der DDR. Die­sen Rad­weg wür­de ich gern erhal­ten. Ich wür­de des­halb vor­schla­gen, dass die Bewa­chung von der ande­ren Sei­te der Mau­er aus erfolgt.

Der ehe­ma­li­ge Pos­ten­weg der Grenz­trup­pen der DDR führt 165km um West-Ber­lin. Zum Teil durch blü­hen­de Land­schaf­ten. Auch der Grenz­be­reich zum rest­li­chen Bun­des­ge­biet ist heu­te ein grü­nes Band und soll­te als sol­ches erhal­ten blei­ben. Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Die Alter­na­ti­ve, die Mar­tin Son­ne­born ins Gespräch gebracht hat, ist, für Ber­lin eine Aus­nah­me zu machen und ein­fach einen ande­ren Bereich als das his­to­ri­sche West-Ber­lin ein­zu­mau­ern. Er hat den Prenz­lau­er Berg vor­ge­schla­gen. Da dort inzwi­schen 90% der ursprüng­lich ost­deut­schen Bevöl­ke­rung nicht mehr wohnt (ich bin auch vor 10 Jah­ren weg­ge­zo­gen), kann man das als West-Ber­lin gel­ten las­sen. Mir scheint das eine adäqua­te Lösung zu sein.

Antifaschistischer Schutzwall

Die ursprüng­li­che Idee der Mau­er war, einen anti­fa­schis­ti­schen Schutz­wall zu errich­ten. Als net­ter Neben­ef­fekt aus Sicht der Staats­füh­rung war es außer ein paar Bal­lon­fah­rern den Men­schen aus der DDR nicht mehr mög­lich, das Land zu ver­las­sen, so dass es nicht öko­no­misch aus­blu­te­te.1

Der Film „Bal­lon“ zeigt, dass es weder tech­nisch noch logis­tisch ein­fach war, einen Bal­lon für die Flucht zu bau­en. Men­schen kamen bei ent­spre­chen­den Flucht­ver­su­chen ums Leben. Einer Thü­rin­ger Fami­lie gelang beim zwei­ten Ver­such die Flucht nach Franken.

Da nach der Wen­de, nach­dem die Mau­er geöff­net wur­de, nun aber alle, die woll­ten, und eini­ge, die nicht woll­ten aber trotz blü­hen­der Land­schaf­ten hier kei­ne Per­spek­ti­ve mehr gese­hen haben, das Land ver­las­sen haben, ist die­se Funk­ti­on der Mau­er hin­fäl­lig gewor­den.2

Die ande­re Funk­ti­on der Mau­er, die des anti­fa­schis­ti­schen Schutz­walls, konn­te sie lei­der nach 1989 auch nicht mehr erfül­len. So kamen vie­le Alt-Nazis zurück und noch neue dazu. Mei­ne Bedin­gung für den Wie­der­auf­bau der Mau­er wäre also, dass die West-Nazis aus­ge­wie­sen wer­den. Das betrifft ins­be­son­de­re fol­gen­de Personen:

Karl-Heinz Hoffmann

Karl-Heinz Hoff­mann, der die DDR 1953 ver­las­sen hat, im Wes­ten 1973 die Wehr­sport­grup­pe Hoff­mann gegrün­det und mit 400–600 mili­tan­ten Neo­na­zis bis zu sei­ner Fest­nah­me 1981betrieben hat. Nach einem Gefäng­nis­auf­ent­halt kam er gera­de pas­send zur Wen­de wegen guter Füh­rung ohne jeg­li­che Auf­la­gen wie­der raus und hat im Osten in sei­ner Hei­mat­stadt Kah­la das getan, was man halt so tut als Nazi (inklu­si­ve NSU). Er bezeich­net sich selbst immer noch als Faschisten.

„Nazis neh­men uns die Arbeits­plät­ze weg!“ Graf­fi­to in Kah­la, 22.07.2013 Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY 

Leitende AfD-Mitglieder

Die Lan­des­vor­sit­zen­den etc. der AfD, zum Teil bekann­te Neo-Nazis und Mit­glie­der des rechts­ex­tre­men Flügels:

  • Den­nis Augus­tin (Lan­des­vor­sit­zen­der Meck­len­burg-Vor­po­mern aus Ham­burg, 2017–2019, NPD-Mit­glied, 2019 wegen Ver­heim­li­chung der NPD-Mit­glied­schaft ausgeschlossen)
  • Ste­phan Brand­ner (Spit­zen­kan­di­dat der AfD Thü­rin­gen zur Bun­des­tags­wahl 2017. Zuvor Thü­rin­ger Land­tag aus Her­ten, NRW, wegen Anti­se­mi­tis­mus aus dem Rechts­aus­schuss des Bun­des­ta­ges ausgeschlossen)
  • Hei­ko Heß­enk­em­per (Lan­des­lis­te auf Platz 6 der AfD Sach­sen 2017 aus Hamm)
  • Björn Höcke (Lan­des­vor­sit­zen­der AfD Thü­rin­gen, aus Lünen, Westfalen)
  • Andre­as Kal­bitz (ehem. Lan­des­vor­sit­zen­der Bran­den­burg, aus München)
  • Jens Mei­er (Bre­men, 2017 über Lan­des­lis­te Sach­sen (Platz 2) in den Bun­des­tag ein­ge­zo­gen, vom Säch­si­schen Ver­fas­sungs­schutz als rechts­ex­trem ein­ge­stuft, er war Obman des Flügels)
  • Mar­tin Rei­chardt (Lan­des­chef AfD Sach­sen-Anhalt, aus Gos­lar, Niedersachsen)
  • Dr. phil. Hans-Tho­mas Till­schnei­der (Land­tag von Sach­sen-Anhalt, aus Freu­den­stadt, Baden-Würt­tem­berg, Flü­gel)

(Eine Auf­lis­tung von AfD-Nazis, die auch im Wes­ten arbei­ten­de ein­schließt, sie­he Der Ossi ist nicht demo­kra­tiefä­hig. Merkt Ihr’s noch?)

Den ehemaligen Verfassungschutzchef

Der ehe­ma­li­ge Ver­fas­sungs­schutz­chef Hans-Georg Maaßen (CDU, Mön­chen­glad­bach, Nord­rhein-West­fa­len) konn­te bei und nach Demos in Chem­nitz, zu denen die rechts­ex­tre­men „Bür­ger­be­we­gung Pro Chemitz“, Pegi­da und die AfD auf­ge­ru­fen hat­te, kei­ne Hetz­jag­den erken­nen und es hat ein Jahr gebraucht, bis dann irgend­wie doch klar war, dass es Hetz­jag­den gab und Maaßen als Ver­fas­sungs­schutz­chef ent­las­sen wurde. 

Das berühm­te Hase-Du-bleibst-hier-Video

Man könn­te mei­nen, er hat nur getan, was Ver­fas­sungschutz­chefs halt so tun, aber er ist ein ech­ter Nazi. Wer’s nicht glaubt, möge sich den fol­gen­den Zusam­men­schnitt anse­hen, in dem er in Bezug auf die Kli­ma­schutz­maß­nah­men Deutsch­lands doch tat­säch­lich sagt: „Wir kön­nen nicht die gan­ze Welt ret­ten, das haben wir schon zwei­mal versucht“.

Maaßen, ein AfD-freund­li­cher Anwalt und jemand mit merk­wür­di­gen Auf­fas­sun­gen zur deut­schen Geschich­te, kan­di­diert nun in Thü­rin­gen für die CDU. Bit­te nehmt ihn zurück!3 4

Um gegen die Pro­tes­te der rechts­ex­tre­men „Bür­ger­be­we­gung Pro Chemitz“, Pegi­da und AfD mit meh­re­ren Tau­send Teilnehmer*innen zu pro­tes­tie­ren, hat die Chem­nit­zer Band Kraft­klub die Kund­ge­bung „Wir sind mehr“ orga­ni­siert, an der 65.000 Antifaschist*innen teil­ge­nom­men haben, Chem­nitz 03.09.2018, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY-NC-ND

Inzwi­schen sind eini­ge der Nazis im Osten ange­wach­sen, haben gehei­ra­tet und Kin­der bekom­men. Die­se Fami­li­en zu tren­nen, ist natür­lich hart, aber sol­che nach­ran­gi­gen Aspek­te haben bei Abschie­bun­gen eigent­lich noch nie eine Rol­le gespielt. Übrig geblie­be­ne Kin­der könn­te man kurz vor der Gren­ze in Hei­me ste­cken. Dan­ke Trump, wäre ich von allein nicht drauf gekommen.

Reisefreiheit

Wegen der Rei­se­frei­heit hat­te ich ursprüng­lich etwas Sor­gen, aber beim Ste­fan-Mül­ler-Cas­ting der Par­tei Die PARTEI Erlan­gen wur­de mir erklärt, dass ich als Kan­di­dat der Par­tei Die PARTEI einen Aus­weis bekom­men wür­de, auf dem steht, dass der Besit­zer des Aus­wei­ses über­all durch darf. Somit wäre es mir trotz Wohn­sitz in Ber­lin mög­lich, mei­ne Wähler*innen in Erlan­gen zu besu­chen. Ande­re Men­schen müss­ten auch nur in die Par­tei ein­tre­ten, um in den Wes­ten rei­sen zu kön­nen. Das ist so ähn­lich wie frü­her, wo Rei­se­ka­der ja auch noch zu Leb­zei­ten in den Wes­ten durften.

Das dürf­te zu einer Wel­le von PAR­TEI-Ein­trit­ten füh­ren und auf die­se Wei­se wür­de die Wen­de 2.0 glatt ohne AfD stattfinden.

Bernd Höcke war zur Wen­de noch ganz klein und ist in West­fa­len in die Schu­le gegan­gen. 2019 fasel­te er von der Wen­de 2.0.

Anhang: Offene Fragen

Unge­klärt ist, wie demo­kra­tisch gewähl­te Vertreter*innen unde­mo­kra­ti­scher Par­tei­en dann in Ber­lin ihren Auf­ga­ben nach­ge­hen sol­len, denn sie könn­ten nicht durch die SBZ fah­ren. Hier scheint es nur die Mög­lich­keit eines Innen­stadt­flug­ha­fens zu geben. Das ist wegen der Lärm­be­läs­ti­gung ein Pro­blem und außer­dem gibt es im Prenz­lau­er Berg kei­ne Flä­chen, die für Lan­de­bah­nen groß genug wären. Die prak­ti­ka­bels­te Vari­an­te wäre des­halb wohl ein Shut­tle mit Ballons.

Nachtrag

Es soll nie­mand den­ken, ich wür­de wirk­lich die Mau­er gern wie­der­ha­ben. Ich bin sehr froh, in einem Land zu leben, in dem ich Mar­kus Söder einen Heuch­ler nen­nen kann.

Quellen

Duwe, Sil­vio & Pohl, Mar­kus. 2021. Ver­fas­sungs­schüt­zer über Maaßen: „Klas­si­sche anti­se­mi­ti­sche Ste­reo­ty­pe“. tages­schau. (https://www.tagesschau.de/investigativ/kontraste/maassen-antisemitismus-101.html)

Her­big, Micha­el. 2018. Bal­lon. (https://www.youtube.com/watch?v=IUM_s2EusXI)

Hues­mann, Felix & Stern­berg, Jan. 2021. Ver­brei­tet Hans-Georg Maaßen anti­se­mi­ti­sche Inhal­te? Das ist an dem Vor­wurf dran. RND Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land. (https://www.rnd.de/politik/luisa-neubauer-gegen-hans-georg-maassen-was-ist-an-dem-antisemitismus-vorwurf-dran-3LRKI2EAKZAONMNGHRPEPKY6JU.html)

Mau, Stef­fen. 2020. Lüt­ten Klein: Leben in der ost­deut­schen Trans­for­ma­ti­ons­ge­sell­schaft (Schrif­ten­rei­he 10490). Bonn: Zen­tra­le für Poli­ti­sche Bil­dung. (https://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/303713/luetten-klein)

Tages­schau. 07.09.2018. Chem­nitz: Maaßen bezwei­felt Hetz­jagd und sorgt für Dis­kus­si­on über Video. (https://www.youtube.com/watch?v=bLaWN4_cnJg)

Nachhaltigkeit, Lobbyismus, Transparenz und der Politikkodex

Der Politikkodex

Ein füh­ren­des Mit­glied der Par­tei Die PARTEI hat mich dar­um gebe­ten, den Poli­tik­ko­dex zu unter­schrei­ben. Dabei geht es um Trans­pa­renz und dar­um Lob­by­is­mus zu erschwe­ren. Die Höchst­sät­ze für pri­va­te Zuwen­dun­gen und Par­tei­spen­den sol­len redu­ziert wer­den und von Unter­zeich­ne­rin­nen wird erwar­tet, dass sie Fir­men­be­tei­li­gun­gen und ande­re poten­ti­ell ihre Hal­tung als poli­ti­sche Mandatsträger*innen beein­flus­sen­de Fak­to­ren offen­le­gen. Ich hal­te Lob­by­is­mus für eins der Grund­übel unse­rer Zeit und auch für einen der wich­tigs­ten Grün­de dafür, war­um die Regie­rung uns Kli­ma­päck­chen schickt und der Koh­le­indus­trie Mil­li­ar­den schenkt, statt ein­fach den Markt ent­schei­den zu las­sen (in UK sind die Koh­le­kraft­wer­ke unren­ta­bel und schlie­ßen selbst) bzw. einen Bruch­teil der Ent­schä­di­gun­gen nimmt und RWE kauft und dicht macht (der Bör­sen­wert ist nicht hoch). Auto­in­dus­trie und Tem­po­li­mit ist eine ande­re Geschich­te. Also: Poli­tik­ko­dex hurra! 

Neben­be­mer­kung: Der Mann, gegen den ich antre­te, scheint das irgend­wie anders zu sehen. Er hat im Bun­des­tag gegen Trans­pa­renz­reg­lun­gen gestimmt.

Der zur Zeit in den Bun­des­tag abge­ord­ne­te Ste­fan Mül­ler hat gegen Trans­pa­renz­reg­lun­gen für Abge­ord­ne­te gestimmt. Quel­le: Abge­ord­ne­ten­watch.

Beim Nach­den­ken über den Poli­tik­ko­dex ist mir auf­ge­fal­len, dass ich an sehr, sehr vie­len Fir­men betei­ligt bin. Eine ist ein Bank und eine ande­re habe ich sogar selbst mit­ge­grün­det. Also hier jetzt der Trans­pa­renz­post. Ich hof­fe, dass mich danach noch jemand wählt. Trotz der hef­ti­gen Ver­stri­ckun­gen in lokal, natio­nal und glo­bal agie­ren­de Fir­men und mei­ner Nebentätigkeit.

Aber fan­gen wir viel­leicht mit etwas an, das mir leicht­fällt: Trans­pa­renz und Dienstreisen.

Transparenz

Der Poli­tik­ko­dex ver­langt die Offen­le­gung von Kon­tak­ten mit Interessenvertreter*innen:

2.10 Kontakte/Treffen mit Interessenvertreter*innen mit Nen­nung des Datums, des The­mas, der Per­son, der Insti­tu­ti­on, der Agen­tur, der Kanz­lei, der Denk­fa­brik etc. trans­pa­rent machen (z.B. durch Ver­öf­fent­li­chung auf der eige­nen Internetseite).

Ich wer­de alles, was ich tue, auf twit­ter bekannt­ge­ben (mache ich jetzt schon). Ich fol­ge dabei dem Vor­bild von Julia Klöck­ner, die ihr Tref­fen mit Nest­lé eben­falls auf twit­ter bekannt­ge­ge­ben hat:

Video aus einem Tweet vom 03.06.2019 von Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner (CDU) zu einem Tref­fen mit Nestlé

Ich ver­spre­che eben­falls, dass ich vor einem etwai­gen Tref­fen mit Vertreter*innen von Nest­lé, den Film We feed the world – Essen glo­bal min­des­tens drei mal anse­hen wer­de (ein Mal war schon schlimm genug).

Dienstreisen

Der Poli­tik­ko­dex ver­langt von Kan­di­die­ren­den und poli­ti­schen Man­dats- und Amtsträger*innen, Dienst­rei­sen öffent­lich zu machen und Flug­rei­sen zu reduzieren:

2.17 Dienst­rei­sen ins Aus­land mit einem Rei­se­be­richt öffent­lich trans­pa­rent machen unter Offen­le­gung des Rei­se­ziels, des/der Ein­la­den­den und der Kos­ten­tra­gung. Flug­rei­sen redu­zie­ren und wenn mög­lich durch Video­kon­fe­ren­zen ersetzen.

2.18 Amts-/Man­dats­tä­tig­keit so umwelt­scho­nend wie mög­lich aus­üben (dies gilt in beson­de­rer Wei­se für Rei­sen und dienst­li­che Mobilität).

Aus­zü­ge aus dem Polit­ko­dex, 18.04.2021

Ich bin in mei­nem Leben viel gereist. Haupt­säch­lich dienst­lich. Das ist auf mei­ner wis­sen­schaft­li­chen Web-Sei­te doku­men­tiert. Pri­vat flie­ge ich seit 2008 nicht mehr. Und seit August 2019 flie­ge ich über­haupt nicht mehr. Ich habe aktiv für die Schlie­ßung des Flug­ha­fens Tegel gekämpft und mit Kolleg*innen von Scientist4Future in Berlin/Brandenburg eine Akti­on zur Selbst­ver­pflich­tung von Wissenschaftler*innen zum Ver­zicht auf dienst­li­che Kurz­stre­cken­flü­ge durchgeführt.

Ver­kün­dung der Ergeb­nis­se der Selbst­ver­pflich­tungs­ak­ti­on gegen Kurz­stre­cken­flü­ge bei Fri­day­s4­Fu­ture-Demo am Bran­den­bur­ger Tor, Ber­lin, 20.09.2019. Die mei­ne Uni, die Hum­boldt-Uni­ve­ris­tät, hat­te sowohl pro­zen­tu­al als auch abso­lut das bes­te Ergebnis.

Die Akti­on wur­de dann als #unter1000 auf das gesam­te Bun­des­ge­biet aus­ge­wei­tet (unter1000.scientists4future.org) und bis Coro­na das Inter­es­se am Flie­gen bzw. Nicht-Flie­gen gegroun­det hat, haben wir 4141 Ver­pflich­tun­gen von an deut­schen For­schungs­ein­rich­tun­gen täti­gen Wissenschaftler*innen eingesammelt.

2.19 Kos­ten der Amts-/Man­dats­tä­tig­keit so gering wie mög­lich halten.

Aus­zug aus dem Polit­ko­dex, 18.04.2021

Der Punkt 2.19 steht zur Zeit lei­der im Wider­spruch zu Punkt 2.17 und 2.18. Das liegt dar­an, dass Flug­rei­sen oft bil­li­ger sind als die viel öko­lo­gi­sche­ren Zug­rei­sen. Mit die­sem The­ma haben wir uns bei S4F schon beschäf­tigt. Als Bun­des­tags­abe­ord­ne­ter wer­de ich mich dafür ein­set­zen, dass die Befrei­ung des Flug­ver­kehrs von der Kero­sin­steu­er been­det wird und dass die Ton­ne CO2 wie vom Umwelt­bun­des­amt vor­ge­schla­gen mit min­des­tens 180€ ein­ge­preist wird und somit Flug­rei­sen nur ihren rea­len Kos­ten ent­spre­chend ange­bo­ten wer­den kön­nen. Damit wäre die Bahn dann wie­der billiger.

So viel zu Umwelt- und Nach­hal­tig­keits­fra­gen. Nun zu mei­nen Firmenbeteiligungen.

Firmenbeiteiligungen

Taz, die Tageszeitung Verlagsgenossenschaft eG

Die Fir­ma, an der ich die meis­ten Antei­le besit­ze, ist die taz. Ich bin Genos­sen­schaft­ler und habe Antei­le im Wert von 2500€ gekauft. Die­se Antei­le ver­lie­ren stän­dig an Wert. 2018 betrug der Wert 84,25% der Ein­zah­lungs­sum­me. Ich weiß das so genau, weil ich mei­ne Antei­le 2019 kurz mal gekün­digt habe, weil ich Geld für das Demo­kra­tie-Kli­ma-Pro­jekt 120620olympia brauch­te und die taz durch ihre Bericht­erstat­tung (taz lügt nicht) dazu bei­getra­gen hat­te, dass die 2 Mil­lio­nen Euro, die per Crouwd-Fun­ding ein­ge­sam­melt wur­den, fast nicht zusam­men gekom­men wären (sie­he War­um mein taz-Kre­dit­plan nicht funk­tio­nert hat). taz-Genosenschaftler*innen bekom­men von der Genos­sen­schaft kein Geld. Dafür aber eine gute Zeitung.

Kräutergarten Pommerland eG

Außer­dem besit­ze ich für 500€ Antei­le an der Kräu­ter­gar­ten Pom­mer­land eG. Die machen den leckers­ten Kräu­ter­tee der Welt. Irgend­wann hat­te unser Dea­ler die aus­ge­lis­tet, da habe ich die Din­ge selbst in die Hand genom­men. Der Kräu­ter­gar­ten ist eben­falls als Genos­sen­schaft orga­ni­siert. Geld haben die Genossenschaftler*innen noch nie bekom­men. Dafür guten Tee.

BRD GmbH

Nein! Die BRD GmbH gibt’s gar nicht. Das ist Nazi-Quatsch. Da kommt nichts bei raus. Kein Geld, kei­ne Zei­tung, kein Tee, kein Öko­strom. Nur Ärger. Hof­fent­lich Ärger.

GLS Bank eG

Ich besit­ze auch eine Bank. Also einen Teil einer Bank. Ich habe Genos­sen­schafts­an­tei­le für 500€ gezeich­net. GLS steht für „Gemein­schafts­bank für Lei­hen und Schen­ken“. Wie bescheu­ert ist das denn? Eine Bank, die Geld ver­schenkt? Ja, da muss man schon ziem­lich idea­lis­tisch drauf sein. Die GLS Bank för­dert nach­hal­ti­ge Pro­jek­te. Frü­her wur­de das über nied­ri­ge­re Zin­sen für die Anleger*innen finan­ziert. Da es zur Zeit aber für nie­man­den Zin­sen gibt, ist es etwas schwie­rig. Geld bringt mir die­ses Invest­ment also keins. Aber gute Laune.

SoGeLa eG

Mei­ne kom­mer­zi­ell erfolg­reichs­te Fir­men­be­tei­li­gung ist die an der SoGe­La (Solar­ge­nos­sen­schaft Lau­sitz eG). Auf die SoGe­LA bin ich durch einen Arti­kel in der taz auf­merk­sam gewor­den (Solar­dä­cher statt Abraum­hal­den). Vat­ten­fall woll­te 2011 die Dör­fer Kerk­witz, Atter­wasch und Grab­ko weg­bag­gern. Die Anwohner*innen von Kerk­witz hat­ten die Idee, Vat­ten­fall maxi­mal effek­tiv und sym­bo­lisch zu ärgern. Sie haben eine Genos­sen­schaft gegrün­det, die Solar­zel­len auf das loka­le Feu­er­weh­haus gebaut hat. Soll­te der Ort weg­ge­bag­gert wer­den, so muss Vat­ten­fall (bzw. deren Nach­fol­ger) die Solar­ge­nos­sen­schaft ent­schä­di­gen. Alle Mit­glie­der der Genos­sen­schaft sind betrof­fen und kön­nen sich auch in loka­le Ver­fah­ren einbringen.

Ich hat­te die­ses Invest­ment eigent­lich als eine Spen­de gese­hen: Zurück kommt kein Geld, aber guter Strom. Doch dann: 2020 ein Brief mit Mit­tei­lung zur Gewinn­aus­schüt­tung. Hey, ho. Gutes tun und dabei reich werden!

Mei­ne bis­her finan­zi­ell erfolg­reichs­te Fir­men­be­tei­li­gung bei der Solar­ge­nos­sen­schaft Lau­sitz: 73,08€ in fünf Jah­ren. Das sind 14,61€ pro Jahr!

Language Science Press 

Ich höre sie/Sie jetzt schon fra­gen: „Was? Der will der CSU Kon­kur­renz machen? Kann der denn über­haupt Wirt­schaft?“ Dar­auf habe ich zwei Ant­wor­ten: 1) Alle mei­ne Fir­men gibt es noch nach meh­re­ren Jah­ren. Das ist bei Grö­ßen aus Par­tei­en, die als wirt­schafts­kom­pe­tent gel­ten, nicht der Fall (Wiki­pe­dia-Ein­trag: Chris­ti­an Lind­ner). 2) Mei­ne erfolg­reichs­te Fir­men­grün­dung ist eine gemein­nüt­zi­ge GmbH, die den Ver­lag Lan­guage Sci­ence Press betreibt und die ich 2017 gemein­sam mit Mar­tin Has­pel­math und Sebas­ti­an Nord­hoff (aus Erlan­gen) gegrün­det habe. Lan­guage Sci­ence Press ist inzwi­schen im Mil­lio­nen­be­reich: Wir haben 1 Mil­li­on Down­loads von Open-Access-Büchern erreicht. Lan­guage Sci­ence Press ist ein glo­bal agie­ren­der Ver­lag, der von 115 Part­ner­in­sti­tu­tio­nen finan­ziert wird (z.B. Har­vard, MIT, Edin­burgh, Erlan­gen). Die­se bezah­len für 30 Bücher pro Jahr jeweils 1000€. 

Noam Chom­skys Unter­stüt­zung für Lan­guage Sci­ence Press, Ver­lags­ma­te­ri­al, 21.03.2017

Die Abbil­dung zeigt Noam Chom­sky vom MIT, der uns in der ers­ten Finan­zie­rungs­pha­se zusam­men mit Ste­ve Pin­ker (Har­vard) und Ade­le Gold­berg (Prince­ton) unter­stützt hat. 2020 war die zwei­te Finan­zie­rungs­pha­se erfolg­reich und Lan­guage Sci­ence Press hat jetzt über 170 Titel von über 1000 Autor*innen in 26 Buch­rei­hen veröffentlicht. 

Fly­er von Lan­guage Sci­ence Press mit Infor­ma­tio­nen zu Buch­rei­hen, der Anzahl der Bücher, Autor*innen und Down­loads, 2/2021

Da die GmbH gemein­nüt­zig ist, dür­fen wir kei­nen Gewinn machen. Bis­her wur­den 0,00€ an mich aus­ge­schüt­tet, und das wird auch so blei­ben. Der Zweck des Ver­la­ges war es, das Publi­ka­ti­ons­pro­blem (unzu­gäng­li­che Publi­ka­tio­nen bei astro­no­misch wach­sen­den Prei­sen und sin­ken­dem Ser­vice durch Wis­sen­schafts­ver­la­ge wie Else­vier, Sprin­ger, Wiley und De Gruy­ter) zu lösen. Wir haben die­ses Pro­blem gelöst. Zumin­dest für die Sprach­wis­sen­schaft. Zur Wirt­schafts­kom­pe­tenz: Wir haben gemein­sam mit der Öko­no­min Debo­ra Sil­ler ein Geschäfts­mo­dell ent­wi­ckelt (Nord­hoff, 2018). Die­ses ist öffent­lich zugäng­lich und wir hof­fen auf Nachahmer*innen aus ande­ren Dis­zi­pli­nen oder auch aus der Sprach­wis­sen­schaft selbst. 

Im Bun­des­tag wer­de ich mich natür­lich für Open Access ein­set­zen: Aus Steu­er­mit­teln finan­zier­te For­schung muss der All­ge­mein­heit zugäng­lich sein und darf nicht hin­ter Pay­walls ver­schwin­den. Auf­grund der Oli­go­pol­struk­tu­ren im Ver­lags­we­sen wer­den Mond­prei­se für wis­sen­schaft­li­che Ver­öf­fent­li­chun­gen ver­langt. Die­se Miss­stän­de gilt es zu besei­ti­gen. Uni­ver­si­tä­ten und die DFG arbei­ten daran.

Nebentätigkeiten

Ich pho­to­gra­phie­re Musik-Events. Als ich die Che­fin der Photograph*innenvereinigung zum ers­ten Mal getrof­fen habe und wir den Ver­trag bespro­chen haben, habe ich gesagt, dass ich es gut fän­de, wenn die Kame­ra dabei raus­kä­me. Sie hat mich gar nicht ver­stan­den. Sie dach­te, ich hät­te das The­ma gewech­selt und wür­de mich dar­auf freu­en, dass es bald ein neu­es Kame­ra­mo­dell zu kau­fen gibt. In der Event-Pho­to­gra­phie ver­dient man heut­zu­ta­ge kein Geld mehr.

Bild von mir in der taz vom 28.09.2018. Das Bild ist 2018 bei „Wir sind mehr“ in Chem­nitz entstanden.

Frü­her hat man bei der taz so 100 DM pro Bild bekom­men und die taz hat am wenigs­ten bezahlt (nie­mand ver­dient viel Geld bei der taz). Für das Nura-Bild kamen bei mir 6€ Hono­rar an. Der Ver­trieb von Pho­tos kann auf ver­schie­de­ne Arten erfol­gen. Für die Photograph*innen ist es das Bes­te, direkt an Zei­tun­gen zu ver­kau­fen, aber das ist nicht ein­fach, denn direk­ter Kon­takt ist für die Redak­tio­nen zu auf­wen­dig und somit zu teu­er. Heut­zu­ta­ge läuft alles über Daten­ban­ken und Bild­agen­tu­ren (ima­go, pic­tu­re alli­an­ce). Die taz hat das Bild bei Ima­go gekauft und X€ dafür bezahlt. Einen Teil davon hat ima­go an mei­ne Che­fin wei­ter­ge­ge­ben, die unse­re Daten­bank ver­wal­tet und Bil­der an Redak­tio­nen ver­teilt, und einen Teil davon habe ich bekom­men. So läuft’s.

Aber das ist nicht alles. Es ist nicht nur so, dass die Ein­nah­men pro Bild dra­ma­tisch gesun­ken sind (regelt der Markt …). Die Zei­tun­gen ver­wen­den ein­fach skru­pel­los irgend­wel­che Han­dy­bil­der ihrer Redakteur*innen. Wahr­schein­lich fin­den das die Leser*innen nicht ein­mal schlimm. Wenn ich im Bun­des­tag für irgend­et­was lob­by­ie­ren wür­de, dann für eine gute visu­el­le Erzie­hung und künst­le­ri­sche Ausbildung. 

Vermögenslage

Ich bin seit 1994 im öffent­li­chen Dienst und in der Pri­vat­wirt­schaft beschäf­tigt gewe­sen. Von 1994–1996 als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter und ich hat­te das gro­ße Glück, eine gan­ze Stel­le zu bekom­men. Danach 1997–2003 an der DFKI GmbH in Saar­brü­cken. Die Tari­fe dort waren damals an IG-Metall-Tari­fe ange­lehnt, d.h. sie lagen deut­lich über denen des öffent­li­chen Diens­tes. Das, was ich da mehr bekom­men habe, habe ich aber gleich bei der Deut­schen Bahn abge­ge­ben. Danach hat­te ich diver­se Pro­fes­su­ren (W1 in Bre­men, W3 an der FU Ber­lin und der HU Ber­lin). Was man da ver­dient, kann man in ent­spre­chen­den Tabel­len im Netz nachlesen.

Das Geld habe ich alles ver­prasst! Mit teu­ren Ein­käu­fen im Bio-Laden und einer neu­en Kame­ra alle vier Jah­re (ich arbei­te im Low-Light-Bereich, da zählt jeder ISO-Schritt). Außer­dem für Kla­mot­ten. Also ich selbst habe seit 1994 immer die­sel­ben Sachen ange­zo­gen, aber die Kin­der haben prak­tisch täg­lich ande­re Kon­fek­ti­ons­grö­ßen und die sze­ne­ty­pi­sche Klei­dung ist sehr teuer.

Demons­tra­ti­ons­teil­neh­me­rin­nen demons­trie­ren bei der Fri­days­For­Fu­ture-Demo #Neu­start­Kli­ma für fair fashion und gegen fast fashion, Ber­lin, 29.11.19

Was dann noch übrig ist, geht in das Taschen­geld der Kin­der (Aber die Mar­le­ne bekommt viel mehr!). Da die Kin­der Öko-Kin­der sind (also Kin­der von Ökos), dür­fen sie sich für das Taschen­geld nichts kau­fen. Sie müs­sen es in Kli­ma­fonds anle­gen. Sie sind inzwi­schen sehr reich.

Da ich aus dem Osten bin, gibt es kein ande­res Ver­mö­gen wie zum Bei­spiel geerb­tes Geld, Häu­ser oder Woh­nun­gen (sie­he auch Mau, 2020: 171). Alles, was ich besit­ze, stammt aus mei­nen Gehäl­tern, Anla­gen bzw. von der SoGeLa.

Pro­ble­me mit geschenk­ten Eigen­tums­woh­nun­gen haben Ossis eher selten

Literatur

Drib­busch, Bar­ba­ra. 2021. Umver­tei­lung der Steu­er­last: Ran an die Ober­mit­tel­schicht! taz. 17.04.2021, S. 11

Mau, Stef­fen. 2020. Lüt­ten Klein: Leben in der ost­deut­schen Trans­for­ma­ti­ons­ge­sell­schaft (Schrif­ten­rei­he 10490). Bonn: Zen­tra­le für Poli­ti­sche Bil­dung. (https://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/303713/luetten-klein)

Nord­hoff, Sebas­ti­an. 2018. Lan­guage Sci­ence Press busi­ness model. Ber­lin: Lan­guage Sci­ence Press. (https://doi.org/10.5281/zenodo.1286972)

Was qualifiziert Sie für den Bundestag?

In die­sem Bei­trag bespre­che ich die Vor­aus­set­zun­gen für eine Wahl in den Bun­des­tag, das Pro­blem, das die gegen­wär­ti­gen Kri­sen für die Demo­kra­tie dar­stel­len und Mög­lich­kei­ten zur Erwei­te­rung der­sel­ben. Ein abschlie­ßen­der Abschnitt ist den Mensch­heits­kri­sen und sich dar­aus erge­ben­den neu­en Anfor­de­run­gen an Politiker*innen gewidmet.

Voraussetzungen für die Wahl

Als ich mit mei­nen Eltern über mei­ne Bun­des­tags­kan­di­da­tur für Die PARTEI Erlan­gen gespro­chen habe, waren sie skep­tisch. Mein Vater war der Mei­nung, dass das doch Men­schen machen soll­ten, die etwas ent­spre­chen­des stu­diert haben. Poli­tik­wis­sen­schaf­ten, oder so. Tja, so sind wir, wir Ossis. Wir fra­gen uns, ob wir Din­ge kön­nen, und im Zwei­fels­fall las­sen wir die Blen­der vor (hat­te ich Andre­as Scheu­er, MA mit sei­nem Fake-Dok­tor­ti­tel schon erwähnt?), die ein­fach selbst­be­wusst auf­tre­ten. Es gibt dazu einen schö­nen Witz aus Nach­wen­de­zei­ten: Fra­ge: „War­um dau­ert das Abitur im Wes­ten 13 Jah­re, aber im Osten nur 12 Jah­re?“ Anwort: „Weil im Wes­ten noch ein Jahr Schau­spiel­un­ter­richt dabei ist!“ Regi­ne Hil­de­brandt (1990 Minis­te­rin für Arbeit, Sozia­les, Gesund­heit und Frau­en in Bran­den­burg) erzählt ihn sehr gut zum Anfang einer MDR-Doku­men­ta­ti­on über Ost-Frauen:

Teil 2 der MDR-Doku­men­ta­ti­on über Ost­frau­en beginnt mit einem Wes­si-Witz aus den 90ern über das 13jährige Abitur

Ich per­sön­lich kann mich über man­geln­des Selbst­ver­trau­en nicht bekla­gen. Das liegt aller­dings dar­an, dass ich Wis­sen­schaft­ler bin und da ist die Sach­la­ge oft sehr klar. Ich hat­te ein­fach immer Recht. Also meis­tens. Also aus­rei­chend oft.1

Was qua­li­fi­ziert einen dazu, in den Bun­des­tag zu gehen? Muss man Politikwissenschaftler*in sein? Nein, 2013 kan­di­dier­te ein Kol­le­ge, eben­falls Sprach­wis­sen­schaft­ler, für eine damals gera­de neu gegrün­de­te Par­tei. Das fand nie­mand lus­tig. Nun kan­di­die­re ich für Die PARTEI. Das fin­den hof­fent­lich eini­ge lus­tig. Der Huf­ei­sen-Ste­fan Mül­ler von der CSU, gegen den ich antre­te, ist Bank­fach­wirt, vie­le CSU-Mit­glie­der sind Bau­ern. Julia Klöck­ner ist Wein­kö­ni­gin. Sie kann sehr gut lächeln. Das ist genau die Qua­li­fi­ka­ti­on, die sie braucht. Zum Bei­spiel zum Kuscheln mit Nestlé:

Video aus einem Tweet vom 03.06.2019 von Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner (CDU) zu einem Tref­fen mit Nestlé

Julia Klöck­ner sagt in ihrem Bei­trag, dass sie in ihrem Gespräch mit Nest­lé viel Neu­es erfah­ren hat. Über Nest­lé hät­te sie schon vor­her viel erfah­ren kön­nen. Zum Bei­spiel aus dem Film We feed the world – Essen glo­bal. Ich will das hier nicht zusam­men­fas­sen, da bekom­me ich nur schlech­te Lau­ne. Guckt Euch den Film ein­fach an.

Lobbyismus und Repräsentativität

Aber jetzt ganz im Ernst: Der Bun­des­tag besteht aus vom Volk gewähl­ten Vertreter*innen, die die Inter­es­sen der Wähler*innen bzw. von Grup­pen von Wähler*innen ver­tre­ten sol­len. Also eigent­lich Lob­by­is­mus. Vie­le CDU/C­SU-Abge­ord­ne­te sind (Groß-)Bauern und sit­zen auch im Agrar­aus­schuss des Bun­des­ta­ges (62% der CSU/CDU, 25% der Grü­nen, 0% bei den ande­ren, taz, 17.03.2021). Außer ihrer Par­tei­mit­glied­schaft haben sie kei­ne beson­de­re Qua­li­fi­ka­ti­on. Auch das ist in Ord­nung (aber sie­he unten). Das ein­zi­ge Pro­blem ist, dass Lob­by­is­mus in CDU/CSU und lei­der auch der SPD bis­her intrans­pa­rent geblie­ben ist und dass die CDU/CSU sich gegen ent­spre­chen­de Geset­ze gewehrt hat. 

Mar­co Bülow (Ex-SPD, jetzt Die PARTEI) spricht beim Kli­ma­mon­tag von Berlin4Future über Kor­rup­ti­on und Lob­by­is­mus, Ber­lin, Alex­an­der­platz, 07.09.20, Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Es muss trans­pa­rent sein, wer was im Bun­des­tag macht und was dabei die Inter­es­sen der jewei­li­gen Per­son sind oder sein könn­ten. Dann kön­nen Wähler*innen frei ent­schei­den, ob sie jeman­den wäh­len wol­len oder nicht. 

Grob ver­ein­facht kann man also als Grund­vor­aus­set­zung für ein Bun­des­tags­man­dat eine Par­tei­zu­ge­hö­rig­keit, die Fähig­keit zu lächeln2 und Men­schen zu begeis­tern und für gewis­se Posi­tio­nen die Fähig­keit zu füh­ren anneh­men. Reicht das für eine funk­tio­nie­ren­de Demo­kra­tie? Lei­der nicht, denn der Bun­des­tag ist nicht divers genug. Küp­pers­busch fasst zusammen: 

„Von der Idee, alle Stän­de und Beru­fe im Par­la­ment ver­tre­ten zu sehen ist wenig übrig. Im Bun­des­tag sit­zen 203 Abge­ord­ne­te aus dem Öffent­li­chen Dienst und zwei, die pri­vat Haus­mann­frau sind. 101 arbei­ten bei „gesell­schaft­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen“ wie etwa Par­tei­en, vier sind arbeits­los oder ohne Beruf. Das Par­la­ment bil­det die Gesell­schaft nicht mehr ab, und das schaff­te auch Fall­hö­he für eine Rabu­lis­ten­frak­ti­on rechtsaußen.“

Fried­rich Küpers­busch: Coro­na, CDU und Grü­ne: Impf­par­ty mit Schei­be.(taz, 06.04.2021)

Für das Pro­blem, dass sich Tei­le der Bevöl­ke­rung nicht reprä­sen­tiert füh­len, gibt es eine Lösung. Reprä­sen­ta­tiv zusam­men­ge­stell­te, gelos­te Bürger*innenräte. Die­se wür­den auch das Lob­by­is­mus-Pro­blem abmil­dern und sie sind wich­tig für Pro­blem­fel­der, die Politiker*innen sys­tem­be­dingt nicht bear­bei­ten kön­nen. Wie funk­tio­niert das im Detail und warum? 

Gewis­se Pro­ble­me kön­nen bzw. wol­len Politiker*innen nicht ange­hen, weil sie das je nach Pro­blem­la­ge 5–10% ihrer Wähler*innen kos­ten könn­te und weil die gesam­te gegen­wär­ti­ge Poli­tik auf Macht­er­halt und Wie­der­wahl in vier bzw. fünf Jah­ren aus­ge­rich­tet ist. Ein Bei­spiel für einen Bürger*innenrat war der, der zum The­ma Abtrei­bung in Irland durch­ge­führt wur­de. Es wäre für Politiker*innen schwer gewe­sen, sich hin­zu­stel­len und zu sagen: „Ich bin für Abtrei­bung.“ Es wur­de also ein Bürger*innenrat zusam­men­ge­stellt. Dazu wur­de eine reprä­sen­ta­ti­ve Grup­pe von 100 Per­so­nen aus­ge­wählt. Reprä­sen­ta­tiv heißt, dass die Zusam­men­set­zung der Alters­struk­tur, der sozio-öko­no­mi­schen Struk­tur usw. des jewei­li­gen Lan­des ent­spricht. Wer letzt­end­lich in die­sem Rat sitzt, wird nach der reprä­sen­ta­ti­ven Vor­auswahl durch ein Los­ver­fah­ren ent­schie­den. Der Bürger*innenrat trifft sich dann über meh­re­re Wochen und bekommt Input von Expert*innen zum jewei­li­gen Pro­blem (Recht, Gesund, Öko­no­mie, Kli­ma, Ver­ke­her, wha­te­ver), so dass alle Aspek­te gut auf­ge­ar­bei­tet sind. (Das unter­schei­det die Räte von Volks­ent­schei­den, bei denen ein­fach jede*r Ein­zel­ne aus dem Bauch her­aus ent­schei­det.) Die 100 Per­so­nen kom­men dann zu einem Schluss, der hof­fent­lich von einer brei­ten Mehr­heit der Gesell­schaft mit­ge­tra­gen wird. Das fol­gen­de Video über das Refe­ren­dum zur Abtrei­bung in Irland erklärt alle Punk­te sehr gut:

Außer die­sem Bürgerrinnen*rat zur Abtrei­bung gab es auch in Frank­reich schon einen zum The­ma Kli­ma­schutz. Die Regie­rung Macron hat Tei­le der Emp­feh­lun­gen auch übernommen.

Dass Bürger*innenräte kein Hirn­ge­spinst irgend­wel­cher Revo­lu­zer oder Sozi­al­ro­man­ti­ker sind, sieht man auch dar­an, dass Wolf­gang Schäu­be­le (Bun­des­tags­prä­si­dent, CDU) sie unterstützt.

Bür­ger­rat Demo­kra­tie Ver­an­stal­tung mit Bun­des­prä­si­dent Wolf­gang Schäu­be­le, 15.11.2019

Das Lob­by­is­mus­pro­blem wür­de duch Bürger*innenräte zwar nicht gelöst, aber zumin­dest auch abge­mil­dert, weil es nicht mög­lich ist, lang­jäh­ri­ge Netz­wer­ke und Abhän­gig­kei­ten auf­zu­bau­en, wenn die Rats­mit­glie­der zufäl­lig aus­ge­wählt sind und nur zu weni­gen Sit­zun­gen zusammenkommen. 

Dass beim The­ma Lob­by­is­mus und Kor­rup­ti­on drin­gend etwas pas­sie­ren muss, zeigt auch das Rezo-Video, um das es im fol­gen­den Abschnitt geht.

Krisentauglichkeit

Rezo hat die gegen­wär­ti­ge Situa­ti­on mal wie­der schön zusam­men­ge­fasst: Unse­re gegen­wär­ti­ge Regie­rung ist kor­rupt, macho­mäs­sig unter­wegs und inkompetent:

Rezo zer­stört die Coro­na-Poli­tik, 05.04.2021

Was man in der aktu­el­len Situa­ti­on braucht, ist die Fähig­keit, eine Bedro­hungs­la­ge ein­zu­schät­zen. Man muss Expo­nen­ti­al­kur­ven ver­ste­hen kön­nen und man muss ein­schät­zen kön­nen, wie eine wei­te­re Ent­wick­lung ver­lau­fen wird. Nie­mand, der ein Minis­te­ri­um lei­tet, ver­steht alle fach­li­chen Details. Das muss auch nicht so sein, aber es braucht Selbst­be­wusst­sein und mensch­li­che Grö­ße und ein Urteils­ver­mö­gen, um ein­schät­zen zu kön­nen, dass man selbst an bestimm­ten Stel­len inkom­pe­tent ist und sich auf Expert*innen ver­las­sen muss. Rezo hat die wesent­li­chen Video­schnip­sel der letz­ten Wochen zusam­men­ge­schnit­ten und belegt, dass unse­re Bundesregierung/Ministerpräsidentenkonferenz ein inkom­pe­ten­ter, arro­gan­ter Macho­hau­fen ist. Aus der Bezeich­nung Macho­hau­fen (klingt irgend­wie wie Matsch­hau­fen, viel­leicht ist er ja nach dem Coro­na-Win­ter weg) folgt auch, dass Ange­la Mer­kel nicht ein­ge­schlos­sen ist. Sie hat Phy­sik stu­diert und ver­steht Expo­nen­ti­al­kur­ven. Das ist es, was wir brau­chen. Also nicht unbe­dingt die Phsyik aber die Expo­nen­ti­al­kur­ven (Mein Vater hat mich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das Ober­stu­fen­schul­stoff ist.). Die fol­gen­de Kur­ve zeigt das Infek­ti­ons­ge­sche­hen in Deutsch­land. Man sieht sehr schön die ers­te, zwei­te und drit­te Welle.

Drit­te Wel­le kurz vor dem Rum­ge­eie­re der Minis­ter­prä­si­den­ten­kon­fer­nez vor Ostern 2021

Die­se Ent­wick­lun­gen wur­den vor­her­ge­sagt. Es wur­den mathe­ma­ti­sche Model­le gebaut, die genau das vor­her­ge­sagt haben, was ein­ge­tre­ten ist. (Sie­he Fuß­no­te 1 zu for­ma­len Model­len in der Sprach­wis­sen­schaft.) In vie­len Situa­tio­nen hilft es, einen Phä­no­me­n­be­reich zu model­lie­ren. Man kann dann Vor­her­sa­gen einer Theo­rie bestim­men und ein Abgleich mit der Wirk­lich­keit hilft einem, Rück­schlüs­se auf die Qua­li­tät der Theo­rie zu zie­hen. Wie das Rezo-Video zeigt, wur­den die Gefah­ren, vor denen unser Land stand und immer noch steht, igno­riert und Poli­ti­ker (ohne *innen) sind sich nicht zu blöd, sich vorn hin­zu­stel­len und das auch noch rich­tig zu finden. 

Schau­en wir uns eine ande­re Kur­ve an. Sie ist aus dem Wiki­pe­dia-Arti­kel über Koh­len­stoff­di­oxid in der Erd­at­mo­sphä­re und zeigt eben­falls ein expo­nen­ti­el­les Wachstum:

Expo­nen­ti­el­ler Zunah­me von CO2 in der Atmo­sphä­re in den letz­ten Jahr­zehn­ten Quel­le: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=694303

Klimawissenschaftler*innen bau­en kom­ple­xe Model­le zu den Ent­wick­lun­gen, die uns in den nächs­ten Jah­ren und Jahr­zehn­ten bevor­ste­hen. Sie sind sehr zurück­hal­tend und nicht alar­mis­tisch. Das ent­spricht der Serio­si­tät, die in der Wis­sen­schaft üblich ist. Ein Kol­le­ge von der Hum­boldt-Uni, der wie ich auch bei den Scientists4Future aktiv ist, hat noch vor zwei Jah­ren den Begriff Kli­ma­kri­se abge­lehnt, weil er ihn für zu alar­mis­tisch hielt. Die Klimawissenschftler*innen sind sich einig: Wir haben ein Pro­blem. Ein gro­ßes! Die Kli­ma­kri­se ist um ein Viel­fa­ches grö­ßer als das, was wir jetzt erle­ben. Coro­na macht kei­nen Spaß? Dann kämpft dafür, dass wir nicht Cor­na++ bekommen!

Ange­la Mer­kel ver­steht das alles, aber lei­der ist Ange­la Mer­kel eine lame duck. Sie konn­te sich bei Coro­na nicht gegen ihre Matsch-Kum­pels durch­set­zen. Auch die Öko-Bilanz ist fins­ter. Mer­kel war Umwelt­mi­nis­te­rin und hat auf die Kli­ma­pro­ble­me hingewiesen. 

Buch­pu­bli­ka­ti­on von Ange­la Mer­kel 1997

Sie hat schon 1997 klar auf­ge­zeigt, was getan wer­den muss. Was pas­siert ist, ist aber so ziem­lich das Gegen­teil von dem, was wir gebraucht hätten.

Chris­ti­an Lind­ner und mein Vater3 sagen: Die Kli­ma­pro­ble­me und die gro­ße Poli­tik soll­ten doch die Pro­fis regeln. Die­se haben aber ver­sagt. Wir kön­nen nicht mehr war­ten (und Lind­ner hat ja eh kei­ne Lust zu regie­ren). Und des­halb machen wir das jetzt selbst! Los! Wie Rezo sagt: Bes­ser als die sind wir allemal!

Ein (zukünf­ti­ger) Pro­fi demons­triert bei Fri­days For Future Demons­tra­ti­on in Ber­lin, 15.03.2019 Bild: Ste­fan Mül­ler, CC-BY

Quellen

Küpers­busch, Fried­rich. 2021. Coro­na, CDU und Grü­ne: Impf­par­ty mit Schei­be. taz. Ber­lin. (https://taz.de/Corona-CDU-und-Gruene/!5758868/)

Mau­rin, Jost. 2021. Lob­by­is­mus in der Uni­on: Anfäl­lig­keit für Ein­fluss­nah­me. taz. Ber­lin. (https://taz.de/Lobbyismus-in-der-Union/!5757524/)

Mau­rin, Jost. 2021. Die Agrar­mi­nis­te­rin biegt Fak­ten zurecht: Klöck­ners Des­in­for­ma­ti­on. taz. Ber­lin. (https://taz.de/Die-Agrarministerin-biegt-Fakten-zurecht/!5762088)

tages­schau. 2019. Initia­ti­ve für mehr Demo­kra­tie: „Bür­ger­rat“ gibt Emp­feh­lun­gen ab. (https://www.youtube.com/watch?v=LV_dptGINYI)

Wagen­ho­fer, Erwin. 2005. We feed the world – Essen glo­bal. Alle­gro Film. (https://www.youtube.com/watch?v=m5HfaSBdtWU)